Goldman-Chef fordert Reform der Managergehälter

Im Rückblick wirkten einige Entscheidungen etwa zu Managervergütungen «selbstsüchtig» und «gierig». Die Zahlungen dürften exzessive Risikobereitschaft nicht länger belohnen, forderte Blankfein. «Wir sollten bei der Vergütung grundlegende Standards anwenden.» Blankfein selbst hatte noch für das Jahr 2007 – als sich die Finanzkrise schon abzeichnete – mit einem Bonus im damaligen Volumen von 67,9 Millionen Dollar einen Wall- Street-Rekord aufgestellt. Für 2008 bekam er dagegen keine Prämie, auch weil Goldman Sachs wie viele andere Banken staatliche Milliardenhilfen erhielt.


Anspruch nicht erfüllt
Es werde nach der Krise Jahre dauern, das öffentliche Vertrauen in die Finanzbranche wieder aufzubauen, sagte Blankfein. «Wir haben uns als Experten hochgehalten», doch dieser Anspruch sei nicht erfüllt worden. Eine verschärfte Regulierung der Finanzbranche müsse auch für grosse Hedge-Fonds und private Beteiligungsgesellschaften gelten, forderte der Goldman-Chef. Die Branche habe sich zudem zu sehr auf Ratingagenturen verlassen. Erst in der vergangenen Woche hatte der G20-Gipfel in London grundsätzlich deutlich mehr Regulierung für die weltweiten Finanzmärkte beschlossen.


Proteste
Die Rede vor einer Investorenvereinigung wurde von Protesten unterbrochen. Auf einem Plakat forderten Demonstranten «Wir wollen unsere Dollar zurück.» Auf die Frage, warum die Steuerzahler der Finanzbranche überhaupt helfen sollten, sagte er laut «Wall Street Journal», diese Frage stellten sich wohl die meisten Menschen im Land. Blankfein sprach sich erneut für eine möglichst rasche Rückzahlung der staatlichen Milliardenhilfen für Banken aus.


Ackermann: Keine Boni für Fehlleistungen
Zuvor hatte auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von seiner Branche Mässigung bei milliardenschweren Bonuszahlungen verlangt. Ackermann hatte der «Bild»-Zeitung gesagt: «Fehlleistung darf nicht belohnt werden. Schon gar nicht mit Steuergeldern.» Auch Bank- Manager müssten Opfer bringen. «Nicht alles, was einem rechtlich zusteht, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim.» Das schliesse auch Top-Manager in Banken ein, die kein Staatsgeld in Anspruch nehmen. «Wir müssen hier alle ein Signal setzen.»


Weltweit sorgen hohe Sonderzahlungen für Manager der kriselnden Finanzbranche seit Wochen für Aufregung: In Deutschland hatten beispielsweise die Vorstände der Dresdner Bank – die inzwischen zur vom Staat gestützten Commerzbank gehört – trotz Rekordverlusts für das Jahr 2008 zusammen 58 Millionen Euro angewiesen bekommen. In den USA waren Manager des vom Staat gestützten Versicherungsriesen AIG wegen horrender Boni massiv kritisiert worden. (awp/mc/pg/34)

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