Geringere Nachfrage nach Adecco-Zeitarbeitern

Geringere Nachfrage nach Adecco-Zeitarbeitern
Adecco-CEO Alain Dehaze. (Foto: Adecco)

Zürich – Die neusten Resultate des Personaldienstleisters Adecco geben einen Hinweis auf den Zustand des globalen Arbeitsmarkts. Es sieht nicht allzu rosig aus.

Adecco hat zwischen April und Juni die konjunkturelle Abkühlung zu spüren bekommen. Vor allem in Europa schwächelte das Geschäft und hier vor allem in der Autoindustrie, wie Konzernchef Alain Dehaze am Donnerstag an einer Telefonkonferenz sagte. Der Umsatz in der Berichtswährung Euro nahm weltweit um 2 Prozent auf 5,92 Milliarden Euro ab. Bereinigt um Wechselkurseffekte und um die unterschiedliche Anzahl Arbeitstage resultierte ein Umsatzschwund von rund 3 Prozent.

Schon in den beiden Vorquartalen hatte das Unternehmen einen (organischen) Rückgang von 2 Prozent und 1 Prozent erlitten, davor waren über viele Quartale Wachstumsraten von +2 bis +7 Prozent verzeichnet worden.

Personaldienstleister wie Adecco bekommen konjunkturelle Abkühlungen relativ früh zu spüren, weil Firmen in unsicheren Zeiten zuerst bei den Temporären sparen. Adecco ist denn auch kein Einzelfall. Die beiden anderen grossen globalen Personaldienstleister, Randstad und Manpower, hatten kürzlich ebenfalls über Umsatzeinbussen berichtet.

Probleme in Deutschland
Rückläufig war die Wachstumsrate bei Adecco etwa im wichtigen Markt Frankreich (-3%), vor allem aber in „Deutschland und Österreich“ (-17%). „Wir machen 25 Prozent des Umsatzes in Deutschland mit der Automobilindustrie“, sagte CEO Dehaze dazu.

Auch in der Schweiz waren die Einnahmen rückläufig (-7%). Hier litt Adecco laut dem Firmenchef ebenfalls unter der schwächeren Konjunktur. Dies gelte insbesondere für die Autozulieferer. Es sei aber auch auf dem Bau ruhiger geworden. Hingegen seien die Bereiche Logistik und Tourismus nach wie vor gut gelaufen.

Adecco spürt auch den Brexit. In Grossbritannien sei das Geschäft mit der Vermittlung von Festangestellten rückläufig. „Alle warten, wie es mit dem Brexit weitergeht, und stellen deshalb keine neuen Mitarbeiter an“, so Dehaze.

Ausserhalb von Europa ging es auch in Nordamerika leicht abwärts. Der Handelsstreit zwischen den USA und China sei aber nicht der Grund dafür, meint Dehaze. „Wir sehen dazu nichts in unseren Zahlen.“ Im Gegenteil sei das Geschäft mit der Vermittlung von Festangestellten in den USA im zweiten Quartal um 9 Prozent gewachsen. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass die Unternehmen nach wie vor relativ zuversichtlich seien.

Wann wird es besser?
Der Firmenchef wollte sich nicht festlegen, ob konzernweit in den nächsten Quartalen wieder mit positiven Wachstumsraten gerechnet werden kann. „Es gibt zu viele externe Unsicherheitsfaktoren, um dies beurteilen zu können“, so Dehaze. Immerhin sei aber die Vergleichsbasis im zweiten Halbjahr nicht mehr gar so anspruchsvoll, weil der Abschwung schon im zweiten Halbjahr 2018 eingesetzt habe.

Rasche Besserung sei trotzdem nicht in Sicht. So habe sich die Situation im Juli, also zu Beginn des dritten Quartals, nicht verbessert.

Ein Lichtblick waren bei Adecco die Gewinnzahlen. Der Bruttogewinn erhöhte sich trotz des Umsatzrückgangs um 2 Prozent auf 1,13 Milliarden. „Wir haben die Bruttomarge das vierte Quartal in Folge gesteigert“, kommentierte CEO Dehaze. Der operative Gewinn (EBITA, bereinigt) ging hingegen um 2 Prozent auf 265 Millionen zurück. Auf Stufe Reinergebnis resultierte ein 6 Prozent tieferer Wert von 159 Millionen.

Bei Adecco läuft bekanntlich ein Sparprogramm. Dieses sei auf Kurs, hiess es dazu. An der Börse stösst der Zahlenkranz auf Anklang. Die Valoren von Adecco schlossen 1,5 Prozent höher bei 52,80 Franken (SMI +2,3%). (awp/mc/pg)

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