Experten beleuchten Sportevents

Sportevents

Tagungsleiterin Christine Herzer mit den Referenten Tarzisius Caviezel, Vorsitzender des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden 2022 (links) und Hippolyt Kempf, Chef Sportökonomie des BASPO. (Foto: Hochschule Luzern)

Luzern – Jährlich finden in der Schweiz ca. 230‘000 Sportveranstaltungen statt, 70 davon gelten als Sportgrossevents. Insgesamt generieren sie eine Wertschöpfung von 300 Millionen Franken, 136 Millionen davon die grossen Events. Viele Sportveranstaltungen sind aber nicht kostendeckend und ohne Unterstützung der öffentlichen Hand nicht durchführbar. Das war eine der Problemstellungen, die an der Tagung «Standortförderung mit Sportevents» in der swissporarena Luzern von rund 180 Teilnehmern, darunter Vertreter der öffentlichen Hand und der Sportverbände, Politiker und Sportmanager, diskutiert wurde.

Tagungsleiterin Christine Herzer von der Hochschule Luzern präsentierte erstmals Erkenntnisse aus der Studie «Sporteventförderung der öffentlichen Hand». Für diese Studie wurden der Bund, alle Kantone und ausgewählte Städte wie Lausanne, Zürich und Luzern befragt, nach welchen Kriterien und mit welchen Beträgen sie Sportveranstaltungen unterstützen. Während der Bund vor allem grosse und internationale Sportveranstaltungen fördert, finanzieren die Städte und Gemeinden unterschiedlich grosse Veranstaltungen mit, wie beispielsweise einen Stadtmarathon oder ein Schülerturnier.

Wie viel Geld tatsächlich in die Sporteventförderung fliesst, konnten die Autoren der Studie anhand von Zahlen aus dem Jahr 2009 eruieren. Das BASPO sprach Sportveranstaltern Beiträge in Höhe von einer halben Million Franken zu. Alle Kantone gaben insgesamt rund 22 Millionen Franken für Sportanlässe aus. Bei den 15 befragten Städten und Gemeinden waren es insgesamt 7,8 Millionen, der Maximalbetrag betrug dabei zwei Millionen, der Minimalbetrag 25‘000 Franken. Bei diesem Zahlen sind indirekte Unterstützungen von Sportevents, wie beispielweise eine vergünstigte oder kostenlose Sportinfrastruktur oft nicht berücksichtigt. Laut der Expertin wird gerade dieser Bereich oft unterschätzt.

Transparente Förderstrategien sind gefragt
Die Studie eruierte auch, warum Bund, Kantone, Städte und Gemeinden Events unterstützen. Die Gründe hierfür können sportbezogen, wirtschaftlich und sozial sein. «Ausschlaggebend ist beispielsweise die Verbesserung der Standortattraktivität und die Animation der Jugendlichen zum Sporttreiben. Wichtig ist auch, dass sich die Bevölkerung vor Ort mit dem Anlass identifizieren kann», so Herzer. Konkrete Grundlagen für Entscheidungshilfen seien aber besonders auf regionaler und kommunaler Ebene wenig vorhanden. Gefordert sei deshalb die Entwicklung von klaren und transparenten Förderstrategien.

Ein Schritt in diese Richtung ist das Event-Management-System, das Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft ITW der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Rütter+Partner und den Verantwortlichen der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz entwickelt hat. Indikatoren wie beispielsweise strategische Übereinstimmung, wirtschaftliche Bedeutung, gesellschaftliche Akzeptanz, Umweltverträglichkeit und Vermarktung erlauben es den betroffenen Destinationen und der öffentlichen Hand, Veranstaltungen zu beurteilen und Unterstützungsbeiträge zu ermitteln. Das System kann für jede Destination und jede Art von Veranstaltung angewendet werden. «In St. Moritz wurde das Event-Management-System bereits angewendet und hat sich bewährt. Dank transparenter Beurteilungskriterien ermöglicht es die strategiekonforme und zielgerichtete Verteilung der Unterstützungsgelder», erklärt Stettler.

Nachhaltigkeit im Blick behalten
Jörg Annaheim, Vizedirektor des Bundesamts für Sport BASPO erläuterte an der Tagung das Konzept des Bundes für internationale Sportveranstaltungen. «Wir fördern diese vor allem wenn sie einen gesellschaftlichen und politischen Nutzen haben und dem Image der Schweiz dienlich sind», sagte er. Oberste Zielsetzung sei, die Schweiz als attraktiven Standort für internationale Sportveranstaltungen zu portieren.

Genau für diese Zielsetzung legen sich zurzeit auch Graubünden und die Zentralschweiz ins Zeug. Während die Zentralschweiz an der Kandidatur für die Jugendolympiade 2020 arbeitet, möchte sich Davos St. Moritz für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben. Für Rosie Bitterli Mucha, Chefin Kultur und Sport der Stadt Luzern sind Sportanlässe ein Mittel zur Positionierung. Sie sagte weiter: «Grosse Wintersportanlässe sind für die Zentralschweiz unrealistisch. Die Jugendolympiade hat aber genau das richtige Format für uns.» Zudem gäbe die Veranstaltung wichtige Impulse nicht nur dem Tourismus, sondern der ganzen regionalen Wirtschaft. Auch seien die Infrastrukturen grundsätzlich schon vorhanden, ebenfalls das organisatorische Know-how.

In Graubünden soll bis Ende März die Machbarkeit von Olympischen Winterspielen 2022 abgeklärt sein. Wie der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Tarzisius Caviezel ausführte, verspricht man sich davon auch dort neue Impulse für die Region. Dabei nimmt Nachhaltigkeit für ihn einen besonderen Stellenwert ein. «Graubünden verfügt bereits heute über ausgezeichnete Sportanlagen. Neue Anlagen würden wir so konzipieren, dass sie auch nach den Olympischen Spielen von Nutzen sind.» (Hochschule Luzern/mc/pg)

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