Ölpreiszerfall wegen Coronakrise drückt Teuerung in der Schweiz

Ölpreiszerfall wegen Coronakrise drückt Teuerung in der Schweiz
(Bild: © Touchsmile / AdobeStock)

Neuenburg – Das Preisniveau in der Schweiz ist binnen Jahresfrist wegen der Coronakrise deutlich gesunken. Vor allem die deutlich tieferen Erdölpreise haben eingeschenkt.

Im Vergleich zum Vormonat stieg im März zwar die Teuerung um 0,1 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Das lag aber unter anderem daran, dass Kleider und Schuhe nach Abschluss des Winterausverkaufs wieder mehr kosteten.

Dagegen sank das Preisniveau in der Schweiz innert Jahresfrist relativ deutlich um 0,5 Prozent. Im Januar und Februar 2020 hatte die Jahresteuerung noch bei plus 0,2, respektive minus 0,1 Prozent gelegen.

Erdölpreis im Sinkflug
Erdölprodukte wurden binnen Jahresfrist um ganze 10,1 Prozent billiger, gegenüber dem Vormonat sanken die Preise um 5,7 Prozent. Mit dem weitgehenden Stillstand der Wirtschaft in vielen Ländern verringert sich auch die Nachfrage nach Rohöl. Hinzu kommt ein Preiskampf zwischen den wichtigen Öl-Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien. Der Erdölpreis hat sich in den letzten Wochen mehr als halbiert.

Der Rückgang fällt in der Schweiz zudem besonders ausgeprägt aus, weil Ölkontrakte immer noch vorwiegend in US-Dollar abgeschlossen werden. Und der „Greenback“ hat sich im letzten Jahr deutlich zum Franken abgewertet.

Entsprechend verbilligten sich die in die Schweiz importierten Güter gegenüber dem März 2019 um 2,2 Prozent.

Heizöltanks werden gefüllt
Was die Ölprozenten schmerzt, freut den Einzelnen. Herr und Frau Schweizer nutzen die die tiefen Heizölpreise, um ihre Tanks zu füllen.

„Wir stellen einen klaren Anstieg an Heizölbestellungen fest“, sagte der Geschäftsführer des Verbands Swissoil, Ueli Bamert, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Dies habe eine Umfrage bei den Verbandsmitgliedern ergeben.

Dabei sei das Frühjahr am Ende der Heizperiode üblicherweise nicht die Jahreszeit, in der die Tanks gefüllt würden. Mit genauen Zahlen Absatzzahlen für den Monat März kann Bamert aber nicht aufwarten. Diese würden erst mit ein paar Wochen Verzögerung geliefert.

Von „Hamsterkäufen“ bei Heizöl könne jedoch keine Rede sein, betonte Bamert. Eine gute Auftragslage sei üblich bei derart tiefen Preisen.

Hamsterkäufe noch ohne Spuren
Ebenfalls keine Spuren hinterlassen haben die Hamsterkäufe in den Supermärkten. Im März mussten die Konsumenten zwar 0,7 Prozent mehr für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke bezahlen als im Vormonat.

Dies sei aber wohl nicht auf höhere Preise von Gütern zurückzuführen, die zuletzt krisenbedingt stärker nachgefragt worden seien, erklärte das BFS auf Anfrage. Denn die Statistiker führten ihre Erhebungen jeweils in den ersten zwei Wochen eines Monats durch. Der Bundesrat hatte den Notstand für die Schweiz aber erst am 16. März erklärt.

Falls etwas sichtbar werde, dann werde man das erst in den April-Zahlen feststellen, erklärte das BFS. Hamsterkäufe hatte es unter anderem bei Desinfektionsmitteln, Toilettenpapier aber auch bei haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis oder Konserven gegeben. (awp/mc/ps)

BFS

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