Julius Bär: Privatbank setzt auf finanzielle Stärke – und höhere Dividenden


Julius Bär richtet sich auf eine Phase «nicht boomender Märkte» aus. Organisches Wachstum und ein verstärktes Augenmerk auf die Performance stehen im Fokus. Der Reingewinn 2002 wird tiefer liegen als erwartet.

Von Beat Römer


(Foto: Keystone)
Die Katerstimmung nach dem Ende der exzessiven Börsenzeiten weicht in der Finanzindustrie einem neuen Selbstverständnis. Man schaut wieder mehr, was in den eigenen Kassen drin ist, besinnt sich auf seine Wurzeln und gibt sich wieder mit deutlich weniger zufrieden. Für diese Wandlung steht auch die Privatbank Julius Bär. Ihr CEO Walter Knabenhans beschreibt die Lage an den Märkten mit gedrechselten Worten: «Wir sind nicht mehr allzuweit vom Übergang in eine Phase der nicht boomenden Märkte entfernt.»

Kostensenkungs-Programm läuft
Seit Monaten läuft bei Bär ein Kostensenkungs-Programm, um die negativen Auswirkungen der Börsen-Hausse wieder in Griff zu kriegen. In diesen Zeiten stieg der Betriebsaufwand überproportional zu den verwalteten Vermögen und dem Betriebsertrag. Die im August eingeleiteten Massnahmen zur nachhaltigen Kostensenkung von 10 Prozent einerseits sowie zur Ertragssteigerung andererseits würden laut Finanzchef Rolf W. Aeberli plangemäss realisiert.

Abbau von 150 Stellen
Bis Mitte 2003 sollen rund 150 Stellen eingespart werden, knapp sieben Prozent des gesamten Personalbestandes. Rund die Hälfte davon sei bereits realisiert, wobei die immer noch knapp zweistellige Fluktuationsrate bestmöglich genutzt worden sei. Die Anpassung der Kapazitäten erfolge etwa zu gleichen Teilen im Ausland sowie in der Schweiz und betreffe in erster Linie Nicht-Frontbereiche.

Keine Strategieänderung
CEO Walter Knabenhans betont, dass die Bank inskünftig wieder – unter Einhaltung einer strikten Kostenkontrolle – mit den bewährten Kernkompetenzen wachsen wolle. Julius Bär werde sich als «unabhängiges und finanzstarkes Familienunternehmen» weiterhin auf die Anlageberatung und Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden konzentrieren. Dazu zählt auch, dass man die finanzielle Solidität des Unternehmens in die Waagschale wirft, so etwa die kerngesunde Bilanz mit eigenen Mitteln von 12 Prozent der Bilanzsumme oder das Prime-1-Rating von Moody’s für die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Deshalb soll inskünftig auch die Dividende zu Lasten der Reservenäufnung erhöht werden.


CEO Walter Knabenhans (Foto: Keystone)
Konzentration auf organisches Wachstum
Wachsen will man ohne grössere Akquisitionen, wobei sich Konzernchef Knabenhans ein Hintertürchen offen lässt. «Wir wollen in unseren wichtigsten Märkten primär organisch wachsen und ein führender, unabhängiger Vermögensverwalter mit starken Schweizer Wurzeln bleiben. Trotzdem werden wir Möglichkeiten für kleinere Übernahmen genau prüfen».

Ausbau in Dubai und Italien – und den USA
Julius Bär wird eine Niederlassung in Dubai (Konzernleitungs-Vizepräsident Raymond J. Bär: «Das Singapur von Middle East») eröffnen und plant die Gründung einer Asset Management-Gesellschaft in Italien. In den USA sollen zudem die Aktivitäten der Sparte Asset Management & Investment Funds intensiviert werden. In diesem Jahr wurde der Personalbestand um zehn Leute aufgestockt, auch 2003 soll nochmals zusätzliche Mitarbeiter ins Boot geholt werden. Auch der Auf- und Ausbau von strategischen Kooperationen werde zum geplanten Wachstum beitragen. Mit dem langjährigen Partner Credito Valtellinese wurde ein Joint Venture-Vertrag abgeschlossen, um nächstes Jahr in Italien Private Banking- Dienstleistungen anbieten zu können. Gestärkt werden soll auch das institutionelle Geschäft in den europäischen Märkten.

Bankgeheimnis soll verteidigt werden
Julius Bär sieht das Bankgeheimnis für das Private Banking als einen Schlüsselfaktor der Zukunft. «Da das Bankkundengeheimnis für den Schutz der finanziellen Privatsphäre zentral ist, werden wir mit allen Mitteln dieses Recht verteidigen,» wird Raymond J. Bär, Vizepräsident der Konzernleitung und Leiter Private Banking, in der Mitteilung zitiert.

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