Nestlé gibt sich mehr Zeit für die Erreichung des Mittelfristziels

Nestlé gibt sich mehr Zeit für die Erreichung des Mittelfristziels
Nestlé-CEO Marc Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Nestlé hat die Investoren enttäuscht: Der Nahrungsmittelkonzern braucht mehr Zeit, um sein mittelfristiges Wachstumsziel zu erreichen. Ein schwächelndes Wassergeschäft, der Wegfall eines Wachstumstreibers und eine Lieferumstellung bremsen das angestrebte Wachsumtempo. Nun will Firmenchef Mark Schneider vermehrt auf Zukäufe statt Verkäufe setzen und Problembereiche weiter konsequent anpacken.

Bereits im Schlussquartal 2019 hatte Nestlé an Tempo verloren. Das Wachstum schwächte sich von 3,7 Prozent im dritten Quartal auf noch 3,0 Prozent ab, wie der Hersteller von Cailler-Schokolade, Nescafé oder Maggi-Suppen am Donnerstag bekanntgab. Die Abschwächung war zwar aus verschiedenen Gründen erwartet worden, jedoch nicht so deutlich.

Über das gesamte Jahr reichte es aber noch für ein organisches Plus von 3,5 Prozent und damit zum schnellsten Wachstum seit 2015. Neben dem Zugpferd Tierfutter zahlten sich auch Investitionen in schnelle Innovationen wie bei Starbucks oder Trends wie pflanzenbasierte Burger aus.

Zudem war das Wachstum auch profitabel: Mit einer Marge von 17,6 Prozent verbesserte sich Nestlé um 0,6 Prozentpunkte und erreichte sein mittelfristiges Ziel bereits ein Jahr früher. Unter dem Strich blieben 12,6 Milliarden Franken – fast ein Viertel mehr als noch im Vorjahr. Analysten hatten allerdings bei Wachstum und Marge jeweils etwas mehr erwartet.

Mehr Zeit für Mittelfristziele
Die Abschwächung zum Jahresschluss hängt neben starken Vergleichszahlen aus dem Vorjahr auch mit dem Umbau zusammen: So fällt mit dem milliardenschweren Verkauf der Hautpflegesparte Skin Health ein starker Wachstumstreiber weg. Die Sparte war phasenweise ein grösseres Sorgenkind, das zuletzt aber den Turnaround schaffte.

„Es wäre sehr verlockend gewesen, daran festzuhalten“, sagte Konzernchef Mark Schneider an der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag in Vevey. Doch der Verkauf sei der richtige Schritt für Nestlé und für die Sparte gewesen. Nichtsdestotrotz wird Nestlé die fehlenden Wachstumsbeiträge der Sparte auch im laufenden Jahr zu spüren bekommen.

Dazu kommt noch eine Lieferumstellung in den USA, die 2020 noch belasten dürfte. Für grosse Unsicherheit sorgen auch die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus, die Schneider jedoch noch nicht beziffern wollte.

Das Management schraubte deshalb die Messlatte für dieses Jahr etwas herunter: Ursprünglich wollte es bis 2020 ein mittleres einstelliges Wachstum erreichen, was laut Analysten ein Plus zwischen 4 und 6 Prozent implizieren dürfte. Nun gibt sich Nestlé dafür ein bis zwei Jahre mehr Zeit. Trotzdem soll sich auch 2020 das Tempo weiter erhöhen.

Die Prognosesenkung kam zwar nicht ganz unerwartet. Auch Konkurrentin Unilever beispielsweise stellte für dieses Jahr nur ein Wachstum am unteren Ende der angestrebten Spanne von 3 bis 5 Prozent in Aussicht. Dennoch reagierten Anleger enttäuscht. Die Nestlé-Aktie verlor am Donnerstag 2,2 Prozent auf 104,70 Franken. Da half auch die Dividendenerhöhung um 25 Rappen auf 2,70 Franken nicht viel.

Neue Strategie für Wassergeschäft
Das mittlere einstellige Wachstum bleibt jedoch das Ziel von Nestlé. CEO Schneider will nun im laufenden Jahr die bestehenden Baustellen angehen. Eine davon ist das Wassergeschäft – für Nestlé eigentlich eine Hochwachstumskategorie. Doch in den letzten zwei Jahren sei das Geschäft eine Enttäuschung gewesen, sagte er. Es kam 2019 praktisch nicht vom Fleck.

In einem ersten Schritt will Nestlé die Sparte ab dieses Jahr nicht mehr global führen, sondern innerhalb der Zonen. Damit ist es aber nicht getan. Deshalb wolle Nestlé bald – voraussichtlich noch im ersten Halbjahr – die neue Strategie für den Bereich vorstellen, sagte Schneider.

Auch in China – dem zweitwichtigsten Markt von Nestlé – harzte es zuletzt. Über das gesamte Jahr wurde dort ein „leicht positives Wachstum“ ausgewiesen. So verlangsamte sich die Dynamik bei der Säuglingsnahrung, vor allem im Massenmarkt. Dazu setzte sich auch der Umsatzrückgang bei der Marke Yinlu mit Erdnussmilch und Reisbrei fort. Bereits kursieren Gerüchte, Yinlu werde verkauft. Dazu hält sich Nestlé bedeckt: Derzeit gebe es nichts zu verkünden, sagte Schneider.

Mehr Zukäufe geplant
Daneben will Nestlé das Wachstum vor allem auch mit Zukäufen wieder ankurbeln. „Wenn ich für 2019 etwas bedauere, dann, dass unser Portfoliomanagement stärker auf Verkäufe statt auf Zukäufe ausgerichtet war“, sagte er. Die Pipeline für Übernahmen sei nun besser gefüllt als noch vor einem Jahr. „Wir wollen wachsen und nicht kleiner werden“, so Schneider.

Insgesamt wolle er den Konzern in Zukunft in einem ähnlichen Umfang über Akquisitionen und Devestitionen umbauen wie in der Vorperiode. In den letzten drei Jahren beliefen sich die Transaktionen auf 12 Prozent des Umsatzes. (awp/mc/pg)

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