Gategroup verbucht grossen Verlust im Halbjahr

Xavier Rossinyol
Gategroup-CEO Xavier Rossinyol. (Foto: Gategroup)

Gategroup-CEO Xavier Rossinyol. (Foto: Gategroup)

Zürich – Der Airline-Caterer Gategroup will mit einer «strategischen Neuausrichtung» die Basis für Wachstum und eine bessere Rentabilität legen. Das Programm, das den Turnaround bringen soll, heisst ‹Gateway 2020›; es konzentriert sich auf verbesserten Kundenfokus, Margenverbesserung und Cash-flow-Generierung. Der Umsatzanteil der Schwellenmärkte soll dabei in den nächsten 5 Jahren stark steigen. Auch neue Finanzziele hat sich der Konzern gegeben. Die News wurden am Markt allerdings nicht gut aufgenommen und die Aktie geriet stark unter Druck.

Das Gategroup-Management, das seit April vom Spanier Xavier Rossinyol angeführt wird, will das Kerngeschäft wieder stärker betonen. Man wolle die Position im Bereich Airline Catering und Bordverkauf (‹Buy on Board›) deutlich ausbauen, indem ein klarer Fokus auf die Kernkompetenzen gelegt werde, hiess es anlässlich einer Investorenveranstaltung am Donnerstag in Zürich. Hinzu komme ein «eindeutiger Vermarktungsansatz» als «one gategroup».

Wachstum in Schwellenländern angestrebt
Ein zweiter Bereich der Neuausrichtung wurde mit «Kommerzielle Innovation» umschrieben, wobei man sich dabei stärker auf die globalen Airline-Kunden konzentrieren wolle. Die geographische Expansion ist der dritte Bereich, den die frühere Swissair-Tochter in den Vordergrund stellt. Im Zentrum stünden dabei die Schwellenmärkte und aufstrebende Fluggesellschaften, die in diesen Regionen tätig seien.

«Bis 2020 wollen wir in den Emerging Markets einen Umsatzanteil von 50% erreichen, derzeit sind es erst 17%», sagte Konzernchef Rossinyol. Der Fokus liege hauptsächlich auf Flughäfen in den Regionen Asien Pazifik und Mittlerer Osten, Afrika und Lateinamerika, sowie auf Fluggesellschaften aus Schwellenländern, welche eine immer wichtigere Rolle auf dem globalen Markt spielten.

Abbau von 300 Stellen
Ein letzter Punkt, auf den sich Gategroup fokussieren will, ist die Verbesserung der Effizienz, u.a. mittels Optimierung der Kostenstruktur, Verschlankung der internen Strukturen, Standardisierung der Abläufe sowie eines verbesserten globalen Einkaufs.

Um die ganzen Massnahmen umzusetzen und Kosten einzusparen, werden über die nächsten sechs bis zwölf Monate rund 300 Insgesamt der insgesamt 27’800 Stellen weltweit gestrichen; dies möglichst über die natürliche Fluktuation oder Frühpensionierungen, wie es hiess. Im Vordergrund stünden dabei die drei zentralen Verwaltungsstandorte in Zürich, Reston und London sowie die Integration der Marken in allen Regionen. Insgesamt soll die neue Strategie mittelfristig ein jährliches organisches Umsatzwachstum von 3-5% generieren und die EBITDA-Marge um jährlich 0,25 und 0,5 Prozentpunkte verbessern.

Hoher Verlust wegen Sonderbelastung und starkem Franken
Im ersten Halbjahr 2015 wurden Nettobelastungen in Höhe von 61,1 Mio CHF verbucht, von denen 34,6 Mio Restrukturierungskosten und Personalverpflichtungen betreffen. Weitere Kosten in den nächsten Quartalen seien nicht zu erwarten, so das Management. Aufgrund der Sonderkosten rutschte Gategroup stark in die roten Zahlen. Unter dem Strich wies das Unternehmen für das erste Halbjahr 2015 einen Verlust von 87,5 Mio CHF aus, nach einem Verlust von 6,5 Mio in der Vorjahresperiode. Rund 20 Mio CHF an (unrealisierten) Währungsverlusten sind darin ebenfalls eingeschlossen.

Ohne diese Effekte habe sich die operative Leistung aber stabil entwickelt, hiess es weiter. So belief sich der operative Gewinn (EBITDA) vor Sondereffekten auf 56,8 Mio CHF, verglichen mit 60,6 Mio im ersten Halbjahr 2014, und die EBITDA-Marge ging auf 4,0 von 4,3% zurück. Und der Umsatz sank um 0,6% auf knapp 1,42 Mrd CHF (währungsbereinigt +2,2%).

Aktie sackt ab
Die heutigen News wurden am Markt nicht gut aufgenommen. Zu Börsenschluss notierte das Papier bei sehr hohen Volumen und in einem äusserst festen Gesamtmarkt knapp 12% tiefer auf 29 CHF. Neben den Zahlen, die als «wenig inspirierend» bezeichnet wurden, belastete vor allem das neue EBITDA-Ziel. Dieses komme deutlich bescheidener daher als dasjenige des früheren Managements, hiess es etwa dazu. (awp/mc/upd/ps)

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