Rudolph Schiesser, Les Trois Rois: «Das uns allen gemeinsame Kulturflair hat uns etwas Grosses bauen lassen.»

Rudolph Schiesser, Les Trois Rois: «Das uns allen gemeinsame Kulturflair hat uns etwas Grosses bauen lassen.»


Moneycab: Seit Frühjahrsbeginn 2006 strahlt dieses Haus wieder in vollem Glanz. Die Geschichte geht weit zurück. Seit wann begleiten sie die Geschehen in diesem Haus?


Rudolph Schiesser: Dieses Haus ist eines der ältesten Stadthotels Europas. Die Geschichte dieses Hauses beginnt mit historischen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1681. Damals hiess es «Zu den Drei Königen» am Blumenrain 8 und lag mit der strategisch wichtigen Platzierung an der Schifflände am Puls des Lebens im Barockzeitalter. Meine Geschichte hier beginnt vor 13 Jahren. Für diese Zeit zeichne ich als General Manager des Hauses.


Werfen wir einen Blick zurück, denn es ist spannend, wie es zu diesem sehr ausgesuchten Erscheinen des Hauses kommt.


Gehen wir ins Jahr 1976 zurück: die französische Gesellschaft des Comte Guy de Boisrouvraye übernimmt das «Les Trois Rois». Dann im Jahre 2000 verkauft es seine Tochter an die Richemond-Gruppe. Im Jahre 2004 übernimmt der Unternehmer Dr. h.c. Thomas Straumann das geschichtsträchtige Haus. Die letzten beiden Handänderungen habe ich als Geschäftsführer miterlebt. Eigentlich wollte die Richemont-Gruppe nicht verkaufen. Man hatte Pläne, es waren die grossen Pläne für einen nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ausgerichteten Rückbau nach dem Vorbilde des Jahres 1844. In Thomas Straumann hat man einen rasch entschlossenen Investor gefunden. Als Persönlichkeit kann man ihn als passionierten Ästheten mit viel Geduld für Details beschreiben.


Die Planung lag also zum grössten Teil bei Ihnen und Herr Straumann?


Wir haben in nur 52 Bausitzungen alles geplant. Einerseits konnte ich von meiner grossen Erfahrung in der Hotellerie zehren, wichtig war aber auch die generöse Haltung von Herrn Straumann. Konsens hatten wir in der Ausrichtung: Wir wollten kein Designhotel herrichten, unser Ziel war möglichst nahe an das alte Original heran zukommen.


Wenn man hier in der Lobby sitzt, so hat man das Gefühl eines Gsam mtkunstwerkes.


Mit Thomas Straumann haben sich die Ereignisse nur so überschlagen. In der kurzen Zeit von 22 Monaten hat man dieses Bijoux umgebaut. Bereits vier Monate nach dem Kauf wurde mit dem Umbau begonnen. Herr Straumann und seine Lebenspartnerin haben den Architekten aus einer privaten Zusammenarbeit schon gekannt. So konnten wir als kleines Team sehr effizient arbeiten. Das uns allen gemeinsame Kulturflair hat uns etwas Grosses bauen lassen.


Wieviel haben Sie investiert?


Alles. Wir haben hier nie die schnellste Lösung gesucht. Wir haben hier etwas Besonderes gemacht. Kaum etwas von dem, was Sie hier sehen, ist neu, die Leuchter zum Beispiel sind alle die alten. Wir haben einen Elektriker hier im Haus, der hat 22 Monate lang nichts anderes gemacht als die alten Leuchter und Lampen revidiert. Das Les Trois Rois ist ein Traditionshaus, wo sich die Gesellschaft trifft und immer schon getroffen hat. Spricht man im Elsass von Basel, da denkt manch einer als Erstes an unser Haus.



«Vielleicht ist diese immense Arbeit der Restaurierung eine Hommage an die Stadt Basel. Unsere Stadt lebt davon, dass grosse Leute und grosse Denker hier lebten. In unserem Haus wurde so manches gedacht, diskutiert und entschieden.» Rudolph Schiesser, General Manager , Hotel Les Trois Rois, Basel


Welche Rolle spielt der EuroAirport in Mullhouse für Sie?



Für uns ist der EuroAirport eine Lebensader. Natürlich muss ich gleich anfügen, dass ich das Swissair Grounding als das Beschämendste der Schweizer Wirtschaftsgeschichte erlebt habe. Für Basel war es ein Einschnitt. Heute muss ich beobachten, dass es für uns keinen Unterschied macht, ob die Swiss oder Easyjet Basel anfliegt. Wir beobachten, dass der Gast gerne 100 Franken für den Flug ausgibt und 800 Franken für ein Zimmer. Das liegt ja auch näher, man ist 60 Minuten im Jet und vielleicht gar mehrere Tage bei uns.


Und woher nehmen Sie die Energie für all diese Grossprojekte?


Das sind doch alles Synergien. Beim Hotelbau am EuroAirport ist meine Frau und ihre Familie stark involviert. Die Confiserie Schiesser betreibe ich mit meinem Bruder zusammen. Dann liegen für unsere Gäste im Hotel Les Trois Rois feinste Pralinen der Confiserie Schiesser auf dem Kopfkissen. All die Dinge passen sehr gut zusammen. Mir macht es Freude alles dies zu tun. Die Leistungen bestehen darin, dass ich gute Mitarbeiter habe, zu welchen ich ein gutes Vertrauen habe. So kann ich sehr effizient arbeiten. Hier im Les Trois Rois haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir das Personal über die Umbauphase nicht verlieren. Wir haben einen riesigen Nutzen von langjährigen Mitarbeitern. Es ist doch ein enormer Vorteil und bietet viel Vertrautheit und ein kleines Stücklein Heimat, wenn der Portier den langjährigen Gast kennt und ihn mit Namen begrüsst.





Zur Person:
Rudolph Schiesser kehrte 1994 nach verschiedenen Stationen im Management von führenden Hotels im In- und Ausland in seine Heimatstadt zurück, um die Leitung von «Les Trois Rois» zu übernehmen. Damit hat er seinen Jugendtraum verwirklicht, war dieses Traditionshaus für ihn als Basler doch schon immer die Referenz unter den Hotels.

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