Commerzbank wegen Finanzkrise operativ mit Gewinneinbruch

Dies teilte die zweitgrösste deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Der seit Mitte Mai amtierende Vorstandschef Martin Blessing versicherte jedoch in einem Brief an die Aktionäre: «Wir sind sowohl für weiteres organisches als auch für externes Wachstum gut aufgestellt.» Zukaufen werde die Commerzbank allerdings nur, wenn es sinnvoll sei: «Und Sinn macht es nur, wenn wir Mehrwert für Sie, unsere Aktionäre, für unsere Kunden und Mitarbeiter schaffen», erklärte Blessing. Kreisen zufolge verhandelt die Commerzbank derzeit über einen Kauf der Allianz-Tochter Dresdner Bank.


Rekord vom Vorjahr in Frage gestellt
Das Commerzbank-Management sieht sich «auf Spur», bekräftigte aber seine bereits nach dem ersten Quartal geäusserte Skepsis, in diesem Jahr den Rekordüberschuss des Vorjahres von 1,92 Milliarden Euro wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen. Finanzvorstand Eric Strutz erklärte in einer Mitteilung, es dürfte «sehr schwer werden», im Gesamtjahr das gute Ergebnis des Vorjahres zu erreichen. Im zweiten Quartal rettete unterm Strich eine Steuergutschrift in Höhe von fast 400 Millionen Euro den Gewinn – diese klammerte Strutz bei seinem Ausblick aus. Der Überschuss lag in den drei Monaten bis Ende Juni mit 817 Millionen Euro um 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Im gesamten ersten Halbjahr verbuchte der DAX-Konzern einen Überschuss von 1,097 (1,377) Milliarden Euro.


Belastungen aus der Krise
Auf die verschiedenen von der Finanzkrise belasteten Wertpapiere musste die Commerzbank im zweiten Quartal noch einmal insgesamt Abschreibungen in Höhe von 170 Millionen Euro vornehmen. Im ersten Quartal waren es noch 244 Millionen Euro. Insgesamt brachte die Krise dem Konzern damit seit ihrem Ausbruch vor gut einem Jahr Belastungen bei sogenannten strukturierten Wertpapieren von knapp einer Milliarde Euro.


Risikovorsorge markant erhöht
Darüber hinaus musste die Commerzbank im zweiten Jahresviertel eine einmalige Einzelwertberichtigung auf das Geschäft mit Firmen-Immobilien (Commercial Real Estate) in Höhe von 250 Millionen Euro vornehmen, die sich in der Risikovorsorge niederschlug. Diese kletterte dadurch auf 414 Millionen Euro, im Vorjahr hatte das Institut nur 151 Millionen Euro für faule Kredite zurückgelegt. Die Commerzbank rechnet mit weiteren Belastungen für die Branche: «Alles in allem ist die Finanzkrise noch nicht zum Stillstand gekommen und wird auch das zweite Halbjahr 2008 beeinträchtigen», heisst es im Quartalsbericht.


Zinsüberschuss und Handelsergebnis positiv
Bei den Erträgen stach im zweiten Quartal der Zinsüberschuss positiv hervor: Er verbesserte sich auf rund 1,18 (1,0) Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen deutlich. Der Provisionsüberschuss sank auf 717 (758) Millionen Euro, das Handelsergebnis blieb mit 375 (381) Millionen Euro fast unverändert. Vor allem das Handelsergebnis und der durch die Steuergutschrift gestiegene Gewinn überzeugte den Markt zunächst: Die Commerzbank-Aktie zog in den ersten Handelsminuten deutlich an, rutschte jedoch bis 9.45 Uhr ins Minus. Zuletzt stand sie mit einem Abschlag von 0,84 Prozent auf 21,76 Euro am DAX-Ende.


Zukäufe im Privatkundengeschäft vorgesehen
Die Commerzbank hat ihren Willen zu Zukäufen im Privat- und Firmenkundengeschäft bekräftigt. Die erste Priorität liege dabei auf Deutschland, die zweite auf der Region Osteuropa, sagte Finanzchef Eric Strutz am Mittwoch auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten in Frankfurt. Er betonte, eine Akquisition müsse aber in jedem Fall innerhalb von drei Jahren positiv zum Ergebnis je Aktie beitragen, um Sinn zu machen. «Beim Thema Zukäufe gibt es aktuell nichts Neues zu vermelden», sagte Strutz. Die Frage, ob das Institut auch am Ende des Jahres noch allein da stehen könnte, wollte er nicht kommentieren. Die Commerzbank verhandelt Kreisen zufolge bereits seit Monaten mit der Allianz über einen Kauf der Tochter Dresdner Bank, ohne bislang zu einem Ergebnis gekommen zu sein. (awp/mc/ps/08)

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