Axpo wird von Atomausstieg vor Probleme gestellt

Heinz Karrer

Axpo-CEO Heinz Karrer.

Zürich – Stellen abbauen, neue Ertragsquellen erschliessen: Der Energiekonzern Axpo muss sich neu ausrichten, um bei einem Atomausstieg der Schweiz Schritt halten zu können.

Die wirtschaftliche Abkühlung und die Folgen der Atom-Katastrophe in Japan bereiten dem Konzern Schwierigkeiten. Die Gewinnrückgänge der jüngeren Zeit werden durch den eingeleiteten Ausstieg aus der Atomenergie noch verschärft. Das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, sei darum «sehr schwierig und unsicher», schrieb Axpo in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Gewinnsteigerung um 100 Mio Franken jährlich
Nun will der Stromversorger Massnahmen ergreifen, um den Rückgang der Gewinne zu bremsen. Mit Kostensenkungen und Investitionen in neue Kraftwerke soll der jährliche Gewinn um 100 Mio CHF gesteigert werden.

Stellenabbau wahrscheinlich
Um Kosten zu sparen, ist gemäss Axpo auch mit einem Stellenabbau zu rechnen. Wo und in welchem Umfang dieser erfolgt, ist laut Axpo noch nicht entschieden. Voraussichtlich im nächsten Frühjahr werde über konkrete Massnahmen informiert, sagte Presse-Sprecherin Daniela Biedermann gegenüber der sda.

Alternativen zu AKW
Der von der Politik in die Wege geleitete Ausstieg aus der Atomenergie erfordert auch eine Anpassung von Axpos Versorgungsstrategie. Den Plan, den zu erwartenden Nachfrageüberschuss ab 2020 mit einem neuen Atomkraftwerk zu decken, hat das Unternehmen begraben.

Investitionen in Milliardenhöhe
«Nachdem der Bau eines Ersatz-Kernkraftwerks nicht mehr möglich ist, müssen wir sämtliche Optionen prüfen, wie wir die Stromlücke füllen können», sagte Daniela Biedermann. Axpo plant Investitionen von mehreren Milliarden Franken. In Frage kommen vor allem Wasserkraft und erneuerbare Energien, doch auch Importe aus dem Ausland werden ins Auge gefasst.

Pläne für Bau von Gaskombikraftwerken bleiben sistiert
Vorerst keine Option sind Gaskombikraftwerke. Zwar hatte der Nationalrat am Montag einer Lockerung der Regeln für diese Kraftwerke im Rahmen des CO2-Gesetzes zugestimmt. Demnach sollen die Betreiber bis zu 50% der CO2-Emissionen im Ausland kompensieren können. Das ist laut Axpo aber immer noch zu wenig. «Die vom Nationalrat beschlossene Lösung reicht nicht aus, um ein Gaskombikraftwerk in der Schweiz rentabel betreiben zu können», erklärte Daniela Biedermann. Die Pläne für den Bau von zwei solchen Kraftwerke, die 2007 auf Eis gelegt wurden, blieben deshalb sistiert.

Energiehandel gewinnt an Bedeutung
Der Ausstieg aus der Atomenergie lässt auch eine Verschiebung hin zu wetterabhängigen Formen der Energieproduktion wie Wind- und Solarenergie erwarten. In Zukunft wird deshalb wohl der Energiehandel an Bedeutung gewinnen. Nach der Übernahme des Energiehandelsunternehmens EGL werde nun eine Fokussierung im Handelsgeschäft bei den einzelnen Tochterunternehmen geprüft, hiess es in der Mitteilung von Axpo.

Gewinn um 28 Prozent gesunken
Axpo erzielte im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 6,27 Mrd CHF einen um 28% tieferen Gewinn von 409 Mio Franken. (awp/mc/pg)

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