UBS: Erneut Milliardenverlust – 8700 Jobs gestrichen

Der Fehlbetrag resultiere aus einem negativen Beitrag von insgesamt rund 3,9 Mrd CHF aufgrund von Verlusten auf den bereits ausgewiesenen illiquiden Risikopositionen, Rückstellungen für Kreditrisiken sowie aufgrund von Preisanpassungen auf den letzten Positionen, die an die SNB übertragen wurden. Der Ausblick für die verbleibenden Risikopositionen hat sich nur unwesentlich verändert.


Bis zu 1’500 Entlassungen in der Schweiz
Die Kernkapitalquote beträgt noch ungefähr 10%. Bis Ende 2010 will die UBS nun 3,5 bis 4 Mrd CHF einsparen. Dazu sollen weitere 8’700 Stellen abgebaut werden. Auf dem Heimmarkt gehen dabei 2’500 Stellen verloren, wie UBS-Sprecher Christoph Meier auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA erklärte. In der Schweiz wird es zwischen 1’200 und 1’500 Entlassungen geben; ein Sozialplan besteht. Insgesamt sinkt die Zahl der Beschäftigten auf 67’500. Meier betonte, die UBS habe zuerst bei den Sachkosten gespart und Bugdgetkürzungen vorgenommen. Auch würden Lohnnebenleistungen, die über dem Branchendurchschnitt liegen, gestrichen. Dies betreffe vor allem die Direktionskader.


Grübel: «Ergebnisse nach wie vor unbefriedigend»
Die Ergebnisse seien nach wie vor unbefriedigend, wird der neue Konzernchef Oswald Grübel in der Mitteilung zitiert. Die Krise sei noch nicht überwunden. Unter dem Strich musste die UBS erneut einen Geldabfluss verkraften. Im Segment Wealth Management & Swiss Banking belief sich der Netto-Geldabfluss auf rund 23 Mrd CHF. Die Abflüsse wurden vor allem seit Bekanntgabe der Einigung mit US-Behörden bezüglich der Untersuchungen über die grenzüberschreitenden Bankdienstleistungen für US Kunden verzeichnet. Andererseits erzielte Wealth Management Americas ein positives Ergebnis, mit Netto-Neugeldzuflüssen von rund 16 Mrd CHF.


UBS soll globale Bank bleiben
Laut Grübel soll die UBS auch in Zukunft eine globale Bank bleiben, deren Kerngeschäft das internationale Wealth Management und insbesondere auch das Schweizer Geschäft bleibt. Dazu brauche es aber die professionelle Dienstleistung im Investmentbanking und im Asset Management, so Grübel. Konkret heisse dies, dass er die grundsätzliche Attraktivität des integrierten Geschäftsmodells nicht in Frage gestellt sieht. Das Institut will sich aber aus risikoreichen und aus wenig Erfolg versprechenden Geschäftsfeldern zurückziehen. Die Bank überprüfe derzeit ihre Aktivitäten, um klar zu entscheiden, in welchen Bereichen sie aktiv bleiben und wachsen wolle und aus welchen sie aussteigen werde, heisst es in der Mitteilung.


Villiger will Vertrauen wieder herstellen
Für den designierten Präsidenten des UBS-Verwaltungsrates Kaspar Villiger stellt die Wiedergewinnung des verlorenen Vertrauens die wichtigste Aufgabe dar. Dies brauche viel Arbeit und Beharrlichkeit. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung seien bereit, diese verantwortungsvolle Aufgabe anzupacken, sagt Villiger gemäss Redetext an der heute stattfindenden Generalversammlung der Bank. Die Vertrauenskrise, in welcher sich die Bank befinde, habe nicht zuletzt auch hausgemachte Gründe. Der Kunde und nicht der Bonus müssen wieder im Zentrum stehen, macht Villiger in seiner Rede klar. Dies müsse allen wieder in Fleisch und Blut übergehen.


