Galenica steigert Umsatz und erhöht Gewinnprognose

Jean-Claude Clémençon
Jean-Claude Clémençon, scheidender Galenica-CEO. (Foto: Galenica)

Bern – Der Apotheken- und Gesundheitskonzern Galenica hat im vergangenen Jahr mehr Umsatz erzielt und ist stärker als erwartet gewachsen. Zulegen konnte die Gruppe im Verkauf bekannter Markenprodukte oder mit dem Ausbau des Apothekennetzes. Auf der Ergebnisseite wurden die Prognosen angehoben.

Der Gruppenumsatz nahm 2019 um 4,3 Prozent auf 3,30 Milliarden Franken zu, wie es in der Mitteilung vom Dienstag hiess. Analysten hatten im Durchschnitt (AWP-Konsens) im Vorfeld mit einem geringeren Anstieg auf 3,25 Milliarden Franken gerechnet. Galenica selber setzte sich ein Wachstum von 1 bis 3 Prozent zum Ziel.

Das Geschäft von Galenica habe sich besser entwickelt als der Gesamtmarkt, dies obwohl der Umsatz durch die vom Bund in den Jahren 2018 und 2019 verfügten Senkungen der Medikamentenpreise negativ beeinflusst worden sei, schreibt der Konzern. Der Schweizer Pharmamarkt als Ganzes sei mit 2,8 Prozent gewachsen, jener für Gesundheits- und Pflegeprodukte in Apotheken und Drogerien um 0,8 Prozent.

Mehr Apotheken und Kunden
Der grössere der beiden Geschäftsbereiche Services, der vor allem Logistikleistungen für den Schweizer Gesundheitsmarkt beinhaltet, steuerte 2,44 Milliarden Franken zum Umsatz bei. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 2,9 Prozent. Die Einheit habe bei den Apotheken neue Kunden dazugewonnen.

Im Medikamenten-Grosshandel investiert Galenica derweil weiter in Effizienzverbesserungen. Die Tochter Alloga führte im vergangenen Jahr schrittweise eine neue Software für die Ressourcen-Planung ein. Künftig würden weitere Einheiten auf das neue ERP-System wechseln, hiess es. Und Galexis begann mit den Arbeiten zur Modernisierung des Verteilzentrums in Lausanne.

Im zweiten Bereich Health&Beauty stieg der Umsatz um 6,3 Prozent auf 1,62 Milliarden Franken. Mit über 11 Prozent gewachsen sind die Verkäufe von Produkten bekannter Marken wie Antibrumm, Algifor oder Perskindol. Dabei habe man Dermfora zur Gesichtspflege lanciert und mit dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (Oral-B, Vicks etc.) die Partnerschaft ausgeweitet.

Den grössten Beitrag zum Wachstum lieferte aber der Ausbau des Apothekennetzes. Galenica kaufte 11 Standorte dazu und hat acht neue Apotheken eröffnet. Gleichzeitig seien acht Standorte geschlossen worden, so die Mitteilung. Ende 2019 umfasste das Netz insgesamt 513 Standorte, wovon knapp 70 Prozent im Eigenbesitz (Amavita, Sun Store und Coop Vitality) sind.

Potenzial sieht Galenica in der Betreuung von Patienten in ihrem Zuhause. Anfang Mai kaufte der Konzern eine Mehrheit an der auf Home-Care-Dienstleistungen spezialisierten Bichsel Gruppe aus Interlaken. Und in dem mit dem Krankenversicherer Groupe Mutuel eingeführten Grundversicherungs-Modell werden Apotheken für die Versicherten zur ersten Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen.

Prognose erhöht
Die detaillierten Ergebnisse wird Galenica am 10. März veröffentlichen. Das Ziel zum operativen Ergebnis 2019 hat das Management aufgrund der guten Umsatzentwicklung indes erhöht. Der Betriebsgewinn soll um Sonderfaktoren bereinigt (ohne Einflüsse aus IAS 19 und IFRS 16) um 7 bis 9 Prozent ansteigen. Zuvor wurde ein Plus von 5 bis 7 Prozent erwartet.

Die Aktionäre sollen derweil weiterhin von hohen Ausschüttungen profitieren. Im laufenden Jahr will Galenica nach wie vor mindestens so viel Dividende wie im letzten Jahr (1,70 Fr./Aktie) bezahlen.

Zudem wird ab Anfang April bei Galenica Marc Werner das Heft in die Hand nehmen. Er löst Firmenchef Jean-Claude Clemençon ab, der in den vorzeitigen Ruhestand treten wird. Das hatte Galenica bereits Ende Oktober angekündigt. Der Marketingspezialist Werner wechselt von der Swisscom zu Galenica.

Auch im Verwaltungsrat gibt es eine einschneidende Veränderung. Fritz Hirsbrunner, der während gut 40 Jahren in verschiedenen Rollen für Galenica tätig war, wird anlässlich der Generalversammlung im Mai aus dem Rat austreten. Für den frei werdenden Sitz wurde die ehemalige SP-Ständerätin Pascale Bruderer nominiert. (awp/mc/ps)

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