Geordneter Start in die Gratis-Selbsttest-Offensive

Schnelltest
(Foto: Roche)

Bern – Trotz grossem Interesse ist der befürchtete Ansturm auf die Apotheken für Corona-Gratis-Selbsttests am Mittwoch weitgehend ausgeblieben. Eine Woche vor der nächsten Standortbestimmung des Bundesrates gibt es gemäss den Experten des Bundes aus epidemiologischer Sicht wenig Spielraum für bedeutende Lockerungsschritte.

Der erste Tag der Abgabe von Corona-Selbsttests in den 1800 Schweizer Apotheken ist nach Angaben des Apothekerverbandes Pharmasuisse trotz der hohen Nachfrage geordnet verlaufen. Der Aufruf von Pharmasuisse-Präsidentin Martine Ruggli im Vorfeld, nicht am ersten Tag die Apotheken zu stürmen, zeigte offenbar Wirkung.

Lange Warteschlangen waren kaum zu sehen. Zudem waren die Apotheken gut vorbereitet. Grössere Engpässe bei der Versorgung hat es laut Pharmasuisse nicht gegeben. Vereinzelte Personen hätten mehr als fünf Schnelltests verlangt, doch im allgemeinen würden die Einschränkungen gut akzeptiert.

Jede Person in der Schweiz hat pro Monat Anspruch auf maximal fünf Selbsttests. Das Ziel des Bundes ist es, dass sich 40 Prozent der Bevölkerung wöchentlich testen.

Sie fühle sich wie in einer Bäckerei, die frische Gipfeli verkaufe, sagte eine Mitarbeiterin in der Apotheke von Rombach AG einem Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Trotzdem nahmen sich die Apothekerinnen und Apotheker Zeit und erklärten den nicht ganz simplen Testvorgang Punkt für Punkt. Die Interessenten liessen sich auch über Selbstbehalt und Franchise informieren.

Ackermann: «Ziellinie ist nah»
Im Hinblick auf die in einer Woche anstehenden Entscheide des Bundesrates über allfällige weitere Lockerungen der Corona-Massnahmen liessen sich die Fachleute am Mittwoch vor den Medien in Bern nicht auf die Äste hinaus. Klar sei aber, dass es sehr viel wert sei, die Fallzahlen tief zu halten, sagte Taskforce-Chef Martin Ackermann. «Wie dies geschieht, ist eine politische Frage.»

Fakt ist: Drei der vier vom Bundesrat definierten Richtwerte für allfällige Lockerungsschritte sind aktuell nicht erfüllt. Für Ackermann würde es sich deshalb lohnen, in den nächsten drei Monaten nochmals einen Effort zu leisten. Dann sei die Ziellinie nahe, dann werde der Impfeffekt greifen.

Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), warnte vor einer neuerlichen Belastung der Spitäler, wenn sich der ansteigende Trend bei den Corona-Fallzahlen fortsetzen sollte. Insbesondere die noch nicht durchgeimpfte Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen bereitet den Behörden Sorgen. Es gebe «noch keinen statistisch signifikanten Impfeffekt auf die Belastung der Intensivbetten».

Mathys: «Zahlen mit Vorsicht geniessen»
Im Vergleich zum gleichen Tag der Vorwoche ging die Zahl der gemeldeten Ansteckungen mit dem Coronavirus am Mittwoch leicht zurück, von 2411 auf 2301. Laut Patrick Mathys sind diese Zahlen allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Aufgrund des zurückliegenden Osterwochenendes würden erst gegen Ende Woche belastbarere Zahlen vorliegen.

Dem BAG wurden am Mittwoch innerhalb von 24 Stunden überdies 21 neue Todesfälle sowie 112 Spitaleinweisungen gemeldet. Die britische Variante ist laut Mathys heute für über 90 Prozent der laborbestätigten Fälle verantwortlich. Bei den Spitaleinweisungen und den Todesfällen gebe es einen «leicht zunehmenden Trend». Zudem habe das Durchschnittsalter der Patienten abgenommen.

Auf dem Weg zu einem international anerkannten Covid-Zertifikat steht ein Konkretisierungsschritt bevor, wie Mathys bekanntgab. Das BAG will «voraussichtlich» in den nächsten zwei Wochen den Entscheid fällen, welche technische Lösung für die Umsetzung Impf-Zertifikats zur Anwendung gelangen soll. Bis im Sommer will der Bund der Bevölkerung das Zertifikat zur Verfügung stellen.

Kundgebungsverbot auf Prüfstand
Demokratiepolitisch mit einer interessanten Beschwerde wird sich das Bundesgericht befassen müssen. Das «Aktionsbündnis Urkantone – Für eine vernünftige Corona-Politik» wehrt sich damit gegen das vorläufige Verbot des Kantons Uri von Demonstrationen mit mehr als 300 Personen. Am 10. April hätten Gegnerinnen und Gegner der Coronapolitik bei Altdorf UR eine grosse Demonstration gegen die Corona-Massnahmen durchführen wollen.

Wer die Frühlingsferien in der Türkei oder in Kroatien geplant hat, sieht sich ab 14. April mit hohen Hürden konfrontiert. Die beiden Länder befinden sich neu auf der Liste der Risikoländer. Wer trotzdem hinfährt oder -fliegt, muss nach der Rückkehr in Quarantäne. Ausweichmöglichkeiten wären Israel oder Jamaika, die nicht mehr auf der Liste figurieren. (awp/mc/pg)

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