Experte äussert Kritik an Bundesrätin Widmer-Schlumpfs Äusserung

Martin Janssen

Professor Martin Janssen. (Bild: ECOFIN)

Bern – Die kritischen Aussagen von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf zu den geltenden Eigenkapitalvorschriften der Banken machen auch eine Woche später noch Schlagzeilen. So kritisiert etwa der emeritierte Banken- und Finanzprofessor Martin Janssen von der Universität Zürich, dass Banken-Aktionäre durch diese Aussage Geld verloren haben.

Die Kurse von UBS und CS jedenfalls haben am vergangenen Montag um mehr als 5 respektive mehr als 6 Prozent im Minus geschlossen, nachdem die Finanzministerin an einem Parteianlass sagte, die geltenden Eigenkapitalvorschriften seien möglicherweise zu schwach. Statt 4,5 Prozent wären 6 bis 10 Prozent wohl geeigneter.

«Einzelne Aktionäre haben viel Geld verloren»
«Als Finanzminister hätte ich den Medien solche Gedanken nicht am Rande eines Parteitags der eigenen Partei mitgeteilt», sagt Martin Janssen im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». «Um es vorsichtiger zu sagen: Man kann nicht ausschliessen, dass diese Äusserungen wesentlich zu den deutlichen Kursverlusten der Grossbanken am darauf folgenden Börsentag beigetragen haben. Ein Teil der Verluste wurde seither wieder aufgeholt. Man muss aber davon ausgehen, dass einzelne Aktionäre viel Geld verloren haben», so Janssen weiter.

Er warnt im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» vor einem einseitigen Blick auf die Leverage Ratio, also die ungewichtete Eigenkapitalquote. Man setze bei der Bankenregulierung nicht grundlos auf zwei Kennzahlen. Nebst der Leverage Ratio sei die mit dem Risiko der Anlagen gewichtete BIZ-Kernkapitalquote relevant.

SNB-Präsident Jordan warnt vor voreiligen Aktionen
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank SNB, wollte Ende Woche am Rande einer Medienkonferenz zu den von Widmer-Schlumpf ins Spiel gebrachten Erhöhungen nicht direkt antworten. Die SNB habe aber in ihrem letzten Stabilitätsbericht erneut unterstrichen, dass die hiesigen Grossbanken im internationalen Vergleich noch hinterherhinkten. Zudem müssten die Banken bezüglich der Berechnung der risikogewichteten Aktiven mehr Transparenz schaffen. Damit solle die Vergleichbarkeit zwischen den Banken erhöht werden.

In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF1 warnte Jordan aber von voreiligen Aktionen. Es sei wichtig, die Umsetzung des Too-big-to-fail-Gesetzes «rasch» abzuschliessen. Dann könne man eine «Lagebeurteilung» vornehmen. Im Februar 2015 muss der Bundesrat dem Parlament Bericht erstatten über die Umsetzung des Gesetzes. Sollten die Banken dort die im Too-big-to-fail-Gesetz geforderten Anpassungen verfehlen, dann «könnte das durchaus auch Konsequenzen haben für die Kapitalvorschriften». (awp/mc/ps)

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