Kuoni bestätigt Übernahmegespräche – Offenbar vier Interessenten

Heinz Karrer
Kuoni-VRP Heinz Karrer, Präsident Economiesuisse. (Foto: Kuoni)

Kuoni-VRP Heinz Karrer. (Foto: Kuoni)

Zürich – Der Reisedienstleister Kuoni wird zum Übernahmeziel. Man befinde sich mit mehreren Drittparteien in Gesprächen in Bezug auf ein mögliches Kaufangebot der Kuoni Group und deren Geschäftsfelder, bestätigte das Unternehmen jüngste Medienberichte. Als mögliche Käufer werden in Agenturberichten unter anderem die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT Partners sowie die chinesische HNA Group genannt.

Die Gespräche befänden sich noch im Anfangsstadium, und es gebe derzeit keine Gewissheit, ob ein Angebot tatsächlich unterbreitet werde, noch zu welchen Bedingungen ein Angebot erfolgen könne, teilte Kuoni am Dienstag mit. Der Verwaltungsrat prüfe den Sachverhalt und ziehe auch alle anderen strategischen Möglichkeiten in Betracht.

Offenbar vier Interessenten – Angebote bis Ende Monat
Gerüchte, dass Beteiligungsfirmen an Kuoni interessiert sein könnten, kursieren seit einigen Wochen. Gemäss jüngsten Presseberichten hat Kuoni die US-Investmentbank Morgan Stanley sowie die Credit Suisse mit der Suche nach verschiedenen Optionen für die drei verbliebenen Sparten beauftragt.

Am Vorabend hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Kuoni ins Blickfeld der schwedischen Beteiligungsfirma EQT Partners AB und verschiedenen anderen Interessenten geraten sei. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstagnachmittag ist von vier verbliebenen Interessenten die Rede. Unter Berufung auf mit der Sache vertraute Quellen wird neben EQT auch ein Konsortium bestehend aus der chinesischen HNA Group und Baring Private Equity Asia sowie Permira und Cinven namentlich genannt. Gemäss dem Bericht müssten die Offerten bis Ende Monat eingereicht werden, und der Angebotspreis dürfte «etwas über» dem aktuellen Börsenkurs liegen.

Mit der im Artikel genannten chinesischen HNA Group hatte Kuoni im November letzten Jahres eine Partnerschaft unterzeichnet. Ziel der Partnerschaft sei es, gemeinsam das Geschäft in China für Reisen ins Ausland zu entwickeln, hiess es damals. Verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit würden geprüft. Auch als Käufer trat HNA im vergangenen Jahr in der Schweiz bereits auf die Bühne. Ende Juli übernahm die chinesische Gruppe Swissport, die ehemalige Bodenabfertigungsgesellschaft der Swissair, für 2,73 Mrd CHF.

Strategieumbau geht unverändert weiter
In der heutigen Medienmitteilung betonte Kuoni, dass die im November angekündigten Massnahmen zur beschleunigten Umsetzung der Strategie unverändert weiterverfolgt würden. Die Konzernleitung habe den Auftrag, das operative Geschäft in allen Divisionen weiterzuentwickeln.

Nach dem radikalen Umbau im vergangenen Jahr und dem Abschied aus dem klassischen Reisegeschäft besteht die Gruppe derzeit noch aus der profitablen Visa-Sparte VFS, dem Gruppenreisegeschäft GTS und der Online-Datenbank für Hotelbetten GTD.

Aktie baut Vortagesgewinne aus – Analysten zurückhalten
Die Kuoni-Aktien gewannen am Dienstag in einem leicht festeren Gesamtmarkt 1,5% auf 293,25 CHF. Bereits am Vortag hatten die Titel um 3,4% zulegen können. Innerhalb der letzten vier Monate haben die Titel damit gut 60% an Wert zugelegt, liegen aber von den Höchstkursen des Jahres 2015 bei 350 CHF noch ein gutes Stück entfernt.

Analysten gaben sich in ersten Kommentaren noch zurückhaltend. Der Experte von Kepler Cheuvreux gab zu bedenken, dass die Hugentobler-Stiftung, die nach wie vor über eine Sperrminorität verfügt, jeglicher Transaktion zustimmen müsse. Ähnlich äusserte sich die ZKB: Ein Verkauf sei wohl nicht im Interesse der Stiftung, und der Stiftungszweck würde obsolet. Sollte eine Transaktion dennoch stattfinden sieht der ZKB-Analyst ein Aufwärtspotenzial von 10% für die Aktien. (awp/mc/upd/ps)

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