Burckhardt Compression spürt Margendruck – Tiefere Ziele

Marcel Pawlicek
Marcel Pawlicek, CEO Burckhardt Compression. (Foto: Burckhardt Compression © SCANDERBEG SAUER PHOTOGRAPHY)

Marcel Pawlicek, CEO Burckhardt Compression. (Foto: Burckhardt Compression © SCANDERBEG SAUER PHOTOGRAPHY)

Winterthur – Der Kolbenkompressoren-Hersteller Burckhardt Compression ist im letzten Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende März) nur leicht gewachsen und hat eine leichte Margeneinbusse erlitten. Im laufenden Jahr dürfte sich der Druck auf die Profitabilität verstärken. Das Management will dagegenhalten.

Burckhardt Compression gilt als Margenwunder: Das Winterthurer Unternehmen wies in den letzten Jahren zeitweise EBIT-Margen von um die 20% aus. Das offizielle Zielband des Managements lautet auf 15% bis 20%. Doch im letzten Geschäftsjahr ist diese Kennzahl genau auf den unteren Rand des Bands auf 15,0% abgerutscht, und im Ausblick auf das neue Geschäftsjahr peilt das Management sogar nur noch 11% bis 13% an.

Analysten äusserten sich in ersten Kommentaren überrascht über das Ausmass der erwarteten Reduktion. Dies gelte umso mehr, weil in dieser Prognose der Verwässerungseffekt durch die Übernahme des chinesischen Firma Shenyang Yuanda noch nicht enthalten ist. Wie CEO Marcel Pawlicek am Dienstag bei der Präsentation der Jahreszahlen sagte, weise diese eine Marge von rund 10% aus. Ziele für den Konzern inklusive dieser Akquisition, die per Anfang Mai vollzogen wurde und die den Umsatz um rund ein Fünftel erhöht, sollen demnächst folgen.

«Irrationale Entscheidungen»
«Im Neumaschinengeschäft ist die Bruttomarge unter Druck», begründete der CEO die Entwicklung. Es gebe von gewissen Konkurrenten «zum Teil sehr irrationale Entscheidungen». Im abgelaufenen Geschäftsjahr sei die Bruttomarge im Neumaschinengeschäft auf 22,0% von 23,9% gesunken, sagte CFO Rolf Brändli. Für das laufende Jahr wird nun ein regelrechter Einbruch auf 15% bis 17% erwartet – und dies notabene ohne den Effekt der Übernahme in China.

Entspannung an der Preisfront ist keine in Sicht: «Ich gehe davon aus, dass das Umfeld so bleibt wie es ist», so Pawlicek. Gleichwohl soll die Marge des Gesamtunternehmens wieder steigen. Möglichkeiten sieht das Management im Einkauf. So sollen unter anderem günstigere Rohmaterialien – unter anderem Gussteile – aus dem übernommenen Unternehmen in China beschafft werden. «Es gibt dank der Transsib eine direkte Bahnverbindung von dort nach Hamburg», so der CEO.

Ausserdem soll das nach wie vor hochmargige Servicegeschäft (Bruttomarge 2015/16: 50,8%) grösser werden. Laut Pawlicek haben sich die ursprünglichen Wachstumserwartungen, was Wartungsaufträge für Nicht-Burckhardt-Maschinen betrifft, bislang nicht erfüllt. «Wir sind im Rückstand», so der CEO. Es sei daher denkbar, das Wachstum mit kleineren Akquisitionen zu beschleunigen.

Interessante Raffinerien
Abgesehen von der Margenentwicklung zeigte sich das Management angesichts des herausfordernden Umfelds zufrieden. Beim Bestellungseingang (523,2 Mio CHF; +1,8%) und Umsatz (487,2 Mio; +2,9%) seien neue Bestmarken gesetzt worden. Es sei beim Umsatz aber eine «kleine Enttäuschung» gewesen, dass die 500-Mio-Marke nicht geknackt worden sei. Einige Kunden hätten Aufträge verschoben, hiess es zur Begründung.

Gut laufe vor allem das Geschäft rund um Gas-Transport und -Lagerung sowie mit der petrochemischen Industrie. Sehr gering seien die Aktivitäten dagegen im Bereich Ölförderung. Wachstumspotenzial sieht das Management im Raffineriegeschäft und in einer weiteren geografischen Expansion – zum Beispiel in Mexiko oder Argentinien.

Der EBIT verringerte sich um 2,1% auf 73,0 Mio CHF. Nebst der tieferen Bruttomarge wurde dies mit höher als erwarteten Anlaufkosten in den zwei neuen Fabriken in den USA und Südkorea sowie mit Sonderausgaben für Akquisitionen erklärt. Der Reingewinn nahm um 3,6% auf 55,5 Mio CHF ab. Die Aktionäre sollen dennoch in den Genuss einer unveränderten Dividende von 10 CHF pro Papier kommen.

500-Mio-Matrke knacken
Abgesehen vom Margenziel peilt das Management – ohne den China-Effekt – im laufenden Jahr einen Umsatz «deutlich über 500 Mio CHF» sowie einen Bestellungseingang auf Vorjahreshöhe an.

Analysten sprachen abgesehen vom Margenausblick von Zahlen im Rahmen der Erwartungen. An der Börse waren die Pessimisten aufgrund der Guidance gleichwohl in der Überzahl. Die Aktien von Burckhardt Compression schlossen am Dienstag mit -7,8% bei 332 CHF deutlich im Minus, in einem ansonsten freundlichen Gesamtmarkt (SPI +0,6%). (awp/mc/upd/ps)

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