Mengenrabatte auf umsatzstärkste Medikamente sollen Prämien drücken
Bern – Mit Mengenrabatten auf den meistverkauften Medikamenten wollen Bundesrat und Parlament gegen die stetig steigenden Gesundheitskosten vorgehen. Das Ziel ist es, pro Jahr 350 Millionen Franken einzusparen.
Vor knapp einem Jahr hatte das Parlament einem Paket zur Dämpfung der Gesundheitskosten zugestimmt. Der Bundesrat hat nun das Vernehmlassungsverfahren zu den entsprechenden Verordnungsänderungen eröffnet, wie er am Donnerstag mitteilte.
Grob gesagt geht es um fünf Massnahmen. Doch nur eine hat einen effektiven Spareffekt: die Einführung von sogenannten Kostenfolgemodellen. Künftig soll der Bund für Medikamente mit grossem Marktvolumen Mengenrabatte festsetzen können.
Keine Gefahr für die Pharma
Der Bundesrat hat diese Forderung aus dem Parlament nun konkretisiert. Demnach sollen solche Mengenrabatte bei rund achtzig bis hundert Medikamenten mit Umsätzen von mehr als 15 Millionen Franken durchgesetzt werden. Dabei geht es unter anderem um Krebsmedikamente und auch um Produkte, die zur Gewichtsreduktion oder gegen Rheuma eingesetzt werden.
Für Generika, Biosimilars und zugehörige Originalpräparate sollen dagegen keine Kostenfolgemodelle umgesetzt werden. Dies aufgrund der Preisfestsetzung und -überprüfung für solche Produkte, mit umsatzabhängigen Preisabschlägen und erhöhtem Selbstbehalt für zu teure Originalpräparate.
«Wir gefährden damit in keiner Weise die Geschäfte der Pharma», sagte Jörg Indermitte, Leiter Abteilung Arzneimittel Krankenversicherung im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Donnerstag in Bern vor den Medien. Die Schweiz bleibe für die Industrie weiterhin attraktiv.
Preise steigen überdurchschnittlich
Die Pharma- und Versichererverbände waren bei der Erarbeitung der Umsetzungsvorschläge eingebunden. Dass Handlungsbedarf bei den Medikamentenpreisen besteht, ist in der Politik seit längerer Zeit die Mehrheitsmeinung.
Im jährlich publizierten Auslandpreisvergleich belegt die Schweiz jeweils den ersten Platz. Oder in anderen Worten: Im Ausland sind die Medikamente günstiger – teilweise viel günstiger. Originalpräparate sind in der Schweiz im Vergleich zu den Referenzländern um 9 bis 14 Prozent teurer. Bei Biosimilars sind es 30 Prozent, bei Generika sogar 45 Prozent.
Gemäss Zahlen des Bundes sind die Medikamentenkosten hierzulande in den vergangenen zehn Jahren um über fünfzig Prozent gestiegen. Es handelt sich um den zweitgrössten prämienfinanzierten Kostenblock in der Grundversicherung.
Ein Prämienprozent als Ziel
Von den über 3000 Medikamenten auf der Spezialitätenliste verursachen die achtzig bis hundert meistverkauften laut dem Bundesrat mehr als ein Drittel der Arzneimittelkosten der Grundversicherung. Das entspreche drei Milliarden Franken.
Mit den geplanten Mengenrabatten sollen künftig 350 Millionen Franken im Jahr eingespart werden, ohne die Arzneimittelversorgung zu beeinträchtigen. Das entspricht laut dem BAG einem Prämienprozent.
Die Einsparungen greifen aber erst ab 2029 und 2030. Bis dahin gilt eine Übergangsfrist. Das sei mit der Pharma so vereinbart worden, sagten die BAG-Verantwortlichen. Nun können sich interessierte Kreise zu den Vorschlägen äussern.
Parlament speckte Vorlage ab
Als der Bundesrat im Herbst 2022 neue Massnahmen zur Kostendämpfung zuhanden des Parlaments verabschiedet hatte, schrieb er in der Botschaft, dass damit die Kostenentwicklung in allen grossen Kostenblöcken – also im stationären und ambulanten Bereich sowie bei den Medikamenten – gebremst werden könne. Die Wirkung hänge jedoch davon ab, wie die einzelnen Massnahmen konkret ausgestaltet und von den Akteuren umgesetzt würden.
Die beiden Räte schwächten das Paket während der im September 2023 begonnenen Beratungen merklich ab. Beispielsweise verzichteten sie darauf, Netzwerke zur koordinierten Versorgung neu als Leistungserbringer anzuerkennen. Damit wollte die Landesregierung unnötige Behandlungen reduzieren. Den Anstoss dazu gegeben hatte eine Expertengruppe, die im Jahr 2017 Dutzende Massnahmen gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen skizziert hatte.
Das Paket beinhaltet nun hauptsächlich Massnahmen, die keine direkte Kostensenkung zur Folge haben werden. Stattdessen soll beispielsweise die Versorgungssicherheit von bewährten, günstigen Medikamenten gestärkt werden. (awp/mc/ps)