Sylvia Tulloch, Executive Director Dyesol Ltd.: «Unser Ziel ist es, die Einnahmen jedes Jahr mindestens zu verdoppeln»

Sylvia Tulloch, Executive Director Dyesol Ltd.: «Unser Ziel ist es, die Einnahmen jedes Jahr mindestens zu verdoppeln»

von Patrick Gunti


Frau Tulloch, Ihr Unternehmen ist spezialisiert auf Lösungen der 3. Solartechnologie-Generation. Was können wir uns darunter vorstellen?

Dyesol Solarzellen-Technologie ist eine der ersten Anwendungen zur Kommerzialisierung der Nano-Technologie. Sie ist auch eines der ersten Beispiele eines chemischen Produktes, das die Natur nachahmt.


Wie wird die natürliche Photosynthese der Pflanzen nachgeahmt?

In einem Blatt absorbiert der grüne Farbstoff Chlorophyll den roten Teil des Sonnenenergiespektrums und reflektiert das Blau / Gelb / Grün. Die absorbierte Energie macht Elektronen in den Farbstoff-Atomen frei. Sie bewegen sich ins nano-strukturierte Blatt-Gewebe und sorgen so für die Energieversorgung der  Pflanze. FSZ-Technologie (FSZ: Farbstoffsolarzelle) ahmt diesen Prozess durch die Verwendung eines Farbstoffes nach, der viel stabiler und effizienter als Chlorophyll ist, und Nano-Partikel von Titania (ein übliches Material in der Zahnpaste), um das Blatt-Gewebe nachzuahmen.


Welches sind denn die Vorteile der Farbstoffsolarzellen?

Nun, die Solarzellen der 1. und 2. Generation sind Halbleiter – sie benötigen direkte und energiereiche Sonneneinstrahlung, um die Elektronen vom Silikon oder anderen Halbleitern zu bewegen. So sollten sie nicht im Schatten verwendet werden, wo das Licht weniger Energie hat. Die Farbstoffsolarzelle hingegen absorbiert wie ein Blatt Licht unter allen Lichtbedingungen – selbst wenn es bewölkt oder früh am Morgen ist. Deshalb liefert die Farbstoffsolarzelle Strom für viel mehr Stunden pro Jahr. Ausserdem weist das Fertigungsverfahren von  Farbstoffsolarzellen einen niedrigen Energieverbrauch auf, sowohl im Vergleich zur 1. als auch im Vergleich zur 2. Generation. Das bedeutet, dass es sich einerseits um ein nachhaltigeres Produkt handelt, andererseits aber auch, dass mittelfristig – da die Elektrizitätspreise ansteigen – Kostenvorteile erzielt werden können. Farbstoffsolarzellen können viel leichter in andere Produkte, wie zum Beispiel Stahl- oder Glas-Panellen eingebaut werden.


Der Wirkungsrad der Farbstoffsolarzelle ist geringer als bei den marktbeherrschenden Silizium-Modulen. Wird die Weiterentwicklung der Farbstoffsolarzellen dieses «Defizit» ausgleichen können?

Für Solarzellen, egal ob 1., 2. oder 3. Generation, ist die eigentliche Messgrösse die Höhe der Produktionskosten für den erzeugten Strom. Wenn ein grösseres Gebiet zur Erzeugung des Stroms erforderlich ist, weil die Leistungsfähigkeit niedriger ist, dann müssen die Kosten pro Quadratmeter niedriger sein. Bei der Farbstoffsolarzelle ist dies voraussichtlich der Fall. Es kann erwartet werden,  dass die Leistungsfähigkeit der Farbstoffsolarzelle sich auf Basis der Forschung und Entwicklung erhöhen wird, z.B. wird ein grösseres Spektrum des Lichts absorbiert. Dies wird für die Farbstoffsolarzelle für weitere Vorteile sorgen.


«Bei der Farbstoffsolarzelle handelt es sich um ein nachhaltiges Produkt, mit dem mittelfristig auch Kostenvorteile erzielt werden können». (Sylvia Tulloch, Executiv Director Dyesol Ltd.)


