Kühne+Nagel mit Gewinnrückgang und zu hohen Kosten

Reinhard Lange

Tritt zurück: Reinhard Lange, CEO Kühne+Nagel.

Schindellegi – Kühne+Nagel (K+N) ist zwar im Geschäftsjahr 2012 gewachsen, musste aber einen Rückgang der Profitabilität hinnehmen. Der abgeschwächte Welthandel, zu hohe Kosten und eine Kartellbusse haben dem Logistikkonzern arg zugesetzt. Es wird nun ein Programm zur Effizienzsteigerung lanciert, derweil sich das Unternehmen auf die Suche nach einem neuen CEO machen muss.

Der Umsatz stieg im Berichtsjahr um 5,9% auf 20,75 Mrd CHF. Während die Regionen Nah-/Mittelost, Zentralasien und Afrika (+17%), Asien-Pazifik (+16%) und Nord-, Mittel- und Südamerika (+14%) deutliche Wachstumsraten verzeichneten, stiegen die Erlöse in Europa lediglich um 0,6%. Der für ein Logistikunternehmen aussagekräftigere Bruttogewinn stieg derweil um 3,3% auf 6,09 Mrd.

Hingegen sanken der operative Gewinn auf Stufe EBITDA um 13% auf 856 Mio und der EBIT um 16% auf 634 Mio. Der Reingewinn der Aktionäre sackte um 19% auf 485 Mio CHF ab. Mit diesen Zahlen wurden die Erwartungen der Analysten verfehlt.

Auch eine Kartellbusse der EU über 65 Mio CHF ausgerechnet wären der EBITDA um 5,8% und der Reingewinn um 7,9% geschrumpft. In der Folge müssen sich die Aktionäre mit einer 9% tieferen Dividende von 3,50 CHF je Aktie abfinden.

Kosten liefen etwas aus dem Ruder
Daneben spielten auch zu hohe Kosten eine Rolle: «Wir haben das Jahr 2012 falsch eingeschätzt», räumte VR-Präsident Karl Gernandt am Montag vor den Medien ein. «Wir haben zu früh auf eine Erholung der Weltkonjunktur gesetzt und Kosten aufgebaut.» Diese seien daher etwas aus dem Ruder gelaufen «Wir haben zu schnell zu viele Leute eingestellt; wir werden uns wieder von Mitarbeitern trennen.» Und: «Wir werden uns künftig weniger auf Wachstumsprognosen von Ökonomen verlassen», ergänzte Gernandt.

Trotz starkem Überhang der Frachtkapazitäten und einer ausserordentlich starken Ratenvolatilität sei es K+N gelungen, das Geschäftsvolumen 2012 in allen Sparten auszuweiten und Marktanteile zu gewinnen. So habe man in der Seefracht mit einer Erhöhung der Containermenge um 6% das Marktwachstum von 2% deutlich übertroffen und in der Luftfracht seien die Volumen in einem schrumpfenden Markt um 2% gesteigert worden.

Effizienzprogramm ohne altgedienten CEO
K+N lanciert nun ein umfassendes Programm zur Effizienzsteigerung. Als erste Massnahme wurde die teilweise Neuausrichtung der Regionalstruktur angekündigt. Im Rahmen des Programms würden auch die Prozesse im Finanz- und Personalbereich gestrafft und optimiert.

Diese Aufgaben muss K+N ohne CEO Reinhard Lange bewältigen, der aus gesundheitlichen Gründen auf die Generalversammlung von Anfang Mai hin zurücktritt. Ein Team unter Leitung von Gernandt wird die Aufgaben von Lange übernehmen. Dieser war mehr als 40 Jahre für Kühne + Nagel tätig, davon fast vier Jahre als Konzernchef.

Hinsichtlich der Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr bestünden nach wie vor grosse Unsicherheiten, hiess es zum Ausblick. Derweil will K+N auch 2013 das Wachstum des Gesamtmarktes übertreffen. Die beförderten Volumen in der Seefrachtsparte sollen um mehr als 4-6% zunehmen, gegenüber einem geschätzten Marktwachstum von 2-3%. In der Luftfracht wird für K+N ein Plus von 1-3% veranschlagt, während der Gesamtmarkt um maximal 2% expandieren dürfte.

Gernandt ist zuversichtlich, nach der Ergebnisdelle in 2012 wieder an frühere Rekordergebnisse anzuschliessen. «Ich bin zuversichtlich, wieder in die Rekordmarken aus den Jahren 2010 und 2011 vorzurücken,» sagte er. 2011 hatte das Unternehmen mit 606 Mio CHF eine Million mehr als im Jahr zuvor verdient.

Ziele für 2014 bekräftigt
Auch die im Sommer 2010 für 2014 ausgerufenen Ziele hätten weiterhin Gültigkeit. «Wir möchten gross werden und wir können eine Milliarde Franken Gewinn machen», betonte der VR-Präsident. Das Ziel müsse aber um rund 18 Monate nach hinten verschoben werden.

Bis um 15.40 Uhr büssen Kühne+Nagel Namen 4,3% auf 101,50 CHF ein. Neben den eher enttäuschenden Jahreszahlen sei auch der für das laufende Jahr abgegebene Ausblick ernüchternd ausgefallen. Und der Rücktritt des amtierenden CEO wird als Überraschung bezeichnet. (awp/mc/upd/ps)

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