Roland Ledergerber, CEO der SGKB

Von Alexander Saheb


Moneycab: Das Jahr 2010 ist zu Ende, wie werden Sie es in Erinnerung behalten?


Roland Ledergerber: Privat positiv, weil mir unsere drei Kinder Freude machen. Geschäftlich auch positiv, weil es uns erneut gelungen ist, ein erfreuliches Neugeschäftewachstum zu erzielen und wir die Kosten und die Risiken sehr gut im Griff gehalten haben.


Welche geschäftlichen Weichenstellungen waren für die SGKB die wichtigsten?
Zum einen erhielten wir im Mai 2010 die Bewilligung für das grenzüberschreitende Geschäft in Deutschland. Dies bedeutet, dass die St.Galler Kantonalbank und ihre Tochtergesellschaft Hyposwiss Zürich ihre Bank- und Finanzdienstleistungen fortan von der Schweiz aus in Deutschland anbieten dürfen, wobei die Anbahnung der Geschäfte stets über die St.Galler Kantonalbank Deutschland AG (eine 100%-ige Tochtergesellschaft der St.Galler Kantonalbank AG) erfolgen muss.
Die andere Weichenstellung betrifft die Kosten: Wir haben Einsparungen vor allem im Private Banking unserer Hyposwiss-Töchter realisieren können. So haben wir das Backoffice von Zürich nach St.Gallen verlagert, was langfristig zwei Millionen spart. Zudem wird die Migration der IT-Infrastruktur von Hyposwiss aufs Stammhaus weitere zwei Millionen bringen.



«Mit den Euro-Problemen hat sich der Ruf nach Sicherheit und einem «starken Franken» wieder verstärkt. Die politische und wirtschaftliche Stabilität der Schweiz ist für deutsche Kunden sehr attraktiv» Roland Ledergerber, CEO der SGKB



Welche Entwicklung im Geschäftsumfeld hätten Sie so nicht erwartet?
Wir hatten mit einer leichten Erholung der Finanzmärkte gerechnet und dass eine erste Zinserhöung der SNB Ende 2010 stattfinden wird. Stark überrascht hat mich das Ausmass der Eurokrise (Griechenland). Nicht zuletzt deshalb sind das Anlegervertrauen labil und die Zinsen auf Tiefstniveau geblieben.


Im April erhielten Sie die Bewilligung für grenzüberschreitende Geschäfte mit Deutschland. Hatte das merkliche Auswirkungen auf die Geschäftsvolumen, inbesondere evtl mit Blick auf die jüngsten Probleme der Euro-Zone?
Diese Bewilligung ermöglicht die aktive Marktbearbeitung für Deutschland. Dieser Schritt ist ein weiterer Teil unserer Deutschland-Strategie, nachdem wir im Mai 2009 eine eigene Tochtergesellschaft in München eröffnet haben. Mit den Euro-Problemen hat sich der Ruf nach Sicherheit und einem «starken Franken» wieder verstärkt. Die politische und wirtschaftliche Stabilität der Schweiz ist für deutsche Kunden sehr attraktiv.


Das Private Banking der SGKB kommt vom Geschäftsvolumen her dem Privat- und Geschäftskundengeschäft immer näher. Gibt es nennenswerte Synergien zwischen beiden Sparten, oder akquiriert das PB in anderen Sphären?
Die St.Galler Kantonalbank verfolgt schon seit längerem die Strategie eines ausgewogenen Geschäftsmodells. Ausgewogen im Sinne eines ausgeglichenen Verhältnisses von Ertragsquellen, Kundensegmenten und geografischen Märkten. Als Konsequenz haben wir ins Wachstum des Private Bankings investiert.
In der Folge hat sich auch die Zusammenarbeit intensiviert – sowohl im Mutterhaus zwischen der Retail- und Private-Banking-Einheit als auch von und mit der Hyposwiss, beispielsweise bei gegenseitigen Kundenvermittlungen. Durch diese Synergien können wir unseren Kunden mehrere Buchungsplattformen anbieten


Gerade in der Vermögensverwaltung sind Retrozessionen ein viel diskutiertes Thema. Wie gehen Sie damit um?
In unseren Verträgen mit den externen Vermögensverwaltern (eVV) wird das Thema Retrozession seit Jahren grundsätzlich behandelt, wobei wir Transparenz gegenüber dem Kunden vereinbaren und das Recht, dass die Bank Retrozessionen gegenüber dem Kunden offenlegen kann, wenn sie angefragt wird.



