KOF erwartet keine Konkursflut in nächster Zeit

Konkurse
(Foto: Fotolia/Kaspars Grinvalds)

Zürich – Die Anzahl Konkurse in der Schweiz ist nach Beginn der Pandemie entgegen vieler Erwartungen nicht gestiegen, sondern sogar gesunken. Grund sind vor allem die diversen Hilfsmassnahmen des Bundes. Da diese mit dem nahenden Ende der Pandemie bald einmal auslaufen werden, dürfen wohl wieder mehr Firmen unter Druck geraten. Eine grössere Pleitewelle ist laut KOF allerdings nicht zu erwarten.

Wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich in ihrer neuesten Analyse vom Freitag aufzeigt, lagen die Firmenkonkurse (ohne konkursamtliche Liquidationen) 2020 durchschnittlich 18 Prozent niedriger als im Jahr davor. Während zu normalen Zeiten jeden Monat zwischen 0,06 und 0,07 Prozent aller Firmen Konkurs anmelden, lag dieser Wert im vergangenen Jahr durchschnittlich nur bei knapp 0,05 Prozent, im April 2020 sogar bei 0,02 Prozent.

Kontrast zu früheren Krisen
Dies, so die KOF, kontrastiere mit der Entwicklung in vergangenen Krisen. So stiegen die Konkurse etwa nach dem Frankenschock (2015) nach oben bzw. bewegten sich nach der grossen Rezession im Nachgang zur Finanzkrise (2008 ff.) kaum.

Im Mai 2021 nahmen die Konkurse nun aber erstmals sprunghaft zu, und es stellt sich entsprechend die Frage, ob es nun zur grossen Konkurswelle kommen wird. Eine sektorale Betrachtung zeigt laut den KOF-Ökonomen, dass die Firmenkonkurse vor allem in denjenigen Sektoren zunahmen, die von den behördlichen Eindämmungsmassnahmen besonders stark betroffen waren.

Dies dürften auch mehrheitlich diejenigen Branchen sein, in denen ein Strukturwandel durch geänderte Konsumpräferenzen eingesetzt oder sich beschleunigt hat. Als Beispiel wird der Geschäftstourismus genannt, der wohl permanent auf einem niedrigeren Wachstumspfad bleiben werde.

Die KOF Ökonomen gehen denn auch angesichts von Nachholeffekten, der gestiegenen Verschuldung und des strukturellen Wandels in den obengenannten Branchen von einem weiteren trendmässigen Anstieg der Konkurse aus. Wobei sich das volle Ausmass des Strukturwandels allerdings erst im Zuge der epidemiologischen und wirtschaftspolitischen Normalisierung zeigen.

Geringes Risiko
Der derzeitige kräftige konjunkturelle Aufschwung und das Covid-19-Härtefallprogramm von Bund und Kantonen dürfte das Risiko einer starken Konkursflut in der Schweiz jedoch geringhalten, so die KOF. Ein weiterer wichtiger Grund für diese Einschätzung sei das Covid-19-Kreditprogramm des Bundes, mit dem sich wohl einige gefährdete Unternehmen in der ersten Pandemiewelle mit Liquidität versorgt hätten. Dies fördere eine Verteilung der Konkurse über die Zeit, wodurch das Risiko temporärer Spitzen reduziert werde.

Die zeitliche Glättung der Konkurse sei dabei ein wirtschaftspolitisch erwünschter Effekt des Programms. Vor diesem Hintergrund halten die KOF-Ökonomen denn auch eine Ausweitung der bisher gesprochenen Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen nicht für notwendig.

Eine umfassende Bewertung sollte zudem auch die Dynamik bei den Firmengründungen mit einbeziehen. Eine positive Katalysatorwirkung der Corona-Krise zeige sich beispielsweise im Gross- und Detailhandel, wo die Neugründungen seit einigen Monaten sehr hoch seien. Und auch im Gastgewerbe und der Unterhaltungsindustrie lagen die Neugründungen in vergangenen Monaten laut KOF über dem Trend. (awp/mc/pg)

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