Siemens einigt sich überraschend mit Pierer

Auch mit fünf weiteren früheren Vorstandsmitgliedern seien Einigungen erzielt worden, teilte die Siemens AG am Mittwoch in München mit. Betroffen seien neben Pierers damaligem Nachfolger Klaus Kleinfeld auch die Ex-Vorstände Johannes Feldmayer, Jürgen Radomski und Uriel Sharef sowie der frühere Aufsichtsratschef Karl Hermann Baumann. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Pierer soll sich bereiterklärt haben, fünf Millionen Euro statt der ursprünglich geforderten sechs Millionen Euro zu zahlen.  


Anhaltendes Ringen um Schadenersatz  
Siemens ringt seit fast eineinhalb Jahren mit dem früheren Top-Management um Schadenersatzzahlungen wegen des milliardenschweren Schmiergeldskandals. Ursprünglich lagen die Forderungen zwischen 500.000 und 6 Millionen Euro. Pierer zahlt nun mit 5 Millionen Euro die höchste Summe.  Das Unternehmen hatte ihm vorgeworfen, die Geschäfte von Siemens nicht genau genug überwacht und so das System aus schwarzen Kassen und fingierten Beraterverträgen ermöglicht zu haben. Darüber sollen 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeldzahlungen zur Erlangung von Aufträgen in aller Welt geflossen sein. Der ehemalige Konzernchef wies die Vorwürfe stets zurück und weigerte sich, zu zahlen. Deshalb schien eine Schadenersatzklage zuletzt unabwendbar.


Kleinfeld steht für 2 Millionen Euro gerade
Mit den drei Ex-Vorständen Klaus Wucherer, Rudi Lamprecht und Edward Krubasik hatte sich Siemens Ende August geeinigt. Den anderen früheren Managern stellte der Konzern ein Ultimatum bis Mitte November. Für Zeitdruck sorgte dabei die im Januar anstehende Hauptversammlung, bei der Vergleiche mit den Ex-Managern durchgewunken werden müssen. Laut «Süddeutscher Zeitung» hat sich Siemens Unternehmenskreisen zufolge mit der Mehrzahl der Ex-Manager inzwischen auf Zahlungen geeinigt. Neben Pierer handelt es sich um eine Schadenersatzsumme von vier Millionen Euro bei Uriel Sharef, drei Millionen Euro bei Jürgen Radomski, zwei Millionen Euro bei Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld und einer Million Euro bei Karl-Hermann Baumann.


Schwierige Fälle noch offen
Dagegen stehe bei den schwierigen Fällen, in denen auch Strafverfahren laufen, eine Einigung noch aus. Dabei handele es sich um die Ex-Vorstände Thomas Ganswindt und Heinz-Joachim Neubürger. Gegen Pierer und andere frühere Mitglieder der Siemens-Führung ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht in sogenannten Ordnungswidrigkeitenverfahren. Gegen Wucherer, Lamprecht und Krubasik waren diese Verfahren bereits eingestellt worden. Zu den übrigen betroffenen Ex-Managern gebe es keinen neuen Stand, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München. (awp/mc/ps/35)

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