Kühne+Nagel auf Kurs

Kühne+Nagel
(Foto: K+N)

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Schindellegi – Der Logistikdienstleister Kühne+Nagel ist schwungvoll ins Geschäftsjahr 2016 gestartet. In der Paradedisziplin Seefracht stieg sowohl das Volumen als auch die Profitabilität. Und im Luftfrachtgeschäft wurde pro Tonne soviel verdient wie seit Jahren nicht mehr. Insgesamt ist der Konzern auf Kurs, die selbstgesteckten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Analysten zeigen sich angetan vom Zahlenkranz.

Der Nettoumsatz ging war um 2,1% auf 4,01 Mrd CHF zurück. Der für ein Logistikunternehmen aussagekräftigere Bruttogewinn legte allerdings um 6,4% auf 1,59 Mrd zu, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Der operative Gewinn auf Stufe EBIT erhöhte sich gar um 14% auf 217 Mio CHF, womit die sich die entsprechende Marge auf 5,4% von 4,6% verbesserte. Der den Aktionären anrechenbare Reingewinn stieg um 11% auf 168 Mio. Die Analystenerwartungen im AWP-Konsens wurden damit bis auf den Umsatz übertroffen.

Starkes Seefrachtgeschäft
Rund lief es vor allem in der Seefracht, wo Kühne+Nagel weltweit die Nummer eins ist. Hier wurden 6,0% mehr Container transportiert als im Startquartal 2015. „Damit sind wir deutlich schneller als der Markt gewachsen,“ sagte Finanzchef Markus Blanka-Graff im Gespräch mit AWP. Vor allem beim Containerverkehr von Asien nach Europa habe man zugelegt.

Trotz der Volumensteigerung wurden beim Bruttogewinn pro Container keine Abstriche gemacht. Im Gegenteil: Er legte um 1,4% zu. Und die Konversionsmarge, die das Verhältnis von EBIT zum Bruttogewinn ausdrückt und als massgebende Profitabilitätskennzahl gilt, kletterte auf im Branchenvergleich hohe 30,7%.

Für das zweite Quartal stellte der Finanzchef weitere Marktanteilsgewinne in Aussicht. „Ob wir erneut bei 6% zu liegen kommen, lässt sich heute nicht sagen. Aber wir werden erneut schneller als der Markt wachsen.“

Hohe Konversionsmarge im Luftfrachtgeschäft
Im Luftfrachtgeschäft stieg der Bruttogewinn pro transportierter Tonne um 6,7% auf hohe 776 CHF, und auch bei der Konversionsmarge wurde mit 31,1% ein seit langem nicht gesehener Wert erreicht. Die Volumen blieben allerdings stabil. In Asien, Nah-/Mittelost und Afrika sei zwar ein starkes Exportgeschäft verzeichnet worden. Gebremst hat dagegen das Geschäft in Nordamerika, was angesichts der Zusatzmengen des Vorjahres wenig überrascht: Wegen des langwierigen Streiks der Hafenarbeiter an der US-Westküste zu Beginn des Vorjahres wurden damals Waren auf den Lufttransport umdisponiert.

Weltweit ist der Luftfrachtmarkt Blanka-Graff zufolge allerdings um 3 bis 5% geschrumpft. „Angesichts dieser Entwicklung bin ich mit unserer Leistung ganz zufrieden.“

Bezüglich der weiteren Marktentwicklung zeigt er sich skeptisch. „Wachstumsimpulse sehe ich derzeit nicht“. Sorgen macht er sich deswegen aber keine. „Der Markt ist sowohl in der Luft- wie auch der Seefracht sehr stark fragmentiert. Folglich sind unsere Chancen gross, dass wir weitere Marktanteile gewinnen können.“ Konkurrenten sollen dabei weniger beim Preis ausgestochen werden, als vielmehr mit der Qualität des Angebots. Hier sieht der Finanzchef Kühne+Nagel in einer starken Position.

Kontraktlogistik mit starker Ebit-Steigerung
In der Kontraktlogistik – hier bietet Kühne+Nagel beispielsweise die Lagerhaltung von Waren und das Management der Warenströme an – habe man in Asien, Europa und vor allem in den USA umfangreiches Neugeschäft gewonnen. Der Umsatz stieg um 6,4% und der EBIT aufgrund operativer Verbesserungen gar um mehr als ein Drittel.

Im weiteren Geschäftsfeld Landverkehr profitierte Kühne+Nagel von dem im Sommer 2015 übernommenen US-Logistiker ReTrans, der rund 10% zum Umsatz beiträgt und nahezu ausschliesslich für die Umsatzsteigerung verantwortlich ist. Der europäische Landverkehr habe nämlich stagniert, und in den Schwellenländern, namentlich Brasilien, lief es laut Blanka-Graff „nicht so gut“. Der EBIT blieb mit 4 Mio CHF stabil; der grösste Teil stammt allerdings von ReTrans.

Guidance bestätigt – Aktie nach starkem Start unauffällig
Der bei der Zahlenvorlage 2015 im März formulierte Ausblick auf das Gesamtjahr wird bestätigt. Demzufolge rechnet die Konzernleitung mit einer Steigerung von Volumen, Marktanteilen und EBIT. Bei der EBIT-Marge hat man sich „mindestens 5%“ zum Ziel gesetzt.

Die Kühne+Nagel-Aktie gewann bis Börsenschluss bei hohen Volumen 0,1% und blieb damit weiter hinter dem SPI-Gesamtmarkt (+1,3%) zurück. Im frühen Handel stand der Valor noch weit über 2% im Plus. (awp/mc/pg)

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