fedpol verzeichnet 2015 mehr Geldwäscherei-Meldungen

fedpol verzeichnet 2015 mehr Geldwäscherei-Meldungen
KPMG: Banken und Behörden sind mit verschiedenen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen und mit Geldwäschereien konfrontiert. (Foto: Schlierner - Fotolia.com)

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Bern – Die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Geldwäscherei hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Auch zu Terrorismusfinanzierung und Cyberkriminalität gab es mehr Meldungen als im Vorjahr.

2015 gingen beim Bundesamt für Polizei (fedpol) 2367 Geldwäscherei-Meldungen ein. Das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das fedpol in seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht schreibt.

Zum Anstieg beigetragen haben Meldungen im Zusammenhang mit dem Korruptionsfall um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras und anderer grösserer Fälle. Zudem seien die Finanzintermediäre stärker sensibilisiert, schreibt das fedpol.

Bestechung an erster Stelle
Der Gesamtbetrag stieg ebenfalls stark an, auf über 4,8 Milliarden Franken. Zum ersten Mal war Bestechung und nicht Betrug die am häufigsten gemeldete Vortat der Geldwäscherei. Bereits im Vorjahr hatte sich die Zahl der Bestechungsfälle verdoppelt.

Als Beispiel nennt das fedpol den Korruptionsskandal um den ehemaligen griechischen Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos. Die Bundesanwaltschaft führt in diesem Zusammenhang eine Strafuntersuchung gegen einen Mitarbeiter einer in der Schweiz ansässigen Bank. Der Kundenberater war für Kontoverbindungen verantwortlich, über die mutmasslich Bestechungsgelder in Millionenhöhe flossen.

Terrorismusgelder im Fokus
Zu Terrorismusfinanzierung gingen im vergangenen Jahr insgesamt 38 Meldungen ein – mit einem Gesamtbetrag von 32 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 9 Meldungen gewesen. Der Grund für den Anstieg sieht das fedpol auch hier in einer erhöhten Sensibilisierung.

Der Terrorismus hat das Bundesamt für Polizei im vergangenen Jahr generell intensiv beschäftigt. Nach den Anschlägen in Paris sei die Kooperation und Koordination mit Partnern im In- und Ausland sei verstärkt worden, heisst es im Bericht. Ende 2015 bearbeiteten das fedpol und der Nachrichtendienst mehr als 70 Fälle. Zudem wurden im vergangenen Jahr 17 Einreiseverbote gegen Dschihadisten verfügt.

Zusammenarbeit sei aber auch im Kampf gegen andere Verbrechen wichtig, betont das fedpol. So habe die Kooperation mit der österreichischen Polizei dazu geführt, dass in Kreuzlingen TG der mutmassliche Mörder einer in Wien getöteten Amerikanerin verhaftet worden sei.

Rekord bei Cyber-Meldungen
Bei den Internet-Delikten meldet das fedpol einen Rekord: 2015 gingen 11’575 Meldungen zu verdächtigen Internetinhalten ein, so viele wie noch nie. Rund 80 Prozent davon betrafen strafbare Handlungen. Am meisten Meldungen gingen zu Phishing ein. Dabei versuchen Kriminelle, vertrauliche Daten zu stehlen, etwa Benutzernamen und Passwörter für den Zugriff auf ein E-Banking-Konto.

Ein weiterer Trend seien Webseiten, über die gefälschte Produkte zu unschlagbar niedrigen Preisen verkauf würden, heisst es im Bericht. Als dritten Trend beobachten die Ermittler eine Professionalisierung der Vorgehensweise. Bei gefälschten Zahlungsaufträgen imitierten Betrüger sogar den Schreibstil des Direktors der angeblichen Firma.

Zu Internetseiten mit pädosexuellem Inhalt gingen 2015 insgesamt 1193 Meldungen ein. Durch verdeckte Ermittlungen in privaten Austauschplattformen konnte das fedpol einen deutschen Pädokriminellen identifizieren, der auch zwei in der Schweiz lebende Kinder missbraucht hatte.

Drohungen gegen acht Personen
Zugenommen haben im vergangenen Jahr schliesslich auch die gemeldeten Drohungen. Mitglieder des Bundesrates, des Parlaments und besonders gefährdete Angestellte des Bundes melden dem fedpol, wenn sie Briefe, E-Mails und Telefonate mit Drohungen erhalten. Im Jahr 2015 waren es 1063 Meldungen, deutlich mehr als in den Vorjahren.

Die Zunahme sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass eine einzige Person rund 500 Drohungen gemeldet habe, schreibt das fedpol. Insgesamt gingen die Drohungen an 89 Personen. Zehn Prozent der Meldungen stufte das fedpol als explizite Bedrohung ein. Wenn nötig wird jeweils das Sicherheitsdispositiv für eine betroffene Person angepasst. (awp/mc/ps)

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