Die Farbstoffsolarzelle hat ihren Ursprung in der Schweiz: Nach ihrem Entdecker Prof. Michael Grätzel wird sie auch Grätzelzelle genannt. Dyesol hat die von Grätzel gegründete Greatcell Solar SA übernommen. Welche Funktion nimmt Grätzel heute in Ihrem Unternehmen ein?


Michael Graetzel ist Vorsitzender des Technologiebeirates von Dyesol. Wir haben ständigen Zugang zu seinen neuen Patenten und setzen unsere Zusammenarbeit fort. Er ist ein Aktionär von Dyesol.


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Mit der Übernahme von Greatcell hat sich Dyesol wertvolles geistiges Eigentum und internationale Patente gesichert. Welches sind die wichtigsten Produktlösungen, die Dyesol aus Grätzels Erfindung entwickelt hat?


Grätzels Erfindungen sind das Fundament der Dyesol-Technologie, auf dem wir durch Weiterentwicklung der Patente und unser Know-how Modelle konstruiert haben.


Noch sind aber keine Dyesol-Zellen auf dem Markt. Wann wird dies der Fall sein?


Dyesol verkauft Farbstoffe, Nano Titania-Paste und Elektrolyte an fast 200 Entwicklern von Farbstoffsolarzellen. Der erste von unseren Kunden, welcher bekannt gegeben hat, dass er FSZ- Module fertigen und verkaufen wird, ist G24i in Grossbritannien.


Wer sind die Kunden von Dyesol?

Zu Dyesol’s Kunden zählen Sony, Samsung, Corus, die Universität von Princeton, die Fraunhofer-Gesellschaft und noch viele andere grössere Gesellschaften, Universitäten und Regierungslaboratorien in der ganzen Welt.

Der Klimawandel führt zu einer stark steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Wie sehr spüren Sie das in Ihrem Unternehmen, wie hat sich die Nachfrage nach Farbstoffsolarzellen entwickelt?

Dyesol ist gut positioniert, in der Folge dieser starken Nachfrage das starke Wachstum fortzuführen, besonders wenn Farbstoff-Solarzellen in den kommenden Jahren in die Grossproduktion gehen werden.


Von was für Wachstumsraten gehen Sie aus?

Unser Ziel ist es, die Einnahmen jedes Jahr mindestens zu verdoppeln.


Dyesol baut weltweit regionale Businesszentren auf. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir haben jetzt mit Greatcell Solar eine Tochtergesellschaft in der Schweiz, Dyesol UK in Grossbritannien und Dyesol East Asia mit Sitz in Singapur.


Vom 11. – 13. September veranstaltet Dyesol im Rahmen der NanoEurope in St. Gallen die 2. Farbstoffsolarzellen-Industrialisierungskonferenz. Mit welchen Erwartungen reisen Sie in die Schweiz?

Wir sind sehr erfreut über die Möglichkeit, unsere Produkte – Materialien, Ausrüstung und Demonstrations-Glassolarkollektoren – an dieser Ausstellung in Europa vorstellen zu können. Die Zahl der Anmeldungen sowohl für die technische Konferenz als auch für die Ausstellung ist sehr hoch. Wir freuen uns auch darauf, europäische Aktionäre zu treffen.


Frau Tulloch, wir bedanken uns für das Interview.





Dyesol mit Sitz Queanbeyan im australischen Bundesstaat New South Wales ist spezialisiert auf Lösungen zur Solartechnologie der 3. Generation. Dabei ahmen die Farbstoffsolarzellen die Natur mit Hilfe künstlicher Photosynthese nach, was eine bahnbrechende Anwendung der Nanotechnologie zur Erzeugung von Energie bedeutet. Das Besondere dieser Farbstoffsolarzellen: Sie funktionieren bei wechselhaften und schwachen Lichtverhältnissen besser als Zellen der ersten Generation. Somit können diese Solarzellen auch in Innenräumen eingesetzt, bspw. in Innenwände integriert oder in elektronische Geräte eingearbeitet werden. Dyesol entwickelt, produziert und vermarktet eine Vielzahl von Produktionsmitteln und Materialien rund um das Thema Farbstoffsolarzellen der 3. Generation. So bietet Dyesol u.a. schlüsselfertige Produktionsanlagen, Test- und Laborinstrumentarien an. Erweitert wird dieses Produktspektrum durch Dienstleistungen wie Beratung und technischen Service.

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