Dätwyler mit Umsatzrückgang und hohem Reinverlust im ersten Halbjahr

Dätwyler mit Umsatzrückgang und hohem Reinverlust im ersten Halbjahr
Dätwyler-CEO Dirk Lambrecht. (Foto: Dätwyler)

Altdorf – Der Industriekonzern Dätwyler hat im ersten Halbjahr 2020 weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr und auch weniger verdient. Der Grossteil des Umsatzrückgangs ist auf die Devestition der Marken Distrelec und Nedis zurückzuführen, die Corona-Krise liess die Verkäufe aber auch organisch schrumpfen.

Da das Unternehmen im vergangenen Dezember eine strategische Neuausrichtung mit Fokus auf den Bereich Dichtungslösungen (Sealing Solutions) angekündigt und die beiden Distributionsunternehmen Distrelec und Nedis mit grossen Verlust verkauft hat, ist der Vergleich der aktuellen Zahlen mit dem Vorjahr nur bedingt möglich. Der Fokus liegt deshalb auf dem fortgeführten Geschäft, zu dem neben der Sparte Sealing Solutions noch der Online-Distributor Reichelt gehört, der allerdings dereinst auch verkauft werden soll.

Der Umsatz insgesamt reduzierte sich um 22,7 Prozent auf 545,7 Millionen Franken. Im fortgeführten Geschäft ergab sich ein währungsbereinigtes Minus von 5,2 Prozent auf 488,6 Millionen. Man sei wegen der Covid-Pandemie mit ausserordentlich schwierigen Entwicklungen in den bearbeiteten Märkten konfrontiert gewesen, teilte der Innerschweizer Konzern am Dienstag mit. Trotz den staatlich verordneten Einschränkungen sei es aber gelungen, die „Lieferfähigkeit jederzeit zu gewährleisten“.

Gewinn bricht deutlich ein
Auch auf Gewinnstufe hinterliess die Corona-Krise deutliche Spuren. Der um Sonderfaktoren adjustierte Betriebsgewinn (EBIT) brach um 28,6 Prozent auf 65,1 Millionen ein und die entsprechende Marge um 100 Basispunkte auf 11,9 Prozent.

Damit wurden die Erwartungen der Analysten nur teilweise erfüllt. Während die Erwartungen an den Umsatz etwas geringer waren, lag der operative Gewinn etwas unter den Prognosen.

Im Dezember hatte Dätwyler wegen des Verkaufs von Distrelec und Nedis einen nicht-liquiditätswirksamen Verlust von insgesamt rund 670 Millionen Franken angekündigt. Davon wurde ein Teil bereits 2019 verbucht, 468 Millionen fallen aber auf das Ergebnis 2020. Der ausgewiesene EBIT inklusive dieser Einmalkosten liegt deshalb mit -399,4 Millionen massiv im negativen Bereich, ebenso das Reinergebnis mit -421,7 Millionen.

Kapazitätsanpassung bei Industrial Solutions
Der Ausblick auf das zweite Semester 2020 ist gemischt. Für die Business Units Mobility, Öl+Gas sowie generelle Industrie innerhalb der Division Industrial Solutions sieht sich Dätwyler gezwungen, die Kapazitäten und Kostenstrukturen weiter an die tiefere Nachfrage anzupassen. Dies werde voraussichtlich zu einmaligen Restrukturierungskosten im mittleren einstelligen Millionenbereich führen.

Dennoch zeigt sich Dätwyler grundsätzlich zuversichtlich. Neben den hohen Auftragsbeständen in den Bereichen Healthcare Solutions und Food & Beverage sei auch für den Onlinedistributor Reichelt mit einer anhaltend starken Nachfrage zu rechnen. Eine quantitative Prognose für das Gesamtjahr sei aber sehr schwierig.

Für das Geschäftsfeld Industrial Solutions erwartet Dätwyler auch im zweiten Semester „völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen“. In den Business Units Mobility, Oil & Gas und General Industry werde die Unsicherheit bis auf weiteres unverändert hoch bleiben und sich die Nachfrage nur langsam erholen. Es dürfte voraussichtlich bis 2022 dauern, bis der Umsatz wieder das Niveau von 2019 erreiche.

Impfstoffe gegen Covid beleben Geschäft
Im Geschäftsfeld Healthcare Solutions sei dagegen wegen des hohen Auftragsbestands mit der Verlängerung des Wachstumstrends zu rechnen. Hier verzeichnet Dätwyler gar positive Impulse von der Corona-Krise.

Aufgrund von Zahlungen von Stiftungen und Behörden sowie aufgrund des Marktpotenzials würden einzelne Pharmaunternehmen Medikamente und Impfstoffe zur Bekämpfung des Covid-Virus produzieren, bevor sie die Zulassung dafür hätten. Schon seit Mai gingen deshalb zusätzliche Bestellungen für Komponenten ein. Dätwyler will deshalb in den weiteren Kapazitätsausbau der bestehenden Healthcare-Werke investieren. (awp/mc/ps)

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