SGO: Ältere Arbeitskräfte sichern unsere Zukunft

Anlässlich des Themenabends der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) in Zürich stellte Heike Bruch am Mittwoch die Ergebnisse des seit 2006 laufenden Forschungsprogramms «Generationale Führung» vor. Die Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen merkte an, das Bewusstsein für den demografischen Wandel sei bei den Unternehmen zwar geweckt. Konkret werde aber erst wenig unternommen, um die Fähigkeiten einer tendenziell älter werdenden Belegschaft vollumfänglich zu beanspruchen. Diese Tatsache erstaunt, da gemäss dem St. Galler Forschungs-projekt 75 Prozent der befragten Führungskräfte der Meinung sind, in ihren Firmen mangle es zeitweise oder chronisch an qualifiziertem Nachwuchs. Als erschreckend empfindet Bruch zudem die Erkenntnis, dass 40 Prozent der guten Geschäftsideen nicht umgesetzt werden können, weil qualifiziertes Personal fehlt. Ihr Fazit: «Es besteht die Gefahr von immensen Produktivitätseinbussen, wenn die Potenziale älterer Arbeitnehmer nicht besser genutzt werden.»


Ältere Arbeitskräfte sind offen für den Wandel
Das Klischee, wonach ältere Arbeitskräfte sich dem Wandel gegenüber verschliessen würden, widerlegt das St. Galler Forschungsprojekt. Widerstand gegen das Neue komme in erster Linie von Mitarbeitenden, die seit langem die gleiche Arbeit machen – quer durch alle Altersschichten. Die fruchtbare Zusammenarbeit mehrerer Generationen sei eine Management-aufgabe. Möglich werde sie dank klaren, gemeinsamen Zielen, sagte Bruch. Die auf das Referat folgende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass in Bezug auf die Diversität nicht allein die Alterssegmente herausfordern. «Wenn Sie merken, dass sie eine Gruppe von Erwerbstätigen unterproportional ansprechen, müssen die Alarmglocken läuten, sagte Jürgen Pfister, Leiter Personal & Soziales der Metro Group, die weltweit rund 290 000 Angestellte hat. «Schaffen Sie Arbeitsbedingungen, die für vielfältigste Menschen attraktiv sind», fügte er hinzu.


Claude Täschler von Credit Suisse bezeichnete die Frauenförderung als wichtigstes Thema auf seiner Agenda. «In der Geschichte der Credit Suisse sind bereits vier grosse Initiativen praktisch ohne Wirkung geblieben. Jetzt aber will der Leiter HR Private Banking & Business Banking Switzerland den Frauenanteil auf jeder Hierarchiestufe systematisch erhöhen.


Pension mit 65 oder Karriere bis 70?
Meine Generation wurde mit der Haltung sozialisiert, dass eine Frühpensionierung mit 62 oder 60 Jahren erstrebenswert sei», sagte Barbara Schaerer, Direktorin des Eidgenössischen Personalamts EPA in Bern. Heute aber finde ein Umdenken statt. Viele Menschen könnten sich vorstellen, gar bis 70 im Beruf aktiv zu bleiben, falls die Arbeit interessant sei. «Mit 65 werde ich das Glück haben, dass sich die Firmen um mich reissen und ich zudem die Option besitze, in Pension zu gehen», malte Schaerer (Jahrgang 1954) ihre berufliche Zukunft in rosa. Heute allerdings sei das Bewusstsein für die tief greifenden Veränderungen, die sich in den nächsten Jahrzehnten durch den demografischen Wandel ergeben, auch in der Bundesverwaltung noch zu wenig ausgeprägt.


SGO-Präsident Markus Sulzberger verabschiedete die zahlreichen Gäste des Themenabends und die illustre Podiumsrunde mit dem flammenden Appell, die Diversität und insbesondere die Generationenfrage als Chance zu begreifen. «Geniessen Sie die spezifischen Möglichkeiten jeder Lebensphase!» sagte er.


(SGO/mc/hfu)







Die Ergebnisse des Forschungsprojekts «Generationale Führung» der Universität St. Gallen sind in dem soeben erschienen Buch «Generationen Erfolgreich Führen» von Prof.Dr. Heike Bruch, Florian Kunze und Dr. Stephan Böhm, zusammengefasst. (Gabler Verlag). Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier…




SGO
Die Schweizerische Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) blickt auf eine 43 jährige Tradition im Bereich des Manage-ments und der Organisation zurück. Die im Jahr 2000 gegründete SGO-Stiftung fördert junge Talente und unterstützt die Forschung und Entwicklung im Bereich Organisation, Betriebswirtschaft und Führung an Universitäten und Hochschulen in Europa.


Als der führende Schweizer Anbieter von Organisations- und Management-Wissen, bearbeitet die SGO organisatorische Themen und pflegt den Kontakt sowie den Erfahrungsaustausch unter Fachleuten in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Des Weiteren bietet die Organisation umfangreiche Schulungen und Weiterbildungen an, insbesondere mittels Tagungen, Seminaren, Arbeitsgesprächen und Kursen. Die SGO fördert zudem den wissenschaftlichen Diskurs, indem sie eine enge Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen, Fachverbänden und ähnlichen Vereinigungen des In- und Auslandes anstrebt.

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