Deloitte European CFO Survey: Optimismus europäischer Unternehmen auf Talfahrt

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Unter den europäischen Finanzchefs sind die Geschäftsaussichten und die Risikobereitschaft deutlich eingetrübt.

Zürich – Gemäss der jüngsten European CFO Survey von Deloitte ist der Optimismus der europäischen Unternehmen zurückgegangen. Allerdings deutet die Umfrage auf eine abweichende Entwicklung innerhalb Europas hin: Unternehmen in den Süd- und Peripheriestaaten sind zuversichtlicher geworden und zeigen eine grössere Risikobereitschaft als Unternehmen in den nördlichen Ländern. Die halbjährliche, pan-europäische Umfrage fasst die Ergebnisse der Umfragen zusammen, die von den Mitgliedsunternehmen von Deloitte in 15 europäischen Ländern einschliesslich der Schweiz durchgeführt wurden. Insgesamt wurden die Ansichten von 1‘298 Chief Financial Officers (CFOs) – darunter 110 aus der Schweiz – untersucht.  

Die Trends in Europa und in der Schweiz gehen in entgegengesetzte Richtungen: Die Stimmung in der Schweiz verbessert sich von einem sehr niedrigen Niveau aus, während sie sich in ganz Europa etwas eingetrübt hat. Der Währungsschock war und ist nach wie vor der Hauptgrund für den Pessimismus in der Schweiz. Die Umfrage zeigt jedoch, dass die CFOs in den letzten Monaten wieder zuversichtlicher geworden sind. Die hiesigen Unternehmen scheinen die neue Realität akzeptiert und sich allmählich an die Wechselkursaufwertung angepasst zu haben.

Geschäftsaussichten eingetrübt – aber in der Schweiz nimmt Optimismus zu
Ein Viertel der europäischen CFOs geben an, dass sie im Hinblick auf die finanziellen Aussichten für ihr Unternehmen optimistischer sind als vor sechs Monaten. Im ersten Quartal 2015 waren es noch 33%. Die Anzahl derjenigen, die angeben, weniger optimistisch zu sein, ist von 18% im ersten Quartal auf 23% im dritten Quartal gestiegen.

Die südlichen und peripheren europäischen Länder – darunter Irland, Italien, Polen, Portugal und Spanien – vermelden eine grössere Zuversicht als die Länder im Norden. Dies spiegelt die verbesserte wirtschaftliche Entwicklung und die höheren Wachstumsaussichten in diesen Ländern im Verlauf des Jahres wider. Am schwächsten wird der Optimismus in den europäischen Volkswirtschaften im Norden eingestuft. So liegen beispielsweise in Frankreich, Norwegen, Deutschland und Grossbritannien die Werte am niedrigsten. Eine knappe Mehrheit der CFOs in der Schweiz ist nach wie vor eher pessimistisch, aber die Zahlen haben sich im Vergleich zum ersten Quartal erheblich verbessert: 23% (Q1: 6%) sind nun optimistisch und 26% pessimistisch gestimmt (Q1: 65%).

Michael Grampp, Chefökonom bei Deloitte in der Schweiz und Leiter der European CFO Survey, erklärt: „Die Besorgnis über das Weltwirtschaftswachstum hat sich stark auf die Stimmung in Nordeuropa ausgewirkt, wie unsere Umfrage zeigt. Wir sehen nun ein Nord-Süd-Gefälle was den Optimismus angeht. Seit dem ersten Jahresquartal hat Europa eine weitere griechische Schuldenkrise durchlebt. Und die Bedenken darüber, wie stark die Erholung der Weltwirtschaft tatsächlich ausfallen wird, sind grösser geworden – insbesondere wie die Aussichten für Schwellenländer wie China sein werden. Dies hat zu einer erhöhten Unsicherheit unter den europäischen Finanzchefs geführt.”

Geringe Risikobereitschaft
Die getrübte Stimmung und die zunehmende Wahrnehmung einer externen Unsicherheit haben in den meisten Ländern zu einer nachlassenden Risikobereitschaft der CFOs geführt. Gerade einmal 33% der europäischen CFOs geben an, dass nun ein guter Zeitpunkt wäre, Risiko auf ihre Bilanzen zu nehmen. Im ersten Quartal waren es noch 38%. In Italien, gefolgt von Irland, Grossbritannien und Spanien ist die Risikobereitschaft am höchsten. Am geringsten ist sie in Norwegen und Deutschland. In beiden Ländern geben nur 20% an, dass nun ein guter Zeitpunkt für das Eingehen von Risiken wäre. Auch in der Schweiz bewegt sich die Risikobereitschaft am unteren Ende (24%).

Externe Risiken stellen europäische Unternehmen vor grosse Herausforderungen
CFOs nehmen eine grössere Unsicherheit wahr: 66% geben an, dass sich ihre Unternehmen einer hohen finanziellen und wirtschaftlichen Unsicherheit gegenübersehen. Im ersten Quartal waren es noch 60%. In Deutschland ist diese Wahrnehmung mit 87% am stärksten ausgeprägt, gefolgt von den Niederlanden (84%) und der Schweiz (75%).

