ABB lagert EPC-Geschäfte aus

Ulrich Spiesshofer
ABB-CEO Ulrich Spiesshofer. (Foto: ABB)

Zürich – Der Industriekonzern ABB lagert verschiedene EPC-Aktivitäten (Engineering, Procurement, Construction) aus und minimiert dadurch das Risiko als Generalunternehmer. Die Massnahmen betreffen drei von vier Divisionen und führen zu Sonderkosten auf Stufe EBITA von insgesamt 150 Mio USD. Hinzu kommt eine Vorsteuerbelastung auf Stufe Reingewinn von 75 Mio USD. ABB wird die Ergebnisse dieser Geschäfte künftig gesondert ausweisen.

Mit dem Abschluss der Neuausrichtung des EPC-Geschäfts werde der Fokus auf wachstumsstarke Segmente verlagert, die Geschäftsrisiken reduziert und insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit verbessert, teilt ABB am Mittwoch mit. Die Massnahmen stehen im Einklang mit der Umsetzung der „Next Level“-Strategie.

Auslagerung von EPC-Geschäft an Joint Ventures
Konkret gründet ABB für die Division Stromnetze ein Joint Venture mit SNC-Lavalin für schlüsselfertige EPC-Projekte für Umspannwerke. An diesem Joint Venture wird SNC-Lavalin einen beherrschenden Marktanteil halten. Das neue Unternehmen soll zusätzliche Chancen für profitables Wachstum eröffnen. Diese Massnahme erfolgen im Rahmen des laufenden „Power Up“-Transformationsprogramms.

In der Division Industrieautomation soll das bereits angekündigte EPC-Joint-Venture im Öl- und Gasbereich mit Arkad Engineering and Construction Ltd. nun bis zum 31. Dezember 2017 abgeschlossen werden. Die derzeitigen EPC-Aktivitäten im Öl- und Gassektor von ABB werden in das neue Joint Venture eingebracht, an dem ABB ebenfalls nur einen Minderheitsanteil halten wird. Arkad mit Sitz in Saudi-Arabien ist ein vollintegrierter EPC-Anbieter für den Energiesektor.

Als dritte Massnahme wird in der Division Robotik und Antriebe das Zug-Retrofitgeschäft im Bahnsektor abgewickelt, wobei laufende Vertragsverpflichtungen weiter erfüllt werden. Wie umfangreich das insgesamt von den Massnahmen betroffene Geschäft ist, wollte Finanzchef Timo Ihamuotila an einer Telefonkonferenz nicht sagen. Es sei aber nicht sehr gross, sagte er.

Hohe Sonderkosten
Dafür machte ABB Angaben zu den erwarteten Kosten. Im Ergebnis des vierten Quartals 2017 der Divisionen Stromnetze sowie Robotik und Antriebe werden sich die Massnahmen je mit rund 75 Mio USD auf den operativen EBITA auswirken – also insgesamt mit 150 Mio USD. Die Übertragung der EPC-Aktivitäten im Öl- und Gassektor auf das Joint Venture mit Arkad wird zudem voraussichtlich zu einer nicht-operativen Vorsteuerbelastung des Konzerngewinns in Höhe von 75 Mio USD führen. Wie gross der Einfluss auf den Reingewinn insgesamt sein wird, lässt sich laut einem ABB-Sprecher noch nicht genau beziffern.

Die Ergebnisse dieser Altgeschäfte sollen in einer neuen, ausserhalb des Kerngeschäfts geführten Einheit im Bereich „Konzernaufwand & Sonstiges“ ausgewiesen werden. Diese Einheit soll Teile des bestehenden Alt-Auftragsbestands weiter bearbeiten, bis die Geschäfte vollständig übertragen oder abgewickelt sind.

Obwohl ABB an den beiden Joint Ventures lediglich einen Minderheitsanteil hält, werden diese EPC-Geschäfte als weiterhin wichtig beurteilt. „Wir haben mit SNC-Lavalin und Arkad starke Partner gewonnen“, erklärte dazu CEO Ulrich Spiesshofer. ABB verfüge über eine starke Produktepalette, sei aber vor Ort nicht immer in der Lage, grössere Projekte umzusetzen. Dafür seien die Partner mit ihrer lokalen Verankerung besser geeignet und ABB gewinne so neue Vertriebskanäle. Ausserdem würden die Risiken in der Bilanz minimiert und eine bessere Ausführung der Projekte garantiert.

Spiesshofer äusserte sich zudem zu den weiteren Aussichten. „Das Übergangsjahr 2017 ist nun abgeschlossen und wir erwarten für das Jahr 2018 ein gegenüber 2017 verbessertes konjunkturelles Umfeld.“ (awp/mc/pg)

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