CH-Verlauf: Verluste ausgeweitet – Warten auf EZB-Zinsentscheid

Eine Leitzinssenkung der EZB um 50 Basispunkte auf 3,25% sei vom Markt aber bereits eingepreist, so der Händler weiter. Für mehr Impulse als der Leitzinsentscheid selber dürften also die Kommentare des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet sorgen.


Wohin sich der Markt im weiteren Verlauf bewegen werde, sei sehr ungewiss, erklärte der Händler weiter. Je nach Interpretation der Entscheidung und Kommentare könne sich der Markt erholen oder weiter ins Minus drehen. «Ich erwarte keine grösseren Überraschung der EZB oder auch der Bank of England, doch wie die Anleger die Entscheide auslegen wird spannend sein», so der Händler.


Der SMI verliert bis um 12.00 Uhr 192,74 Punkte oder 3,12% auf 5’984,41 Zähler. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index büsst 4,26% auf 845,96 Punkte ein und der breite Gesamtmarkt (SPI) sinkt um 3,05% auf 4’931,62 Zähler.


Die rote Laterne im SMI/SLI halten weiterhin Petroplus (-15,3% auf 30,00 CHF). Die Raffineriebetreiberin hat mit den Drittquartalszahlen beim operativen Gewinn und Nettoergebnis schlechter abgeschnitten als erwartet, verweist jedoch auf negative Lagerbewertungseffekte durch die IFRS-Bilanzierung und auf den rückläufigen Ölpreis.


Deutlich verkauft werden auch die Bankenwerte, allen voran UBS (-10,9% auf 17,18 CHF). Die UBS Investment Bank hat heute eine Minderheitsbeteiligung an Governance Metrics International erworben. Doch auch Julius Bär (-8,7% auf 43,84 CHF) und Credit Suisse (-7,6% auf 37,60 CHF) werden abgestraft. Unter anderem dürfte auch die Wahl des neuen US-Präsidenten Barack Obama für erhöhten Druck sorgen. Allgemein wird erwartet, dass sich mit dem neuen Präsidenten die US-Position gegenüber dem Bankengeheimnis in der Schweiz verhärten wird.


Kaum besser ergeht es den Assekuranzen: ZFS (-9,6% auf 227,00 CHF), Swiss Re (-6,6% auf 50,25 CHF), Swiss Life (-6,2% auf 123,80 CHF) und Baloise (-5,0% auf 65,10 CHF) werden deutlich abgestraft. Neben dem negativen Branchensentiment dürften bei Swiss Life auch die schlechten Zahlen des Finanzdienstleister MLP belasten; Swiss Life ist mit knapp einem Viertel an MLP beteiligt.


Mit zu den grössten Verlieren zählen auch Nobel Biocare (-8,5% auf 20,58 CHF), ABB (-7,6% auf 14,61 CHF), OC Oerlikon (-7,6% auf 108,50 CHF) oder Lonza (-6,9% auf 88,30 CHF).


Besser ergeht es SGS (-2,8% auf 1’092 CHF). Die Aktien des Warenprüfers erfahren gemäss Händlern etwas Auftrieb durch die guten Neunmonatszahlen und die Erhöhung der Guidance des Konkurrenten Bureau Veritas.


In der Gewinnzone bzw. mit sehr geringen Verlusten bewegen sich die defensiven Werte Roche (-0,1% auf 167,70 CHF), Novartis (+0,4% auf 57,00 CHF) und Nestlé (-1,4% auf 46,16 CHF). Die Pharmawerte profitieren dabei nicht nur von ihrem defensiven Charakter, sondern auch von einer technischen Erholung nach dem gestrigen Ausverkauf. Die Branche kam gestern mit Blick auf den erwarteten politischen Wandel in den USA verstärkt unter Druck.


Mit den grössten Aufschlägen im SMI/SLI profilieren sich Synthes (+1,9% auf 141,70 CHF) und machen damit zum Teil ihre herben Vortagesverluste wett. Die Titel gelten unter den Medizinalwerten als sehr defensiv.


In der zweiten Reihe verlieren Lem Holding (-8,6%) trotz guter Erstsemesterzahlen. Einmal mehr sei einem Unternehmen der Blick in die Zukunft zum Verhängnis geworden, hiess es am Markt. Lem hatte nach Meinung der Analysten einen «sehr negativen» Ausblick abgegeben. Stärker zurückgenommen werden auch Sonova (-4,0%); hier dürfte die gestern erfolgte Gewinnwarnung des dänischen Konkurrenten William Demant ebenso belasten, wie Kurszielsenkungen durch Helvea und Citigroup.


Von den vorgelegten Ergebnissen profitieren konnten hingegen die Aktien von Barry Callebaut (+2,4%), Ypsomed (+1,8%) und Compagnie Financière Tradition (+0,4%). Auch Santhera (+4,2%) legen zu; vorbörslich war bekannt geworden, dass sich die Bertarelli Familie im Rahmen einer Privatfinanzierung am Unternehmen beteiligt. (awp/mc/pg/21)

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