Nestlé ruft Säuglingsnahrung in mehreren Ländern vorsorglich zurück

Nestlé ruft Säuglingsnahrung in mehreren Ländern vorsorglich zurück
Vom Rückruf betroffen Betroffen sind die bekannte Marke Beba sowie Spezialprodukte wie Alfamino.

Vevey – Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat in einer der grössten Rückrufaktionen seiner Firmengeschichte in mehreren Ländern Chargen von Säuglingsnahrung vorsorglich zurückgerufen. Sie könnten mit Gift belastet sein. Analysten sehen für den Konzern ein geringes Risiko.

Betroffen sind die bekannte Marke Beba sowie Spezialprodukte wie Alfamino. Eltern wurden aufgefordert, die Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.

Der Rückruf zielt nach Unternehmensangaben auf Produkte, die unter anderem in der Schweiz, in Deutschland und Österreich verkauft wurden. Nestlé publizierte am Montag in den entsprechenden Ländern öffentliche Hinweise mit Listen der betroffenen Chargen. Krankheitsfälle im Zusammenhang mit dem Verzehr sind bislang nicht bekannt.

Der Rückruf der betroffenen Produkte erfolge nach umfassenden Testreihen in mehreren Nestlé-Märkten, teilte eine Firmensprecherin der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage mit. Welche genau, dazu machte das Unternehmen keine Angaben.

Zwei Proben in Österreich verunreinigt
Laut österreichischen Behörden betrifft der Rückruf mehr als 800 Produkte aus über zehn Werken weltweit. Ursache sei ein technischer Reinigungsdefekt in einem Zulieferbetrieb, durch den es im Dezember zu einer Verunreinigung eines Öls, das als Inhaltsstoff verwendet wird, gekommen sei. Der hitzebeständigte Giftstoff könne Übelkeit und Erbrechen auslösen, vermehre sich im Produkt jedoch nicht weiter.

In Österreich wurden den Angaben zufolge bei behördlichen Kontrollen in zwei Chargen geringe Mengen von Cereulid festgestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums besteht aufgrund der sehr niedrigen Konzentrationen keine Gesundheitsgefährdung.

Das Auftreten von Cereulid in Ölen sei sehr ungewöhnlich, erklärte die Nestlé-Sprecherin. Der Konzern stehe in Kontakt mit seinem Lieferanten, um eine umfassende Ursachenanalyse durchzuführen.

Nestlé setzt auf alternative Lieferanten
Als Reaktion setzt Nestlé vorübergehend auf alternative Lieferanten. Zudem fährt der Konzern die Produktion in mehreren Werken hoch, um die Versorgung zu gewährleisten.

Nestlé hatte bereits über die Weihnachtsfeiertage einen stillen Rückruf durchgeführt und die betroffenen Produkte aus den Regalen entfernt. Am Montag folgte nun ein öffentlicher Rückruf.

Mitte Dezember 2025 hatte Nestlé bereits präventive Rückrufe von Babymilchpulvern in mehreren europäischen Ländern – darunter Frankreich, Finnland und Dänemark – bekannt gegeben.

Analysten sehen geringes Risiko
Analysten stuften den Vorfall in ersten Kommentaren für Nestlé nicht als gravierend ein. Das Ausmass des Vorfalls erkläre sich vor allem aus der globalen Produktions- und Vertriebsstruktur von Nestlé, nicht aus der Schwere des Risiko, schrieb die Helvetische Bank in einem Kommentar.

Insgesamt wird der Vorfall als operativ bereinigt und aus Risiko-, Regulierungs- und Reputationssicht als beherrschbar eingeschätzt. «Unangenehm bleibt der Vorfall für Nestlé natürlich trotzdem.» (awp/mc/pg)

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