Dätwyler steigt aus Bieterkampf um Premier Farnell aus

Paul J. Hälg, CEO Dätwyler Gruppe. (Foto: Dätwyler)
Paul J. Hälg, ehemaliger CEO Dätwyler Gruppe. (Foto: Dätwyler)

Altdorf – Der Industriekonzern Dätwyler zieht sich aus dem Bieterwettbewerb um die britische Premier Farnell zurück und verzichtet damit auf ein möglicherweise teures Abenteuer. Nachdem das Angebot von Dätwyler von Mitte Juni in der Höhe von insgesamt 1,1 Mrd CHF Ende Juli von der amerikanischen Avnet übertrumpft worden war, hätte Dätwyler das bereits als teuer empfundene ursprüngliche Gebot noch einmal nachbessern müssen. Das passiert nun nicht.

Die bisher genannten Bedingungen des Angebots seien final, teilt Dätwyler am Donnerstag mit. Es werde keine Anfrage zur Verlängerung der Angebotsfrist gestellt. Das Angebot für Premier Farnell verfällt damit am 21. August. Damit dürfte Premier Farnell an Avnet gehen. Das US-Unternehmen bietet 185 Pence je Premier-Farnell-Titel und übertraf damit die Dätwyler-Offerte von 165 Pence deutlich.

Eine Bedingung des Angebots von Dätwyler war, dass die Premier Farnell-Aktionäre dieses bis spätestens am 20. August 2016 gutgeheissen hätten. Man akzeptiere nun, dass man durch den Verfall des Angebots an gewisse Bedingungen des britischen Übernahmerechts gebunden sei, dies bis zum 21. August 2017.

Transaktionskosten von 4 bis 8 Mio Franken
Aus dem misslungenen Übernahmeversuch entstehen Dätwyler wie vergangene Woche mit den Halbjahreszahlen kommuniziert einmalige Transaktionskosten von rund 4 Mio bis 8 Mio CHF, welche in den EBIT einfliessen. Dazu kommen einmalige Kosten zur Währungsabsicherung und Währungsverluste von insgesamt rund 35 Mio bis 40 Mio, welche das Finanzergebnis belasten werden.

Externes Wachstum bleibt auf der Agenda
Dätwyler will das bisherige kommunizierte profitable Wachstumsstrategie weiterverfolgen, wie es weiter heisst. Diese beinhaltet sowohl organisches Wachstum als auch Akquisitionen.

Die britische Premier Farnell hätte im Erfolgsfall der Akquisition in die Division Technical Components eingegliedert werden sollen, was zu einem Umsatzsprung geführt hätte. Indes gab es Spekulationen, dass für den Fall, dass die Übernahme scheitern sollte, Dätwyler den Verkauf der weniger rentablen Sparte Technical Components in Betracht ziehe.

Verkauf von Technical Components «kein Thema»
CEO Paul Hälg widersprach allerdings vergangene Woche diesen Überlegungen: «Ein Verkauf der Division Technical Components ist derzeit kein Thema. Wir wollen uns auf die weiteren Verbesserungen in dieser Division konzentrieren», sagte er.

In Marktreisen wird der Verzicht grundsätzlich positiv gewertet. Man erachte das disziplinierte Vorgehen von Dätwyler beim Akquisitionsversuch von Premier Farnell als sinnvoll, heisst es beispielsweise in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Dies in Anbetracht der potenziellen Verschuldung, aber auch unter dem Aspekt, dass ein höheres Angebot nicht einfach grössere Synergien mit sich gebracht hätte.

Weitere Akquisitionen dürften gemäss ZKB folgen, diese dürften aber mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht die Grösse von Premier Farnell haben. Somit werde sich die Grössenentwicklung von Dätwyler etwas gemächlicher vollziehen. (awp/mc/upd/pg)

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