SNB will Frankenkurs auch nach der Krise genau verfolgen

Dies sagte SNB-Direktoriumsmitglied Thomas Jordan am Freitag vor dem Kapitalmarktforum 2009 der WGZ-Bank Luxembourg SA. Der Aussenwert des Frankens hat Jordan zufolge eine zentrale Bedeutung für die Inflation und die Konjunktur in der Schweiz. Eine Aufwertung des Franken verteuert Schweizer Ausfuhren, was der von der Wirtschaftskrise ohnehin gebeutelten Export-Industrie zusätzlich schadet. Zudem kommt sie einer Verschärfung der Geldpolitik gleich und macht damit die Zinssenkungen der SNB teils wieder zunichte.


Wechselbeziehung
Somit stütze ein schwächerer Franken die Konjunktur, was die Inflation tendenziell ansteigen lasse. Ein stärkerer Franken hingegen schwäche die Konjunktur, was tendenziell inflationshemmend wirke, begründete Jordan den Fokus auf die Wechselkurse. Mit den aussergewöhnlichen Interventionen am Devisenmarkt habe die SNB keinem «internationalen Abwertungswettlauf» Vorschub geleistet, betonte Jordan in seiner Rede einmal mehr. Der Vorwurf, die SNB wolle der Schweiz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, treffe nicht zu.


Lage der Weltwirtschaft «nicht ausgesprochen rosig» 
Über die Devisenmarkt-Interventionen habe die SNB die Wirtschaft in der Krise zusätzlich mit Liquidität versorgen können, nachdem die Zinsen praktisch bei null gelegen hätten, erklärte Jordan weiter. Diese expansive Geldpolitik werde unverändert fortgeführt, zumal die Lage der Weltwirtschaft «nicht ausgesprochen rosig» sei. Jordan machte allerdings deutlich, «dass die gegenwärtige expansive Geldpolitik nicht endlos weitergeführt werden kann». Denn sie gefährde langfristig die Preisstabilität. Zieht die SNB die Zügel zu schnell wieder an, gefährdet sie den Aufschwung. Zögert sie zu lange, zieht die Inflation an.


Optimales Timing gefragt
Einen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik sowie für die Abkehr von den im vergangenen März eingeleiteten unkonventionellen Massnahmen nannte Jordan indes nicht. Das optimale Timing des Übergangs von der Nullzinspolitik zur traditionellen Zinspolitik sei schwierig zu bestimmen und müsse aufgrund einer umfassenden Risikoanalyse erfolgen, da viele Modelle und Indikatoren durch die Schocks der Finanzmarktkrise an Aussagekraft eingebüsst hätten.


Geldpolitik weiter «spannend und herausfordernd»
«Die Geldpolitik wird daher auch über die nächste Zeit eine spannende und herausfordernde Sache bleiben», sagte Jordan. Die Finanzmarktkrise hat Jordan zufolge aufgezeigt, dass der Franken immer noch den Status eines «Safe Haven» besitzt. Die durch die Safe-Haven-Funktion des Frankens verursachten prozyklischen Wechselkursschwankungen betrachte die SNB hingegen mit einer «gewissen Sorge». (awp/mc/ps/12) 

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