Deutsche Bank mit Milliardenverlust

Er erwarte aber «weiterhin sehr schwierige Bedingungen für die Weltwirtschaft und damit grosse Herausforderungen», sagte Ackermann. «Alles in allem bin ich sehr besorgt über die globale Kreditwirtschaft.»


Keine Unterstützung vom Staat
Geld vom Staat zur Bewältigung der Finanzmarktkrise brauche der DAX-Konzern nach wie vor nicht, betonte Ackermann: «Diese Bank bestimmt ihr Schicksal selbst.» Mit einer vergleichsweise hohen Kernkapitalquote von 10,1 Prozent sieht sich das Institut gut gerüstet. Zur Debatte um eine «Bad Bank» für Risikopapiere der Finanzbranche betonte Ackermann, sein Institut benötige kein solches Vehikel. «Ich bin auch nicht für eine nationale «Bad Bank», weil die Grössenordnung alle Dimensionen sprengen würde.»


Erträge im Januar deutlich über Vorjahreswert
Im Januar erwirtschaftete die Bank Erträge in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Dies sei deutlich über dem Vergleichswert des vergangenen Jahres und «nur unwesentlich» unter dem Spitzenwert von 2007. Die genauen Januar-Vergleichszahlen aus den Vorjahren nannte die Bank nicht. Ackermann räumte allerdings ein, man könne «den Januar nicht als Massstab für das erste Quartal nehmen». Es könnten noch «dramatische Erschütterungen» kommen, weitere Belastungen seien nicht auszuschliessen.


Verlust von 5,7 Mrd. Euro vor Steuern
Im vergangenen Jahr rutschte der DAX-Konzern – wie bereits Mitte Januar mitgeteilt – tief in die roten Zahlen: Unter dem Strich lag der Verlust bei 3,9 Milliarden Euro – nach einem Rekordüberschuss von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2007. Vor Steuern betrug der Verlust 5,7 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 8,7 Milliarden Euro. Es ist das erste Verlustjahr der Bank seit dem Zweiten Weltkrieg. Allein im Schlussquartal 2008, im dem sich die Finanzmarktkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers nochmals zugespitzt hatte, lag das Minus nach Steuern bei 4,8 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: plus 1,0 Milliarden Euro). Mit diesem Ergebnis sei das Management «absolut unzufrieden», sagte Ackermann. Die Aktionäre sollen für 2008 dennoch 50 Cent (Vorjahr: 4,50 Euro) Dividende je Aktie erhalten.


Totalbelastungen bereits über 9 Mrd. Euro
Insgesamt summierten sich die Belastungen für die Bank seit Beginn der Krise auf 9,3 Milliarden Euro – davon 7 Milliarden im vergangenen Jahr. Ihre Vorsorge für Kreditausfälle erhöhte das Institut deutlich: Im Gesamtjahr 2008 legte die Deutsche Bank für faule Kredite mit 1,1 Milliarden Euro 76 Prozent mehr zurück als im Jahr 2007.


Ackermann kündigt Anpassungen an
Ackermann bekräftigte, der Konzern werde Schwächen beseitigen, die sich vor allem im vierten Quartal gezeigt hätten. Im Eigenhandel sei das Risiko konzernweit um 75 Prozent reduziert worden, im Investmentbanking wurde eine Neuausrichtung eingeleitet: Damit verzichtet die Bank zwar auf Erträge in Milliardenhöhe, verringert aber ihr Risiko deutlich. «Wir wollen die Erträge mit weniger Risiko erreichen.» Ackermann betonte zugleich:


Ackermann-Abgang wie geplant im Mai 2010
«Das Modell einer nach Produkten, Kundengruppen und Regionen breit diversifizierten Investmentbank mit einem starken, ausbaufähigen Privatkundengeschäft ist nach wie vor intakt.» Er selbst werde die Bank wie geplant im Mai 2010 verlassen, bekräftigte Ackermann, der an diesem Samstag (7.2.) 61 Jahre alt wird.


Hunderte Stellen abgebaut
Aus ihrer Beteiligung an der Postbank erwartet die Deutsche Bank einen zusätzlichen jährlichen Vorsteuergewinn von «etwa 120 bis 140 Millionen Euro», wie Ackermann sagte. Dieser Wert soll in drei bis vier Jahren in vollem Umfang erreicht werden. Die Deutsche Bank übernimmt zunächst 22,9 Prozent der Bonner Postbank, bis Ende Februar soll die Transaktion nach bisheriger Planung abgeschlossen sein.


Im Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden (PBC) sank bei der Deutschen Bank der Vorsteuergewinn binnen Jahresfrist um 18 Prozent auf 945 Millionen Euro. Die Sparte umfasste zum Jahresende 14,6 Millionen Kunden – etwa 800.000 mehr als ein Jahr zuvor. Im Zuge der Krise baute der Konzern im vierten Quartal weltweit hunderte Stellen ab. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der Vollzeitstellen von 81.308 auf 80.456. Das waren jedoch immer noch rund drei Prozent mehr als im vierten Quartal 2007. In Deutschland blieb die Zahl der Mitarbeiter mit 27.942 praktisch stabil. (awp/mc/pg/10)

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