EADS: Frankreich sorgt Kapitalerhöhungsplan für Unruhe

Nach dem abgesagten Treffen des Verwaltungsrates am vergangenen Freitag, bei dem es um die Finanzierung des A350 gehen sollte, seien die Fronten zwischen den privaten Aktionären DaimlerChrysler und dem französischen Mischkonzern Lagardere einerseits sowie dem französischen Staat andererseits verhärtet, schreibt das «Handelsblatt» (Montagausgabe) unter Berufung auf die industriellen Eigner.


«Erpressung durch Paris»
Während sich die Unternehmen für den Bau des Fliegers Geld auf dem Kapitalmarkt besorgen wollten, habe der französische Staat seine Mitaktionäre mit dem Plan überrascht, eine Kapitalerhöhung der Altaktionäre durchzusetzen. Sollten die Grossaktionäre nicht mitziehen, würde Frankreich auch alleine handeln. Sowohl Daimler als Lagardere sträubten sich gegen dieses Szenario. In französischen Luftfahrtkreisen sei von einer «Erpressung durch Paris» die Rede, schreibt die «Financial Times Deutschland». DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche will den derzeitigen Anteil seines Konzerns an EADS in Höhe von 22,5 Prozent um 7,5 Prozentpunkte senken. Im Zuge einer Kapitalerhöhung mehr Geld nachzuschiessen, dürfte seinen Interessen zuwiderlaufen.


Keine Stellungnahmen von DaimlerChrysler und EADS
Am Montag waren weder EADS noch DaimlerChrysler auf Anfrage zu einer Stellungnahme bereit. Aus Branchenkreisen hiess es aber: «Die beiden privaten Aktionäre werden es wohl nicht zulassen, dass der französische Staat seinen Anteil über eine Kapitalerhöhung aufstockt.» Laut «FTD» würden diese auch die für Freitag angesetzte neue Sitzung des Verwaltungsrates erneut verschieben. DaimlerChrysler und die Sogeade, in der die Aktien des französischen Staates (15%) und des privaten Medienkonzerns Lagardere (7,5%) gebündelt sind, halten derzeit je 22,5 Prozent an EADS, die Staatsholding SEPI der spanischen Regierung hielt zuletzt 5,5 Prozent. Die spanische Regierung hat aber angekündigt, ihren Anteil auf 10 Prozent erhöhen zu wollen.


Machtverhältnisse weitgehend zementiert
Die Machtverhältnisse sind bei EADS indes weitgehend zementiert. Laut Unternehmenssatzung können nur die Grossaktionäre DaimlerChrysler und Sogeade sowie die spanische SEPI auf die Nominierung von Mitgliedern des Boards Einfluss nehmen. Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS im Jahr 2000 auf diese Sonderrechte verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten. Die Sonderrechte der Grossaktionäre würden auch im Falle eines niedrigeren Anteils bestehen bleiben und erst erlöschen, wenn der Anteil auf weniger als fünf Prozent sinkt. (awp/mc/ab)

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