Axpo tief in die roten Zahlen gerutscht

Andrew Walo
Axpo-CEO Andrew Walo.

Axpo-CEO Andrew Walo.

Zürich – Die Axpo leidet zusehends unter den tiefen Strompreisen und ist im Geschäftsjahr 2013/14 in die Verlustzone abgerutscht. Diverse Kraftwerke produzieren mittlerweile über dem Marktpreis und sind damit unwirtschaftlich. Wegen des anhaltenden Preiszerfalls im Handel bleibt für den Energieversorger weiterhin die Rentabilität sowie die Sicherstellung der Kapitalmarktfähigkeit im Fokus: Axpo muss sparen und baut Stellen ab.

Per Ende September sank die Gesamtleistung des Konzerns um 0,35 Mrd CHF auf 6,67 Mrd CHF. Davon entfielen 6,53 Mrd auf das Energiegeschäft und die Netznutzung nach 6,74 Mrd CHF im Vorjahr. Der Stromabsatz stieg auf 67’947 Mio Kilowattstunden nach 60’537 Mio im Vorjahr, während der Gasabsatz um 35% auf 11’027 Mio Kilowattstunden sank.

Die bereits im September angekündigten Wertberichtigungen auf Anlagen und Energiebezugsverträge belasteten das Betriebsergebnis mit 1,5 Mrd CHF, wie Axpo am Freitag mitteilte. Unter dem Strich blieb ein negatives EBIT von 871 Mio nach +364 Mio im Vorjahr und ein Unternehmensverlust von 730 Mio nach einem Gewinn in Höhe von 212 Mio. Bereinigt um Sondereffekte resultierte aus dem operativen Geschäft per Ende September allerdings ein EBIT von 479 Mio CHF und ein operativer Cashflow von 765 Mio CHF, womit man «stabil unterwegs» sei.

Stromhandelspreise sinken weiter
Der Verwaltungsrat der nicht kotierten Aktiengesellschaft schlägt der Generalversammlung vor, für das Geschäftsjahr auf eine Dividendenausschüttung zu verzichten, wie aus dem Finanzbericht hervorgeht. 2012/13 zahlte die Axpo den acht beteiligten Kantonen insgesamt 74 Mio CHF aus.

Die bereits tiefen Grosshandelspreise für Strom auf den europäischen Märkten seien im Berichtsjahr weiter gesunken, so der Energie-Konzern weiter. Die beträchtlichen Wertminderungen beziehen sich den Angaben nach auf Kernkraftwerke, Gross- und Kleinwasserkraftwerke, Biomasseanlagen, Gaskombi- und Windkraftwerke im In- und Ausland sowie auf Energiebezugsverträge aus Frankreich. Seit 2012 summieren sich die Sonderbelastungen auf über 2,5 Mrd CHF. Hingegen wurde die finanzwirtschaftliche Abschreibungsdauer für die Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt auf 60 von 50 Jahre verlängert.

Ungeachtet der prekären Lage treibt Axpo derweil dennoch den Bau des Pumpspeicherwerks Linth-Limmern in den Glarner Alpen voran. Ende 2015 soll die erste von vier Maschinengruppen Strom produzieren. Der Bau kostet das Unternehmen und den Kanton Glarus insgesamt 2,1 Mrd CHF. Trotz des schwierigen Marktumfelds sei Axpo finanziell nach wie vor solide aufgestellt, hiess es weiter. Das Eigenkapital des Konzerns summiert sich auf 7,5 Mrd CHF; die Eigenkapitalquote beträgt 37,2%.

Rentabilität ist oberstes Ziel
Oberstes Ziel des Konzerns sei es jedoch, angesichts der herausfordernden Bedingungen im Markt die Rentabilität sicherzustellen und die Kapitalmarktfähigkeit zu erhalten. Bis zum Geschäftsjahr 2016/17 wird Axpo netto rund 300 Stellen abbauen. 2014 fielen bereits 80 Stellen weg, allerdings nur ein Teil davon bereits per 30. September. Gerade in profitablen Geschäftsfeldern würden aber auch in Zukunft weiter neue Stellen aufgebaut. Auch das Kerngeschäft wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter optimiert sowie neue Geschäftsfelder erschlossen. Die Massnahmen zur Kostensenkung führten im Vergleich zum Vorjahr zu Verbesserungen in Höhe von 25 Mio CHF.

Auch im laufenden Geschäftsjahr bleiben die Kosten und die Rentabilität im Fokus. Aus heutiger Sicht sei nicht zu erwarten, dass die Grosshandelspreise für Strom in Europa in absehbarer Zeit wieder ansteigen werden. Der Fokus der Investitionen werde daher verstärkt auf profitable Geschäfte ausgerichtet: in erster Linie Projekte mit erneuerbaren Energien – vorwiegend im Ausland. Auch das Endkundengeschäft in Europa werde für Axpo zunehmend wichtiger: In Spanien und Polen ist man seit jüngstem im Retail-Markt vertreten; in Italien versorgt das Unternehmen bereits rund 100’000 Absatzpunkte mit Strom und Erdgas.

Weiter ist Axpo am Offshore-Windparks Global Tech I in der deutschen Nordsee beteiligt, wo die Inbetriebnahme von 80 Windkraftanlagen im Laufe des Jahres 2015 vorgesehen ist. (awp/mc/upd/ps)

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