IWF erteilt der Schweiz gute Noten

IWF

Bern – Der Internationale Währungsfonds (IWF) attestiert der Schweiz eine solide volkswirtschaftliche Basis. Er hebt die von der Staatsschuldenkrise im Euroraum ausgehenden Risiken sowie die mit der Frankenstärke verbundenen Herausforderungen hervor. Der im September von der SNB eingeführte Mindestkurs wird vom IWF als angemessene geldpolitische Massnahmen angesehen. Sobald sich die ökonomische Situation normalisiert, sei jedoch die Rückkehr zu einem flexiblen Wechselkurs wünschbar.

Eine Delegation des IWF führte vom 9. bis 20. März das jährliche Länderexamen in der Schweiz durch. Die regelmässige Beurteilung der Wirtschafts- und Finanzlage seiner Mitgliedstaaten im Rahmen der sog. Artikel-IV Konsultation ist ein Kernelement der wirtschaftspolitischen Überwachungstätigkeit des IWF, schreibt das Eidg. Finanzdepartement in einer Mitteilung.

Verschärfung der Eurokrise als grösstes Risiko
Der IWF erwartet für die erste Hälfte des laufenden Jahres aufgrund geringer Auslandnachfrage ein gedämpftes wirtschaftliches Wachstum. Für das zweite Semester ortet er eine Aufhellung des konjunkturellen Ausblicks. Dies ist vor allem in einem schnelleren weltwirtschaftlichen Wachstum sowie in einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit begründet. Das grösste Risiko für die Schweizer Wirtschaft sehen die Experten des IWF in einer Verschärfung der Eurokrise.

Untergrenze zum Euro hat zur wirtschaftlichen Erholung beigetragen
Die Einführung der Untergrenze im Wechselkurs zum Euro durch die Schweizerische Nationalbank im vergangenen September erachtet der IWF angesichts der damals deutlichen wirtschaftlichen Verlangsamung und der mit der Aufwertung einhergehenden Deflation als angemessen. Die Untergrenze habe zur wirtschaftlichen Erholung beigetragen und werde von den Finanzmärkten weiterhin als glaubwürdig erachtet. Laut IWF wäre, sobald sich die ökonomische Situation normalisiert, die Rückkehr zu einem flexiblen Wechselkurs wünschbar.

Rasche Reformen in der Altersvorsorge empfohlen
Die schweizerische Haushaltspolitik ist in der Einschätzung des IWF angesichts der Grösse des Finanzplatzes sowie der demografischen Entwicklung solide und angemessen. Um den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die öffentlichen Haushalte entgegen zu wirken, empfiehlt der IWF rasche Reformen in der Altersvorsorge. Insbesondere legt er eine Regelbindung nahe, welche Pensionsalter und -leistungen an die Lebenserwartung koppeln würde. Kurzfristig ermuntert der Währungsfonds – soweit dies die Schuldenbremse zulässt – die Schweiz, den finanzpolitischen Spielraum auszunutzen, falls die erwartete wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte ausbleibt.

Im Umfeld von andauernd tiefen Zinsen orten die Experten des Währungsfonds ausserdem die zunehmende Gefahr einer Preisblase in Teilen des Immobilienmarkts.

Erhöhung der Eigenmittel hoher Qualität bei den Grossbanken
Angesichts der Anforderungen der «Too big to fail»-Vorlage empfiehlt der IWF den Grossbanken eine möglichst rasche Erhöhung der Eigenmittel hoher Qualität. Im Umfeld von andauernd tiefen Zinsen orten die Experten des Währungsfonds die zunehmende Gefahr einer Preisblase in Teilen des Immobilienmarkts. Vor diesem Hintergrund halten sie eine schnelle Einführung des im Bericht der Arbeitsgruppe «Finanzstabilität» vorgeschlagenen antizyklischen Puffers sowie der Verstärkung der Eigenmittelunterlegung im Hypothekarbereich für ratsam. Zudem rät der IWF, Tragbarkeitsgrenzen in das Instrumentarium der makroprudenziellen Aufsicht aufzunehmen. Schliesslich begrüsst die Delegation des IWF die Umsetzung des Swiss Solvency Test in der gesamten Versicherungsbranche. (EFD/mc/pg)

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