Bucher vom schwachen Agrarsektor gebremst

Jacques Sanche

Bucher-CEO Jacques Sanche. (Foto: Bucher)

Niederweningen – Die Industriegruppe Bucher hat im ersten Quartal 2016 wie schon 2015 unter der schwachen Nachfrage nach Landwirtschaftsmaschinen gelitten. Nebst dem Einbruch von Umsatz und Aufträgen in der grössten Sparte Kuhn Group, welche den erwähnten Markt bedient, fiel aber auch die schwache Entwicklung der Sparte für Gemeindefahrzeuge ins Gewicht, welche den Wegfall eines Grossauftrags aus Moskau nicht kompensieren konnte. Demgegenüber wird der Geschäftsverlauf für die übrigen Divisionen als insgesamt gut bezeichnet und der bisherige Ausblick für 2016 gleichzeitig bestätigt.

Der Auftragseingang nahm in der Berichtsperiode um knapp 13% auf 555 Mio CHF ab, insbesondere wegen markanten Einbrüchen in den beiden Divisionen Kuhn Group und Bucher Municipal. Der Auftragsbestand sank dabei um etwas über 11% auf 647 Mio. Der Umsatz reduzierte sich gleichzeitig um 7,1% auf 603 Mio CHF. Die Währungseinflüsse hätten dabei nur einen marginalen Effekt auf die Konsolidierung in Schweizer Franken gehabt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Bucher hat damit die Erwartungen der Analysten klar verfehlt.

Der insgesamt gute Geschäftsverlauf habe den Rückgang bei den Landmaschinen und den Kommunalfahrzeugen nicht zu kompensieren vermocht, heisst es zum Geschäftsgang im ersten Quartal. Insgesamt hätten die Hauptmärkte in Europa einen leichten, in Amerika jedoch einen stärkeren Abschwung verzeichnet, wogegen aus Asien positive Impulse gekommen seien.

Kuhn Group leidet weiter
Die grösste Division Kuhn Group sei vom fortgesetzten Rückgang in der Landtechnik weiter deutlich betroffen gewesen, habe sich jedoch besser als der Gesamtmarkt gehalten. Dennoch resultierte ein währungsbereinigtes Minus im Auftragseingang von über 22% auf 180 Mio CHF sowie ein Minus von knapp 12% beim Umsatz auf 292 Mio CHF.

Der Markt für Landtechnik sei von weltweit tiefen Getreidepreisen, von Überkapazitäten sowie sinkenden Preisen in der Milchwirtschaft geprägt gewesen, was sich durch die Aufhebung der EU-Milchkontingentierung noch akzentuiert habe. In dieser Division sei deshalb die Kontrolle der Kosten verstärkt worden.

Auch bei Bucher Municipal haben sich Auftragseingang und Umsatz klar zweistellig zurückgebildet, nämlich um über 31% auf 79 Mio CHF bzw. um knapp 12% auf 73 Mio beim Umsatz. Hier fiel der Grossauftrag aus der Stadt Moskau aus dem Vorjahr ins Gewicht, welcher nicht ersetzt werden konnte. Der diesbezügliche Effekt auf den Auftragseingang beläuft sich auf -30 Mio. Das Geschäft mit Winterdienstausrüstungen hat zudem den erneut milden Winter in Europa gespürt. Innerhalb dieser Division wird derzeit der Bereich Kehrfahrzeuge neu strukturiert und die Produktion auf die Standorte in Grossbritannien und Lettland konzentriert.

Hydraulics «erfreulich»
Den Geschäftsverlauf der zweitgrössten Division Hydraulics bezeichnete Bucher als «erfreulich». Der Umsatz erhöhte sich zum Vorjahresquartal um 5% auf 127 Mio CHF, während der Auftragseingang bei 132 Mio praktisch stabil blieb. In der Division Emhart Glass, welche Glasformungsmaschinen herstellt, ging der Umsatz ganz leicht zurück, während der Auftragseingang in ähnlichem bescheidenem Mass anzog. Die Division Specials verzeichnete sowohl mehr Umsatz als auch mehr Bestellungen.

Für das laufende Jahr 2016 bestätigt der Konzern die Guidance vom März. Demnach geht das Unternehmen von insgesamt gehaltenen Kennzahlen aus, dies in einem weiterhin volatilen Marktumfeld. Der Umsatz profitiert dabei von der Akquisition des dänischen Herstellers von Kanalreinigungsfahrzeugen JHL. Für die Kuhn Group sei mit einer weiteren Abschwächung der Nachfrage zu rechnen und bei Bucher Municipal keine nennenswerten Belebung zu erwarten.

An der Börse werden die Zahlen mit Abgaben quittiert, wobei vor allem die Realisierbarkeit des Ausblicks angezweifelt wird. Die Aktie verzeichnet am Nachmittag ein Minus von 4,5%. (awp/mc/pg)

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