Energiedienst steigert Halbjahresgewinn dank Sondereffekt markant

Jörg Reichert
Jörg Reichert, CEO Energiedienst Holding. (Foto: Energiedienst)

Laufenburg – Der Stromversorger Energiedienst hat im ersten Halbjahr aufgrund von Sondereffekten deutlich mehr verdient. Mit Blick in die Zukunft gibt sich das deutsch-schweizerische Unternehmen vorsichtig. Es gibt verschiedene Risikofaktoren.

Der Betriebsertrag nahm im ersten Semester 2022 um 37 Prozent auf 749 Millionen Euro zu, wie das an der Schweizer Börse SIX kotierte Unternehmen am Montag mitteilte. Das Betriebsergebnis EBIT verdoppelte sich fast auf 82,2 Millionen Euro. Energiedienst hatte bereits vor knapp zwei Wochen einen Überschuss von «rund 82 Millionen» in Aussicht gestellt.

Grund sind positive Bewertungseffekte bei der Personalvorsorge in Deutschland. Da Energiedienst nach Swiss GAAP FER rapportiert, würden diese direkt im EBIT gebucht. Das binationale Unternehmen hat in Laufenburg und in Rheinfelden viele Mitarbeiter, die täglich über die Grenze pendeln.

Es handelt sich laut Finanzchef Klaus Müller um einen reinen Bewertungseffekt. Da die Zinsen massiv gestiegen sind, reduziere sich die Rückstellung für die Vorsorge. Der um diese Effekte bereinigte EBIT betrug 34 Millionen (+32%). Unter dem Strich stieg der Gewinn auf 93,6 Millionen Euro nach 35,7 Millionen im Vorjahr.

Dürre belastet Produktion
Die Wasserkraftwerke von Energiedienst hätten im ersten Halbjahr derweil deutlich weniger Strom produziert, sagte Müller im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Das durch die Trockenheit ausgelöste Niedrigwasser habe die Stromproduktion am Hochrhein um einen zweistelligen Prozentbetrag im Vergleich zum Vorjahr gedrückt. Ausgeglichen wurde das im Ertrag allerdings durch die deutlich höheren Strompreise.

Diese hohen Strompreise wirken sich auf den Wert der Wasserkraft zwar positiv aus, stellen im Stromvertrieb in Deutschland allerdings ein Risiko dar. Die Beschaffung könnte sich verteuern. Die Verwerfungen seien aber gut gemeistert worden, sagte Müller. Denn man sei gut abgesichert im Vertrieb und habe keinen Verlust gemacht.

Es sei aber unsicher, wie sich der Konsum im zweiten Halbjahr weiter entwickeln wird. Dieser könnte stark ansteigen, sollten Kunden zum Beispiel wegen der hohen Gaspreise auf elektrische Heizlüfter umsteigen oder ähnliches. Auch könnte es wegen der stark gestiegenen Strompreise zu Zahlungsausfällen kommen.

Wetter und Kundenverhalten ausschlaggebend
Das Kundenverhalten sei also für den weiteren Jahresverlauf ein Risiko, sagte Müller. Hinzu kommt der für Energiedienst immer gegebene Unsicherheitsfaktor bezüglich des Wetters, welches die «Wasserführung» am Hochrhein und im Wallis beeinflusst.

Bei einer positiven Entwicklung könnte im Gesamtjahr 2022 ein EBIT «von über 70 Millionen Euro» erreicht werden, hiess es vom Unternehmen mit Blick in die Zukunft. 2021 waren es 89,5 Millionen Euro. Das um nicht-operative Effekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 67,9 Millionen Euro. (awp/mc/ps)

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