Durchzogenes Schokoladejahr 2015

Durchzogenes Schokoladejahr 2015
(Bild: © Marco Mayer – Fotolia.com)

(Bild: © Marco Mayer – Fotolia.com).

Bern – 2015 wurde in der Schweiz zum zweiten Mal in Folge weniger Schokolade verkauft als im Vorjahr. Zudem griffen die Schweizerinnen und Schweizer vermehrt nach Importprodukten. In einem schwie­rigen Umfeld konnte sich die Schweizer Schokoladeindustrie insgesamt dennoch behaupten. Das wichtige Exportgeschäft wird aber zunehmend durch staatliche Hindernisse erschwert.

Die 18 Schweizer Schokoladehersteller erzielten im Jahr 2015 ein insgesamt durchzogenes Resultat. Die Verkaufsmenge ging auf 181’414 Tonnen zurück (-1,3%). Im Inlandmarkt und in wichtigen Exportmärkten waren deutliche Rückschläge zu verzeichnen. Nur dank einzelnen Wachstumsmärkten im Export konnte der Absatzrückgang in Grenzen und der Branchenumsatz mit 1’474 Millionen Franken leicht über Vorjahresni­veau gehalten werden (+0,7%). Damit wirkte das Exportgeschäft in einem schwierigen Umfeld stabilisierend. Dies war dank Rahmenbedingungen möglich, welche eine Kompensation des agrarpolitisch verursachten Rohstoff-Kostennachteils im Export erlaubten. Mit dem Ende des „Schoggigesetzes“ bei Aufrechterhaltung des Agrargrenzschutzes sind diese Rahmenbedingungen aber in Gefahr.

Starker Rückgang des Inland-Absatzes und des Pro-Kopf-Konsums
Die Gesamt-Inlandverkäufe der Schweizer Herstellerfirmen gingen gegenüber dem Vorjahr um 5,9 % zurück. Dabei entwickelte sich der Inlandverkauf sowohl von Halbfabrikaten (- 5,8 %), als auch von Fertigprodukten (- 5,9 %) negativ. Der heisse Sommer, der Rückgang der Touristen aus dem Ausland und die Zunahme des Einkaufs-Tourismus im grenznahen Ausland dürften zu dieser schlechten Bilanz beigetragen haben. Der Pro-Kopf-Schokoladekonsum in der Schweiz ging um 0,6 kg auf 11,1 kg zurück. Der starke Franken führte zu einer Verbilligung der Importe und zu einer Erhöhung des Anteils der Importschokolade am Inlandkonsum von 37,2% auf 38,7 %. Der Inlandumsatz ging um insgesamt 0,9% zurück.

Differenziertes Bild im Export
In den meisten wichtigen Exportmärkten ging der Absatz 2015 zurück. Dank dem Wachstum in einzelnen Märkten konnte das Exportgeschäft unter dem Strich dennoch ausgebaut werden. In Europa legten vor allem Belgien und die Niederlande zu, während Italien und Österreich die stärksten mengen- und umsatzbezoge­nen Rückschläge verzeichneten. In den wichtigsten Märkten ausserhalb Europas zeigten Australien, Singa­pur, die Vereinigten Arabischen Emirate und Japan deutliche Zuwachsraten, während die stärksten Einbrü­che in China (-30%), auf den Philippinen (-28%) und in Russland (-26%) zu verzeichnen waren. Unter dem Strich erreichten die Verkäufe ins Ausland 117’031 Tonnen (+1,4%). Der damit erzielte Umsatz erhöhte sich auf 843 Mio. Franken (+2,5 %).

Ausblick: Agrarprotektionismus gefährdet das wichtige Exportgeschäft
Der Anteil des Auslandabsatzes an der Gesamtproduktion ist 2015 erneut angestiegen und beträgt neu 64,5% (Vorjahr: 62,8 %). Somit wird fast nur noch jede dritte in der Schweiz hergestellte Schokolade in der Schweiz verkauft, während der Löwenanteil in den Export geht. Dem im Ausland erzielten Umsatz stehen Schweizer Herstellkosten entgegen. Nebst den hohen Löhnen fallen dabei vor allem die staatlich geschütz­ten Preise für Milchgrundstoffe ins Gewicht. Diese sind hierzulande wegen dem Agrargrenzschutz 200-300% teurer als im Ausland. Bis anhin sorgte das sog. „Schoggigesetz“ für den Ausgleich dieses agrarpolitisch bedingten Rohstoffkosten-Handicaps. Nach den Beschlüsse der WTO-Ministerkonferenz vom Dezember2015 muss das „Schoggigesetz“ jedoch abgeschafft werden. Gleichzeitig sind keine Anzeichen für eine Öff­nung des Schweizer Agrarmarkts zu erkennen. Vielmehr wird mit der auf Rohstoffe fokussierenden Swiss-ness-Regulierung der Agrarprotektionismus weiter ausgebaut. Diese Kombination gefährdet den Absatz von Schweizer Schokolade und Wachstumsmöglichkeiten in wichtigen Auslandmärkten. Dies schwächt nicht nur die hierzulande produzierende Industrie, sondern droht auch für die Schweizer Landwirtschaft zu einem Bu­merang zu werden. Eine Ersatzlösung für das „Schoggigesetz“ ist deshalb unbedingt nötig, solange die Schweiz am Agrargrenzschutz festhält. (Chocosuisse/mc/ps)

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