Luzi Andreas von Bidder, VR-Präsident Schweizerhall Holding AG

von Patrick Gunti


Herr von Bidder, Schweizerhall ist ausgezeichnet ins neue Jahr gestartet. Der Reingewinn wurde auf 10,1 Mio. Franken verdreifacht, der Umsatz kletterte um ein Drittel auf 57 Mio. Franken und mit einem EBITDA von 21,5 Mio. Franken erreichte die Gruppe ein Rekordergebnis. Was sind die Gründe für das Resultat?


Für den Unternehmensbereich Cimex brachte das 1. Quartal ein Rekordresultat mit einer Umsatzsteigerung von 36 % und einer signifikanten operativen Ertragssteigerung von 145 % im Vergleich zum Vorjahr. Das ausgezeichnete Umsatzwachstum stützte sich in erster Linie auf die starke Nachfrage nach unseren Produkten in der Lohnherstellung. Die Steigerung der Ertragskraft verdanken wir zudem der sehr guten Auslastung der Produktion und tieferen Betriebskosten.


Gehen Sie bei Cimex von einem anhaltend dynamischen Wachstum im 2. Quartal aus?


Die positive Entwicklung bei Cimex dürfte in den kommenden Quartalen anhalten und bei Novosis erwarten wir eine Beschleunigung des Wachstums. Insgesamt haben wir die Wachstumserwartung für die ganze Gruppe für dieses Jahr auf 30 % angehoben.

Cimex steht in Deutschland vor der Zulassung des Blutverdünners Clopidogrel. Wann werden die ersten Umsätze der Plavix-(Sanofi-Aventis) Kopie zu erwarten sein?

Die Zulassung hängt von der deutschen Behörde ab, wann das genau sein wird ist nicht exakt voraussehbar. Zur Zeit laufen bei unseren Vertriebspartnern die Vorbereitungen für einen Markteintritt.


Der Markt für Clopidogrel in Europa beläuft sich derzeit auf rund 3,2 Mrd. Franken. Wie sieht es mit Zulassungsanträgen in anderen Ländern aus?

Wir arbeiten an Zulassungsanträgen für weitere europäische Länder.

Welche Fortschritte wurden bei der Umsetzung der neuen Strategie der Vermarktung über etablierte Distributionspartner gemacht?

Mit Axapharm und Helvepharm hat Cimex zwei ausgezeichnete und im Markt Schweiz gut verankerte Partner gewonnen. Cimex hat die Lagerbestände im Frühjahr an die Vertriebspartner veräussert und wird sie auch künftig mit Produkten beliefern. Zwischenzeitlich haben Axapharm und Helvepharm mit dem Weiterverkauf der Medikamente begonnen.

Die Kapazitäts-Erweiterung am Cimex-Standort Liesberg ist abgeschlossen. Welche weiteren Investitionen sind im laufenden Jahr geplant?

Eine erste bereits abgeschlossene Phase hat unsere jährliche Kapazität um rund 100 Mio. Tabletten erhöht. Der zweite Ausbau mit einem Investitionsvolumen von rund 14 Mio. Franken wird derzeit realisiert und wird zu einer weiteren Erhöhung der Kapazität um rund 300 Mio. Tabletten pro Jahr führen.


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Per 31. März ist die Novosis AG vollständig in Schweizerhall-Besitz übergegangen. Wie hat sich der Absatz des Novosis-Hauptumsatzträgers Fentanyl entwickelt?


Novosis stellt Fentanylpflaster für führende Generikavermarkter in Europa und Kanada her. Fentanyl hatte ein sehr starkes 4. Quartal 2007 bedingt durch die Lageraufstockung einiger Kunden. Aufgrund dieser vorgezogenen Lieferungen haben wir mit einem verhaltenen 1. Quartal 2008 gerechnet. Zusätzliche Einführungen in weiteren Ländern und Marktanteilsgewinne vom Originalprodukt sollten uns für den Rest des Jahres wieder höhere Umsätze bringen.

Wie sieht es mit der Entwicklung weiterer wichtiger Produkte bei Novosis aus?

Die neuen Projekte machen gute Fortschritte. Einige wichtige Kundenprojekte avancierten plangemäss in reifere Entwicklungsstadien und neue wurden gewonnen. Bei den Produkten in der Registrierung ist vor allem die Geschwindigkeit der Dossierprüfung bei den verschiedenen Zulassungsbehörden ein wichtiger Aspekt.

Sind weitere Übernahmen im Sinne eines akquisitorischen Wachstums geplant?


Wir sind bestrebt, unsere Position als führende Gruppe in den Bereichen Pharmaspezialitäten und komplexe Generika weiter zu stärken. Dass wir das aus eigener Kraft können, beweisen auch unsere eindrücklichen Finanzzahlen. Zudem erlaubt uns die starke Bilanz weitere gezielte Akquisitionen zu tätigen.

Die Generalversammlung hat die Umfirmierung von Schweizerhall und ihrer Tochtergesellschaften in «Acino» genehmigt. Was sagt der Name aus und wie sieht der Terminplan der Umfirmierung aus?


Acino setzt sich aus den Anfangssilben unserer Unternehmensbereiche zusammen: ci kommt von Cimex, no von Novosis. Wir planen die gleichzeitige Umfirmierung aller Schweizerhall Gesellschaften im dritten Quartal 2008.


Herr von Bidder, besten Dank für die Beantwortung unserer Fragen.





Zum Unternehmen:
Schweizerhall ist in den Bereichen Generika und Pharmaspezialitäten auf die Entwicklung, Registrierung und Herstellung von generischen und patentgeschützten Pharmazeutika mit anspruchsvollen Formulierungstechnologien spezialisiert. Mit Fokus auf feste Darreichungsformen mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Cimex) und auf therapeutische Systeme zur transdermalen Wirkstoffabgabe wie Pflaster und bio-abbaubare, subkutane Implantate (Novosis) beliefert Schweizerhall die grössten Anbieter auf den europäischen Arzneimittelmärkten. Die Schweizerhall Gruppe hat ihren Hauptsitz in Basel, beschäftigt gegenwärtig rund 340 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über CHF 180 Mio. Die Muttergesellschaft der Gruppe, die Schweizerhall Holding AG, ist an der SWX Swiss Exchange gelistet (Valorennummer 2119090; Telekurs/Bloomberg SWHN; Reuters SWHN.S).

Zur Person:
Geboren: 9.4.1953
Schweizer Bürger
lic.oec. HSG

Präsident des Verwaltungsrates des Schweizerhall Holding AG
CEO der Schweizerhall Management AG seit 1.1.2003

Werdegang und anderweitige Aktivitäten
– 1992 bis 2002 Präsident und CEO Novartis Ophthalmics AG, Bülach
– Mitglied Novartis Pharma Executive Committee
– Zuvor verschiedene Managementfunktionen bei Ciba-Geigy und Novartis

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