Bell übernimmt Hügli und sieht Wachstumspotenzial – Aktien im Plus

Lorenz Wyss
Lorenz Wyss, Vorsitzender der Bell-Gruppenleitung. (Foto: Bell)

Basel / Steinach – Bell stärkt das Convenience-Geschäft mit der Übernahme des Ostschweizer Nahrungsmittelherstellers Hügli. Der Fleischverarbeiter erhofft sich Wachstum und eine höhere Profitabilität. Bei Hügli wird der Schritt als „ideale Nachfolgeregelung“ im Ankeraktionariat bezeichnet. Die Börse spendet Applaus.

Der ehemalige Hügli-Patron Alexander Stoffel habe sein Lebenswerk spät noch ordnen wollen, sagte Verwaltungsratspräsident Jean Gérard Villot am Montag. Er habe verhindern wollen, dass sein Mehrheitsanteil an der Firma auf fünf Erben aufgesplittet werde. „Bell war dabei Stoffels Wunschpartner“, so Villot. An den ersten Gesprächen sei er noch dabei gewesen. Stoffel starb dann aber im letzten Herbst im 89. Lebensjahr.

Der Deal, den die beiden Unternehmen in den letzten Monaten ausarbeiteten, fiel laut den Beteiligten aber ganz im Sinne des ehemaligen Hügli-Chefs aus. Bell-Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli sprach deshalb auch von einer „freundlichen Übernahme“.

Rasche Zustimmung erwartet
Konkret übernimmt Bell zunächst die Dr. A. Stoffel Holding und kommt damit in Besitz von 50,2% des Kapitals und 65,0% der Stimmen. Ausserdem lanciert der Fleischverarbeiter voraussichtlich im März ein öffentliches Kaufangebot für die restlichen sich im Publikum befindlichen Hügli-Aktien. Es werden 915 CHF pro Anteilsschein geboten, was einer Prämie von gut 14% entspricht. Insgesamt beläuft sich der Transaktionswert für die Übernahme des Pakets der Stoffel Holding und das öffentliche Angebot (bei einer vollständigen Andienung) auf 443,8 Mio CHF.

Bell geht laut Loosli von einer raschen und unkomplizierten Integration aus. Mit der Zustimmung der europäischen Wettbewerbsbehörden wird laut den Angaben Ende Februar gerechnet.

Ein Meilenstein
Der Kauf sei auch für Bell ein „Meilenstein“, betonte Loosli. Bell baue damit das Convenience-Geschäft aus, das künftig rund 1 Mrd CHF zum Umsatz beisteuern werde (Hügli-Umsatz 2016: 385 Mio). Mit dem schwergewichtig auf haltbare Produkte ausgerichteten Hügli-Sortiment könne das bestehende Angebot von Frisch-Convenience-Produkten (Hilcona, Salatanbieter Eisberg) ergänzt werden.

Das Synergiepotenzial von Bell und Hügli liege „auf der Hand“, so Loosli weiter. Es gebe zwar kaum Überlappungen, aber Wachstumschancen. „Denken Sie an Coop, wo Hügli heute nicht präsent ist“, sagte er in Anspielung auf die Mehrheitsbeteiligung von Coop an Bell. Gemäss Bell-CEO Lorenz Wyss bestehen ausserdem Vorteile durch den gemeinsamen Einkauf. „Und auch geografisch passt es perfekt“, fügte er an.

Beziffern wollte das Bell-Management das Potenzial allerdings nicht. Es betonte lediglich, dass mittelfristig eine Margen- und Ergebnisverbesserung angepeilt werde.

Kapitalerhöhung
Die Finanzierung der Übernahme erfolgt durch eine Kombination von Eigen- und Fremdkapital. Konkret wird der ordentlichen Generalversammlung vom 10. April 2018 eine Kapitalerhöhung mit einem Erlös von rund 600 Mio CHF beantragt. Bell-Mehrheitsaktionärin Coop (Anteil von 66,3%) wolle dabei die Bezugsrechte vollständig ausüben, wurde betont. Die Erlöse sollen nebst der Übernahme von Hügli dem bereits angekündigten strategischen Investitionsprogramm für die Schweizer Produktionsstandorte sowie dem weiteren Wachstum im Bereich Convenience dienen.

Finanzchef Marco Tschanz unterstrich, dass sich an der Finanzierungsstrategie wegen des Deals nichts ändere. Es werde insbesondere weiterhin eine Eigenkapitalquote von über 40% und eine Pay-out-Ratio von rund 30% angestrebt.

Höhere Dividende
Ausserdem machte Bell erste Angaben zum Geschäftsjahr 2017. Demnach werde ein EBITDA auf Vorjahresniveau (278,0 Mio) und ein Jahresergebnis über Vorjahr (100,6 Mio) erwartet. Zudem sei eine Erhöhung der Dividende um 1 CHF auf 8 CHF pro Aktie geplant. Die detaillierten Geschäftsergebnisse sollen am 13. Februar bekannt geben werden.

An der Börse kam der Deal gut an. Die Bell-Papiere legten um 5,9% zu. Hügli zogen derweil um 13% an und schlossen mit 910 CHF knapp unterhalb des gebotenen Preises. (awp/mc/ps)

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