Barry Callebaut verkauft Stollwerck nach Belgien

Jürgen Steinemann

BC-CEO Jürgen Steinemann.

Zürich – Der Schokoladekonzern Barry Callebaut (BC) verkauft sein europäisches Verbrauchergeschäft (Stollwerck) an die belgische Sweet Products bzw. deren Tochter Baronie. Die vollumfängliche Übernahme umfasst die gesamte Stollwerck-Gruppe, einschliesslich fünf Werke in Deutschland, Belgien und der Schweiz.

Die Transaktion beinhalte zudem eine langfristige Liefervereinbarung mit der Baronie-Gruppe für die Lieferung von rund 25’000 Tonnen Flüssigschokolade pro Jahr sowie die zusätzliche Lieferung von Kakaobohnen und Halbfertigprodukten, wie der Schweizer Konzern am Montag mitteilte. Die beiden Parteien haben laut Mitteilung Stillschweigen über die finanziellen Details der Transaktion vereinbart, die noch von den Wettbewerbsbehörden geprüft werden muss. Der Vertragsabschluss ist für den Herbst 2011 vorgesehen.

Traditionsunternehmen
Stollwerck wurde 1839 gegründet und 2002 von BC übernommen. Das Unternehmen bietet sein Portfolio an Schokoladenprodukten über die meisten führenden Einzelhändler in Europa an. Der Umsatz von Stollwerck beläuft sich auf rund 500 Mio EUR und die Verkaufsmenge auf über 100’000 Tonnen. Die verkauften Mengen umfassen Handelsmarken und Traditionsmarken (Sarotti, Alprose, Alpia und Jacques) sowie die Co-Produktion für Dritte. Das Unternehmen beschäftigt rund 1’700 Mitarbeitende. BC-CEO Jürgen Steinemann zeigt sich in der Mitteilung erfreut: «Wir haben unserer Ansicht nach für unser europäisches Verbrauchergeschäft…eine sehr gute Lösung gefunden. Die Baronie Gruppe und Stollwerck werden zudem dank unserer langfristigen Liefervereinbarung zu wichtigen strategischen Partnern.»

Erneuter Anlauf
Sweet Products ist den Angaben zufolge ein belgisches Familienunternehmen im Privatbesitz und das Mutterhaus der Unternehmen der Baronie-Gruppe. Baronie – ursprünglich holländisch – stellt ein «breites Sortiment von Schokoladenprodukten für ihre nationale und internationale Kundenbasis» her. Bereits vor zwei Jahren sollte Stollwerck an den spanischen Lebensmittelkonzern Natra verkauft werden. Die Verhandlungen wurden jedoch wieder abgebrochen, was damals mit einer «Differenz in der Bewertung der beiden Unternehmen» begründet wurde.

BC-Titel leicht unter Druck
Die Reaktion an der Börse fällt leicht negativ aus, was allerdings vor allem mit der allgemein schlechten Stimmung zu tun haben dürfte. Die BC-Aktien verlieren um 12.20 Uhr 1,4%. Analysten jedenfalls begrüssen die Transaktion. Das lange Warten auf einen passenden Käufer habe endlich ein Ende genommen und dürfte den Kurs der «Schokoladen-Aktien» heute leicht versüssen, schreibt Wegelin. Da der Markt seit dem Scheitern mit der spanischen Natra auf den Verkauf gewartet habe, dürfte die Reaktion auf die Aktie positiv ausfallen, heisst es auch bei der CS.

Angemessener Verkaufspreis?
Die ZKB-Analysten unterstreichen zudem, dass das europäische Verbrauchergeschäft in den vergangenen Jahren im Konzerndurchschnitt klar weniger profitabel und weniger gewachsen sei. Der Verkauf sei daher positiv. Dass gleich noch mehrjährige Liefervereinbarungen abgeschlossen worden seien, sei zudem sehr erfreulich, so die Wegelin-Kommentatoren weiter. Fraglich ist laut Analysten jedoch, ob ein angemessener Verkaufspreis erzielt werden konnte. Vontobel schätzt den Preis auf das rund 0,5-fache der Umsätze bzw. ein EV/EBITDA von 6x, was rund 400 Mio CHF entspräche. UBS schätzt den Transaktionspreis mit 150-180 Mio CHF dagegen deutlich tiefer ein. (awp/mc/ps)

Barry Callebaut

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