Auf die Frage nach den Hauptrisiken, denen ihre Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten ausgesetzt sein werden, teilen die europäischen Finanzchefs die Besorgnis über externe Schocks und eine weltweite Konjunkturschwäche. Sorgen über eine weltweite Konjunkturschwäche, geopolitische Instabilität und eine Anfälligkeit des Finanzmarkts stehen hoch auf der Agenda, selbst in Ländern, in denen die Stimmung grundsätzlich gut bleibt. Die Finanzchefs haben jedoch auch die internen Risiken nicht aus den Augen gelassen: Personalkosten und der Fachkräftemangel gehören zu den Risiken, die am häufigsten genannt werden.

In der Schweiz bleibt die Frankenstärke das grösste Risiko. Aber auch die erhöhte Regulierung, geopolitische Risiken sowie der Fachkräftemangel sind bedeutende Risikofaktoren.

Kostenkontrolle hat bei Unternehmen hohe Priorität
Auf die Frage nach ihren geschäftlichen Prioritäten für das kommende Jahr nannten die CFOs in 12 von 14 der teilnehmenden Länder – darunter die Schweiz – Kosteneinsparungen und -kontrolle als eine der vorrangigen Prioritäten. Dazu zählen auch Länder wie Italien, Irland und Portugal, wo der Optimismus und die Risikobereitschaft hoch sind. In der Schweiz wollen die Finanzchefs neben der Kostenkontrolle auch auf Weiterentwicklung setzen: Zu den wichtigsten Strategien für das kommende Jahr zählen organisches Wachstum, die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen und die Expansion in neue Märkte.
Michael Grampp dazu: „Auf den ersten Blick mag es überraschend erscheinen, dass die Schweizer CFOs Kostenkontrolle und -senkung einerseits und den Ausbau ihrer Unternehmen andererseits priorisieren. Allerdings ist dies ein weiteres Indiz für die leichte Stimmungsaufhellung, die wir in den vergangenen Monaten beobachtet haben. Die Finanzchefs halten Ausschau nach Möglichkeiten für weiteres Wachstum ihrer Unternehmen auf mittlere Sicht und konzentrieren sich nicht länger auf kurzfristige Herausforderungen wie die Stärke des Frankens. Die Schweizer Unternehmen haben sich schneller an den Wechselkursschock angepasst als befürchtet. Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, aber die Aussichten haben sich im Vergleich zum ersten Quartal erheblich verbessert.”

Grosse Euroländer sehen griechische Schuldenkrise entspannt – die Schweiz nicht so  
Fast jeder zweite Finanzchef (48%) gibt an, dass die diesjährige griechische Schuldenkrise die langfristigen Perspektiven für eine stabile und integrierte europäische Währungsunion verschlechtert hat. In Ländern, die der Eurozone angehören, ist man skeptischer (63%) als in Nicht-Euro-Ländern (40%). In den Ländern, die dem Euro skeptischer gegenüberstehen, wie Finnland, Polen und die Schweiz, scheint die Stimmung besonders negativ zu sein. In der Schweiz glauben gar 59%, dass diese Ereignisse die Geschäftsaussichten verschlech-tert haben. Interessanterweise teilen die deutschen CFOs (41%) diese äusserst negative Ansicht nicht, wenngleich sich ein erheblicher Teil der deutschen Politiker und der Öffentlich-keit deutlich gegen das dritte Rettungspaket für Griechenland ausgesprochen hat. (Deloitte/mc/ps)

Über die Deloitte European CFO Survey
Im Rahmen der pan-europäischen CFO-Umfrage werden die Erkenntnisse der von den Mitgliedsunternehmen von Deloitte in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russland, der Schweiz und Spanien durchgeführten Umfragen zusammengetragen.  
Insgesamt nahmen 1‘298 CFOs an diesen Umfragen teil, die zwischen Juli und Oktober 2015 durchgeführt wurden. Die in diesem Bericht angeführten Prozentangaben sind nach dem BIP gewichtet, um genaue Vergleiche zuzulassen. Dabei wurde das BIP der einzelnen Länder im Verhältnis zum Gesamt-BIP der 15 teilnehmenden Länder berücksichtigt.  
Die vollständigen Umfrageergebnisse, inklusive Aufschlüsselungen nach den einzelnen Ländern und der früheren Umfragen, finden sich auf www.deloitteresearchemea.com.  

Über Deloitte in der Schweiz
Deloitte ist ein führendes Prüfungs- und Beratungsunternehmen in der Schweiz und bietet branchenspezifische Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Financial Advisory. Mit über 1‘400 Mitarbeitenden an den sechs Standorten Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich (Hauptsitz) betreut Deloitte Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Grösse aus allen Wirtschaftszweigen. Deloitte AG ist eine Tochtergesellschaft von Deloitte LLP, dem Mitgliedsunternehmen in Grossbritannien von Deloitte Touche Tohmatsu Limited (DTTL). Über DTTL sind deren Mitgliedsunternehmen mit über 225‘000 Mitarbeitenden in mehr als 150 Ländern vertreten.

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