Christian Levrat wird neuer VR-Präsident der Post

Christian Levrat
Christian Levrat. (parlament.ch)

Bern – SP-Urgestein Christian Levrat verlässt das Parlament. Der 50-jährige Freiburger Ständerat ist vom Bundesrat zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Post ernannt worden. Er ersetzt den ehemaligen CVP-Politiker Urs Schwaller, ebenfalls Freiburger.

Die Wahl des ehemaligen SP-Präsidenten Levrat ist eine Überraschung, hatte dieser in den vergangenen Monaten doch seine Ambitionen für einen Sitz in der Freiburger Regierung angemeldet. Nun nominierte ihn SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga als Post-Verwaltungsratspräsidenten. Der Bundesrat folgte am Mittwoch diesem Vorschlag.

Levrat ist seit Jahrzehnten mit der Post verbunden. Zu Beginn seiner Karriere amtete er beispielsweise als Post-Gewerkschafter und kritisierte das bundesnahe Unternehmen regelmässig für Abbaupläne.

Zusammen mit der damaligen Konsumentenschutz-Präsidentin Sommaruga setzte sich Levrat 2004 in Bern für die Annahme der «Poststellen-Initiative» ein. Auch als Ständerat befasste sich Levrat regelmässig mit der Post. Nun übernimmt er selber die strategischen Zügel des Bundesunternehmens.

Post im Umbruch
Die definitive Wahl Levrats soll am 27. April erfolgen, wie der Bundesrat weiter mitteilte. Dann findet die Delegiertenversammlung der Post statt. Anfang Dezember soll er dann die Nachfolge von Urs Schwaller antreten, der auf diesen Zeitpunkt hin zurücktritt.

Levrat erwartet viel Arbeit. «Die Post steht vor grossen Herausforderungen», sagte Bundesrätin Sommaruga vor den Bundeshausmedien. Das geänderte Kundenverhalten und die fortschreitende Digitalisierung führten zu einem kontinuierlichen Rückgang der Briefmengen und der Zahlungsverkehrsgeschäfte am Schalter. «Die Post steht vor der grössten Transformation in den vergangenen zwanzig Jahren.»

Gleichzeitig habe die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig eine gute Grundversorgung sei, sagte Sommaruga. Die Post habe mit ihrer Strategie für die Jahre 2021-2024 erste Massnahmen eingeleitet. Ziel sei es, dass die Post weiterhin «im Dienste der Bevölkerung» handle.

Levrat als Brückenbauer
Laut dem Bundesrat ist Levrat der richtige Mann zur Bewältigung dieser Aufgaben. «Er hat eine profunde Branchenkenntnis, strategisches Geschick und ist durchsetzungsfähig», sagte Sommaruga. Die grösste Bedeutung habe aber Levrats Glaubwürdigkeit gegenüber dem Post-Personal.

Levrat sei zudem ein Vertreter der lateinischen Schweiz. Dass nun erneut ein Mann den Post-Verwaltungsrat präsidiert, ist laut Sommaruga kein Problem. «Auf die Fähigkeiten von Levrat zu verzichten, nur, weil er keine Frau ist, kam für den Bundesrat nicht infrage.» Zudem hielt Sommaruga fest, dass sie in den vergangenen zwei Jahren viele Spitzenpositionen mit Frauen besetzt habe.

Auch die Parteizuhörigkeit von Levrat sei nebensächlich, sagte die SP-Bundesrätin. Viele ihrer engen Mitarbeitenden seien entweder parteilos oder gehörten anderen Parteien an. Wichtig sei es aber, dass der Post-Verwaltungsratspräsident die Bedürfnisse der Politik befriedigen könne. Als jahrelanger Parlamentarier erfülle Levrat auch dieses Kriterium.

«Einige enttäuscht, andere erleichtert»
Die Ratskarriere von Levrat endet nach 18 Jahren: Er wird Ende September 2021 als Ständerat zurücktreten. Die SP verliert damit einen ihrer einflussreichsten Politiker in der kleinen Kammer. Der Entscheid sei ihm nicht leichtgefallen, sagte Levrat. In seinem Kanton würden «einige enttäuscht, andere erleichtert» sein darüber.

Er werde sich in seiner neuen Rolle weiterhin für einen starken Service public einsetzen können. «Ich bin überzeugt von der Post der Zukunft.» Dass er dereinst die allfällige Privatisierung der Postfinance mittragen müsste, wollte Levrat nicht kommentieren. Generell wolle er einen Ausgleich «zwischen Markt, Mitarbeitenden und Kunden» finden. Sein Background als ehemaliger Gewerkschafter heisse nicht, dass es keine Veränderung geben solle.

Zentral sei, dass die Politik rasch verschiedene Fragen kläre, wie etwa den Zugang der Postfinance zu neuen Dienstleistungen, die Aufhebung des Kreditverbots sowie die generelle Finanzierung der Grundversorgung. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.