SNB: Konjunkturlage könnte im zweiten Halbjahr etwas bessern

Es gibt Hildebrand zufolge «einzelne Anzeichen, dass die Weltwirtschaft möglicherweise nahe an der konjunkturellen Talsohle sein könnte». Einige vorlaufende Konjunkturindikatoren liessen den vorsichtigen Schluss zu, dass sich der Rückgang nicht mehr verstärkt. «Die Konjunkturlage könnte in der zweiten Jahreshälfte etwas besser werden», so Hildebrand wörtlich. Zunächst dürften zwar noch Lageranpassungen die wirtschaftliche Aktivität weiterhin belasten. Das Ende dieser Lageranpassung dürfte aber im Gegenzug 2010 zu positiven Wachstumsraten beitragen, argumentiert der SNB-Vize.


Weg zur Erholung nicht geradlinig
Der Weg zu einer Erholung werde aber kaum geradlinig verlaufen, und die Abwärtsrisiken für das Wachstum blieben gross. Zudem dürfte es keine nachhaltige konjunkturelle Erholung geben, solange sich das Finanzsystem nicht stabilisiert und wieder gestärkt hat. Als absolut erste wirtschaftspolitische Priorität müsse daher gelten, das Vertrauen in das internationale Finanzsystem wieder herzustellen. Das heutige Treffen der Regierungschefs der G-20-Länder markiere einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung, so Hildebrand.


Risiken überwiegen
Trotz aller Hoffnungszeichen blieben aber die Wachstumsrisiken aber vorerst nach unten gerichtet. Das gleiche dürfte nach Ansicht Hildebrands für die Inflationsrisiken gelten. So gehe die SNB davon aus, dass in der Schweiz die Inflation in den Jahren 2010 und 2011 nahe bei Null liegen wird, bekräftigte er frühere Aussagen. Sollte sich die Konjunkturlage aber deutlich schlechter entwickeln als erwartet, bestehe das Risiko einer auch in der mittleren Frist negativen Inflation, mahnt Hildebrand.


Devisenkäufe: «Ergänzendes Notinstrument»
Mit Blick auf die deflationären Risiken verteidigt Hildebrand die von der SNB seit einigen Wochen getätigten Devisenkäufe: Sie seien als ein ergänzendes Notinstrument zur Bekämpfung der Deflationsgefahr zu sehen. Eine neuerliche Aufwertung des Frankens berge die Gefahr einer nachhaltigen deflationären Dynamik in der Schweiz, was es mit allen Mitteln zu verhindern gelte.


Absage an «beggar thy neighbour»-Politik
Es gehe in keiner Weise um eine «beggar thy neighbour» Politik, bei der mit einem schwachen Franken die Schweizer Wirtschaft auf Kosten anderer Länder bevorzugt werden soll, betont Hildebrand. Sie seien vielmehr eine Versicherung gegen eine drohende, weitere Aufwertung des Frankens in einem wirtschaftlich sehr schwierigen, von Unsicherheiten geprägten Umfeld. «Solange sich dieses Umfeld nicht verbessert und solange die Deflationsrisiken im Rahmen unsers geldpolitischen Konzeptes ersichtlich sind, werden wir an dieser Versicherungsstrategie resolut festhalten», macht Hildebrand klar. (awp/mc/ps/17)

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