Ausreichende Ertrags- und Kapitalkraft im Fokus
Voraussetzung der Gesundung sei aber selbstverständlich die Wiedererlangung einer zureichenden Ertrags- und Kapitalkraft. Die UBS wolle auch darauf hinarbeiten, die Steuerzahler wieder aus der Haftung zu entlassen, so Villiger weiter. Villiger äussert sich in seiner Rede auch zum Offshore-Banking. Der konzertierte Druck vieler Regierungen auf die Schweiz erzeuge den Eindruck, Offshore-Banking sei etwas Verwerfliches. Dem sei aber nicht so, macht der Alt-Bundesrat klar. Er gehe davon aus, dass das Bedürfnis dafür in Zukunft eher noch steigen wird. Allerdings werde die Steuervermeidung als treibende Kraft an Bedeutung weiter verlieren. Das Geschäft werde sich wohl weiter verändern, aber es werde nicht aussterben, zeigt sich Villiger überzeugt.


Eigenmittelanforderungen laut FINMA erfüllt
Trotz des neuerlichen Milliarden-Verlusts im ersten Quartal 2009 erfüllt die UBS die Eigenmittelanforderungen, wie der Sprecher der Finanzmarktaufsicht (FINMA), Alain Bichsel, auf Anfrage gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte. Weiter wollte die Aufsichtsbehörden den Geschäftsgang der UBS nicht kommentieren. Die FINMA nehme die Angaben, die die Grossbank am Mittwoch anlässlich ihrer Generalversammlung machte, zur Kenntnis und beobachte, sagte Bichsel.


Integriertes Modell wird beibehalten 
Die UBS will in Zukunft eine globale Bank sein, die als Kerngeschäft das internationale Wealth Management und insbesondere auch das Schweizer Geschäft betreibt. Dort wolle sie eine führende Position einnehmen, erklärte CEO Oswald Grübel gemäss Redetext zur heute stattfindenden Generalversammlung. Grundsätzlich bleibe die Attraktivität des integrierten Geschäftsmodell nicht in Frage gestellt. Das Investmentbanking habe trotz aller Vorbehalte neben dem Privatkundengeschäft weiterhin seine Berechtigung. Unternehmen würden auch in Zukunft Kapital aufnehmen, an die Märkte gelangen und ihre Struktur- und Strategiefragen lösen wollen: Dazu brauche es die Beratung und Unterstützung einer Investmentbank, zeigt sich Grübel überzeugt.


«Diese Zeiten sind vorbei»
Aber auch wenn das Investment Banking ein notwendiges Geschäft sei, heisse dies nicht, dass die Anbieter auch in Zukunft «unsinnige Risiken» eingehen würden, so Grübel. «Diese Zeiten sind vorbei». Um eine führende Position einnehmen zu können, braucht die UBS gemäss Grübel professionelle Dienstleistungen im Investment Banking und im Asset Management. Das Privatkundengeschäft soll weiterhin mit der Expertise im globalen Investment Banking und im Asset Management kombiniert werden. Dass sich die branchenweit überdurchschnittlichen Renditen der vergangenen Jahrzehnte vorläufig nicht fortsetzen werden, sei aber klar,. «Trotzdem müssen wir mit unserem Geschäft gute Gewinn erzielen.»


Sämtliche Geschäftsfelder auf dem Prüfstand
Dazu soll die Organisation optimiert werden, weshalb derzeit alle Geschäftsfelder dahingehend überprüft würden, ob sie weitergeführt werden sollen. Die entsprechenden Resultate sollen baldmöglichst kommuniziert werden. Im weiteren werde er in Bezug auf die Einhaltung der einschlägigen Gesetze und Vorschriften «keinerlei Verstösse oder Grauzonen» tolerieren, kündigte Grübel an. Die Rahmenbedingungen in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung werden sich gemäss dem CEO ändern. «Wir werden sicherstellen, dass uns dies nicht unvorbereitet trifft». (awp/mc/ps/04)

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