Alpiq nach IFRS mit Verlust von mehr als einer halben Milliarde

Alpiq nach IFRS mit Verlust von mehr als einer halben Milliarde
Alpiq-Gebäude in Olten.

Lausanne – Alpiq hat im ersten Halbjahr einen sehr hohen Verlust erlitten. Dieser ist allerdings wegen der starken Turbulenzen an den Energiemärkten hauptsächlich buchhalterisch bedingt. Operativ konnte der Energiekonzern zulegen.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine habe die Energiemärkte in den Grundfesten erschüttert, heisst es von Alpiq am Donnerstag. «Die Auswirkungen prägen den Markt in noch nie dagewesenem Ausmass. Innert weniger Monate hat sich die Energiewelt dramatisch verändert.»

Die «extremen» Preissteigerungen an den Energiemärkten führten in den ersten sechs Monaten zu einem deutlich höheren Umsatz. Der Nettoumsatz der Gruppe explodierte auf 6,0 Milliarden Franken nach 2,7 Milliarden im Vorjahr.

Wertminderungen bei abgesicherter Produktion
Gleichzeitig musste Alpiq wegen der Preisanstiege und der «aussergewöhnlichen Volatilität» deutlich höhere Sicherheitszahlungen für die abgesicherte Stromproduktion leisten. Diese Sicherheiten sind allerdings vorübergehender Natur und fliessen nach Vertragserfüllung vollständig zurück. Im Ergebnis nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS widerspiegeln sich auch mögliche Risiken für Verluste, sollte Alpiq für bereits im Voraus verkauften Strom wegen Ausfällen von Kraftwerken am Markt Ersatz beschaffen müssen. Im jetzigen Umfeld wäre das extrem teuer.

Unter dem Strich blieb daher ein Minus auf Stufe Betriebsergebnis (EBITDA) von 566 Millionen sowie ein Verlust von 592 Millionen nach einem Plus von 16 Millionen im Vorjahreszeitraum.

In diesem äusserst turbulenten Umfeld sei es Alpiq jedoch gelungen, die operative Performance deutlich zu verbessern, so der Stromproduzent. Der bereinigte EBITDA erreichte im ersten Halbjahr 114 Millionen Franken nach 83 Millionen, was einem Plus von 37 Prozent entspricht.

Weiterhin weniger Atomstrom aus Frankreich
So habe Alpiq mit dem Strom aus den Schweizer Wasserkraftwerken gute Preise erzielt. Dadurch seien höhere Kosten durch die Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerks Nant de Drance per Anfang Juli kompensiert worden.

Auch die Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt seien im ersten Semester 2022 gut verfügbar gewesen und hätten über 8 Prozent mehr Strom als in der Vorjahresperiode produziert. 2021 war es bei Leibstadt, dem grössten und modernsten AKW der Schweiz, noch zu einem unerwartet langen Ausfall im Zuge der Revision gekommen. Dieser kam für die beteiligten Energieunternehmen zur Unzeit, da die Strompreise an den europäischen Handelsmärkten bereits im vierten Quartal auf Rekordwerte angestiegen sind.

Das lag damals vor allem an der geringen Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke. Und die schwierige Situation hält an: Auch im ersten Halbjahr 2022 resultierten aus den Bezugsrechten aus Frankreich historisch tiefe Energielieferungen, wie Alpiq am Donnerstag schreibt. Das werde im laufenden und möglicherweise auch im kommenden Jahr einen Einfluss auf das Ergebnis haben, da der Strom anderweitig beschafft werden müsse.

Mit tieferen Kosten und höheren Volumen in Gösgen und Leibstadt seien die geringeren Lieferungen aus dem Nachbarland aber im ersten Halbjahr mehr als kompensiert worden, so Alpiq weiter. Und auch die Alpiq-Gaskraftwerke in Ungarn und Italien seien zu fast 98 Prozent verfügbar gewesen. Ausserdem liefert seit Anfang 2022 das Kraftwerk Plana del Vent in Spanien nach Reparaturarbeiten wieder stabil Strom.

Turbulenzen halten an
Mit Blick in die Zukunft halten die verschiedenen Unsicherheiten indes an: «Das Damoklesschwert eines Gaslieferstopps schwebt nach wie vor über Europa und treibt die Preise weiter in die Höhe», heisst es. Für den kommenden Winter drohe eine Gasmangellage und gleichzeitig auch eine Strommangellage, weil in Frankreich eben zahlreiche AKW stillstehen.

Aufgrund einer «dynamischen» Marktentwicklung erwarte man für das Gesamtjahr 2022 eine positive Weiterentwicklung auf Stufe bereinigtes EBITDA. Allerdings unterliege das Portfolio von Alpiq weiterhin ausserordentlich starken Wertschwankungen, und die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds (STENFO) könnten möglicherweise eine negative Jahresperformance aufweisen. Daher könne das Unternehmen für das laufende Jahr nicht mit Sicherheit mit einem positiven IFRS-Reinergebnis rechnen.

Ab dem Geschäftsjahr 2023 sollen bei Alpiq indes interne Prozesse vereinfacht und verschlankt werden. Das Unternehmen will künftig einen integralen Ansatz für die Wertschöpfung über alle Geschäftseinheiten – Produktion, Handel, Vertrieb – verfolgen, anstatt diese einzeln zu betrachten. (awp/mc/ps)

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