Exporteinbruch nach Frankenschock weniger schlimm als erwartet

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(Bild: © Binkski - Fotolia.com)

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Bern – Ein Jahr nach dem Frankenschock zeigt sich: Die Aufhebung des Mindestkurses hat die Exporte im letzten Jahr deutlich sinken lassen. Zum grossen Exporteinbruch – wie ihn vor einem Jahr viele befürchteten – kam es aber nicht.

«Der Rückgang ist weniger deutlich eingetreten als erwartet», sagt Matthias Pfammatter von der Eidgenössischen Zollverwaltung. Auch Florian Hälg von der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich sagt: «Es ist weniger schlimm gekommen als befürchtet».

Schweizer Firmen haben im letzten Jahr Waren im Wert von 202,9 Mrd CHF ins Ausland verkauft. Das sind 2,6% weniger als im Vorjahr. Ein grosser Teil des Rückgang ist allerdings auf tiefere Preise zurückzuführen.

Die Firmen senkten die Preise, um trotz des starken Frankens wettbewerbsfähig zu bleiben. Offenbar war das noch möglich. Man habe nicht damit gerechnet, dass es da noch viel Spielraum gebe, sagt Hälg.

Leicht tiefere Menge
Werden die Preise ausgeklammert zeigt sich: Mengenmässig, also real, sanken die Exporte deutlich geringer, nämlich um lediglich 0,7%, wie die Eidgenössische Zollverwaltung am Dienstag mitteilte. Die Exporteure haben also einen tieferen Preis und damit eine kleinere Marge in Kauf genommen, um einen starken Rückgang bei der Verkaufsmenge zu vermeiden.

Die Preise – welche die Firmen wider Erwarten noch senken konnten – sind laut Hälg der Hauptgrund dafür, dass die Exporte weniger einbrachen als befürchtet. Allerdings ist die Massnahme für viele Firmen schwer zu schlucken: Die tiefere Marge muss abgefangen werden, in manchen Fällen auch über einen Stellenabbau.

Stabile Pharma-Exporte
Ein weiterer Grund, weshalb es nicht so schlimm kam wie befürchtet, ist gemäss Pfammatter die mit Abstand grösste Schweizer Exportbranche, die chemisch-pharmazeutische Industrie. Sie hielt sich relativ gut: Rein mengenmässig konnte sie sogar mehr exportieren als im Vorjahr.

Der Wert der exportierten Produkte sank allerdings auch bei der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Laut Pfammatter liegt das aber nicht unbedingt daran, dass Unternehmen die Preise senken mussten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn bei den Pharmapreisen komme es auch stark auf die Zusammensetzung der Exportprodukte an.

Hart traf es die Maschinenindustrie: Auf ihr Konto gehen zwei Fünftel des gesamten Exportrückgangs. Die Exporte von Textilmaschinen brachen beispielsweise um über 20% ein. Nur eine einzige von der Zollverwaltung ausgewiesene Branche konnte ihre Exporte im letzten Jahr wertmässig steigern: Die Hersteller von Bijouterie- und Juwelierwaren.

Sinkende Importe
Auf den ersten Blick erstaunlich ist, dass nicht nur die Exporte zurückgingen, sondern auch die Importe: Sie sanken um 6,9% auf 166,3 Mrd CHF. Das widerspricht im Grunde der ökonomischen Theorie: Denn durch die starke inländische Währung werden Produkte aus dem Ausland billiger, was die Importe beflügeln sollte.

Allerdings ist ein grosser Teil des Rückgangs mit den – in Franken gerechnet – tieferen Preisen erklärbar. Werden die Preise ausgeklammert und die realen Werte betrachtet, beträgt das Importminus nur noch 0,5%. Doch selbst dieses kleine Minus ist erklärungsbedürftig. Es besagt nämlich Folgendes: Obwohl Einkaufen im Ausland billiger wurde, wurde es weniger getan.

Allerdings stimmt das nur teilweise: Autos beispielsweise wurden deutlich mehr importiert. Die Händler konnten sie im Ausland billiger beziehen und dank Eurorabatten und Listenpreissenkungen griffen auch die Kunden kräftig zu. Das ist jedoch nur einer von zwei Effekten.

Der zweite betrifft die Stimmung in den Firmen: Diese war im letzten Jahr doch eher bedrückt. Man rechnete mit sinkenden Exporten, mit einer schlechten Konjunktur. Entsprechend wurden weniger Rohstoffe oder Halbfabrikate bezogen. Auch Investitionen wurden herausgeschoben: Das zeige sich daran, dass beispielsweise deutlich weniger Maschinen aus Deutschland importiert worden seien, sagt Hälg. (awp/mc/upd/ps)

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