Deutschland: Wirtschaft boomt dankt Export


Damit wuchs das BIP so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Damit bestätigte die Wiesbadener Behörde ihre erste Berechnung von Mitte August. Volkswirte halten den Aufschwung nach dem tiefen Absturz im Krisenjahr 2009 für stabiler als erwartet. Denn nicht nur der Export stützt, sondern auch Investitionen und Konsum erholen sich zunehmend. Reihenweise erhöhen Ökonomen ihre Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet nun mit mehr als 3 (bisher 1,9) Prozent Wachstum. Die Bundesbank hatte ihre Prognose kürzlich von knapp 2 Prozent auf rund 3 Prozent angehoben, die Deutsche Bank erwartet gar 3,5 Prozent.


Industrie und Dienstleistungssektor im Aufwind
„Die Erholung hat die deutschen Wirtschaft in ihrer vollen Breite erfasst. Sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor befinden sich wieder im Aufwind“, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die jüngsten Daten. Das Vertrauen von Konsumenten und Investoren sei zurückgekehrt. Doch die nächsten Dämpfer sind nach Ansicht von Experten absehbar: In den USA stottert der Konjunkturmotor bereits wieder, in China droht eine Überhitzung des Immobilienmarktes. Im Euro-Raum haben viele Staaten mit Schuldenbergen zu kämpfen, die in der Krise noch gigantischer wurden. In der Summe erwarten Ökonomen dadurch Rückschläge für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.


DIW mahnt zur Vorsicht
DIW-Präsident Klaus Zimmermann sagte „Handelsblatt Online“, er rechne für die zweite Jahreshälfte mit „einer deutlichen Abschwächung“ des Wirtschaftswachstums. Wolfgang Franz, Vorsitzender des Sachverständigenrates, zeigte sich im „Handelsblatt“ (Dienstag) überzeugt: „Die jetzige Dynamik wird die deutsche Wirtschaft nicht für längere Zeit beibehalten können.“ Es werde nicht gelingen, sich auf Dauer etwa von der US-Konjunktur abzukoppeln.


Investitionen neben Aussenhandel Wachstumstreiber
Im zweiten Quartal profitierte Deutschland noch deutlich vom Anziehen der weltweiten Nachfrage nach Waren „Made in Germany“. Treiber für das Wachstum waren neben dem Aussenhandel (Exporte plus 8,2 Prozent) auch die Investitionen. Sowohl in Ausrüstungen (plus 4,4 Prozent) als auch in Bauten (plus 5,2 Prozent) flossen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes deutlich mehr Mittel als im Vorquartal. Die privaten Konsumausgaben waren um 0,6 Prozent höher als in den ersten drei Monaten dieses Jahres.


Wachstum im fünften Quartal in Folge
Die Investitionen von Staat und Unternehmen in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge – die sogenannten Ausrüstungsinvestitionen – bewegen sich noch auf relativ niedrigem Niveau. Der Anstieg der Bauinvestitionen erklärt sich zum Teil damit, dass viele Projekte wegen des strengen Winters verschoben worden waren. Dennoch: Nach der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte mit einem Minus von 4,7 Prozent wuchs die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr 2010 im fünften Quartal in Folge. Auf Jahressicht stieg das BIP preisbereinigt um 4,1 Prozent.


EU-Kommissar Rehn hofft auf stärkeren Konsum
Nach dem starken Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal hofft EU-Wirtschaftskommissar Oli Rehn auf ein Anspringen des privaten Konsums. „Wenn die deutsche Inlandsnachfrage anzieht und auch in andere Mitgliedstaaten überschwappt, dann kann dies beim Abbau der Ungleichgewichte in der Eurozone helfen“, sagte Rehn dem „Handelsblatt“. Deutschland war zuletzt immer wieder für seine starken Ausfuhren kritisiert worden. Laut Kritikern geht die Exportstärke Deutschlands zu Lasten des Aussenhandels anderer Euro-Länder. (awp/mc/ps/05)

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