«Wir gehen davon aus, dass die Zinsen noch für längere Zeit tief bleiben werden. einen ersten Zinsschritt der Nationalbank nach oben erwarten wir nun erst im September 2011» Roland Ledergerber, CEO der SGKB



Im Anlagegeschäft offerieren Sie laut Webseite «eine kleine Anzahl eigener Fonds», daneben aber ein breites Spektrum strukturierter Produkte verschiedener Anbieter. Sind Fonds für den langfristig orientierten Anleger aber nicht das bessere Produkt?
Anlagefonds und Strukturierte Produkte ergänzen sich in unserer Produktepalette. Das Eine ist nicht besser als das Andere oder umgekehrt. Die Fonds decken langfristige Anlagebedürfnisse ab. Unser «Multi Fokus Fonds» beispielsweise ist als Strategiefonds eine komplette Anlagelösung für unsere Retailkunden. Strukturierte Produkte setzen wir ein, um kürzer- und mittelfristige Anlagethemen abzudecken. Auf Kundenwunsch nach attraktiven Dividendenaktien haben wir ein Aktienbasket mit dividendenstarken Aktien lanciert.


Jüngst befasste sich die FINMA mit der Vergabepraxis von Hypothekarkrediten und bemängelte eine verbreitete Aufweichung von Vergabekriterien. Auch die SGKB lässt die Hypokreditsumme gezielt wachsen. Müssen Ihre Kunden strikte Eigenmittelvorschriften erfüllen und wird der Tragbarkeitsberechnung des Kredites hohe Beachtung zugemessen?
Unsere kreditpolitischen Grundsätze haben sich über viele Jahre bewährt, und daran halten wir konsequent fest. Das heisst: Ein kalkulatorischer Zinssatz von 5 und 6 % für die erste und zweite Hypothek, maximal ein Drittel des Bruttoeinkommens als Tragbarkeit und eine obere Belehnungsgrenze von 80% des Marktwerts.


Macht die SGKB eine Zinsprognose für die Schweiz? Schliessen Sie nochmals sinkende Zinsen aus?
Wir gehen davon aus, dass die Zinsen noch für längere Zeit tief bleiben werden. einen ersten Zinsschritt der Nationalbank nach oben erwarten wir nun erst im September 2011. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass der SNB in Bezug auf den Schweizer Franken die Hände gebunden sind. Zudem ist die Kapazitätsaulastung der Schweizer Wirtschaft weiterhin moderat und die Inflationserwartungen bleiben tief.


Die Dividendenrendite der SGKB-Aktie war zuletzt attraktiv. Würden Sie den Titel aus diesen Überlegungen oder wegen des Kurspotenzials kaufen?
Angaben zum eigenen Titel machen wir aus nachvollziehbaren Gründen keine.


Was spricht auf dem jetzigen Niveau für eine Investition in die Aktie?
Angaben zum eigenen Titel machen wir aus nachvollziehbaren Gründen keine.


Vielen Dank für Ihre Antworten.



Biografie
Roland Ledergerber ist seit 1. Februar 2008 Präsident der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank (SGKB). Er war seit Juni 2002 Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Bereichs Privat- und Geschäftskunden. Roland Ledergerber stiess im Dezember 1998 als Leiter Firmenkunden Gesamtbank zur SGKB, war danach Vertriebsleiter und Stellvertreter des Bereichsleiters. Vor seinem Wechsel zur Kantonalbank war er während zwölf Jahren bei der UBS AG in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Controlling, Corporate and Institutional Banking Europe sowie Firmenkundengeschäft Schweiz im In- und Ausland tätig.


Das Unternehmen:
Die SGKB bietet ihren Kunden in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen. Per 30. Juni 2010  beschäftigte der Konzern insgesamt 1129 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte im ersten Halbjahr 2010 einen Reingewinn von 70,3 Mio. CHF. Die Aktien der St.Galler Kantonalbank sind seit 2001 an der Börse SIX kotiert.


Bilder:


Logo und Foto von Roland Ledergerber auch auf der SGKB-Website:


http://www.sgkb.ch/index.cfm?navid=345


 


 

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