Novartis steigert Umsatz im Q2 trotz Generika-Konkurrenz

Joe Jimenez
Novartis-CEO Joe Jimenez. (Foto: Novartis)

Joe Jimenez, CEO Novartis. (Foto: Novartis)

Basel – Der Pharmakonzern Novartis sieht sich auf der Basis der Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2013 besser unterwegs als noch Anfang Jahr erwartet. Einerseits ist die Konkurrenz vor allem durch Generika für den Blutdrucksenker Diovan weiterhin weniger stark als ursprünglich gedacht. Anderseits entwickeln sich die jüngst lancierten Produkte sowie die Wachstumsmärkte stark. Die Restrukturierung der US-Produktionsstätte Lincoln verläuft jedoch langsamer als geplant. Für das Gesamtjahr wurde die Guidance erwartungsgemäss erhöht.

Im zweiten Quartal stieg der Konzern-Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1% auf 14,49 Mrd USD. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) sei der Absatz um 3% gewachsen, teilte die Gruppe am Mittwoch mit. Das operative Ergebnis sank indessen um 4% auf 2,97 Mrd USD (+1% kWk) und der Reingewinn fiel um 5% auf 2,55 Mrd (unverändert zu kWk). Der Free-Cash-Flow lag mit 1,79 Mrd um 23% tiefer. Dies wird vor allem auf höhere Forderungen aus Lieferungen und Leistungen aufgrund des Zeitpunkts von Zahlungseingängen in Spanien und den USA, auf höhere Investitionen in langfristige Vermögenswerte sowie auf Lageraufstockungen für Sicherheitsbestände zurückgeführt.

Das operative Kern-Ergebnis wird für das Berichtsquartal mit 3,76 Mrd (-2% in USD; +2%% kWk) und der Kern-Reingewinn mit 3,23 Mrd (ebenfalls -2% USD; +2% kWk) ausgewiesen. Die «Kern»-Zahlen sind bereinigt um Akquisitions- und weitere bedeutende Sondereffekte.

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat der Konzern die Erwartungen des Marktes leicht übertroffen; die Anhebung der Ganzjahres-Guidance ist allerdings erwartet worden. Im ersten Halbjahr stieg der Konzern-Umsatz um 2% auf 28,50 Mrd USD (+4% kWk). Das operative Ergebnis wird mit 5,87 Mrd auf Vorjahreshöhe ausgewiesen (+5% kWk) und der Reingewinn mit 4,97 Mrd um 1% höher (+6% kWk).

Pharma-Wachstumsprodukte und ausbleibende Konkurrenz für Diovan
Im zweiten Quartal ist der Umsatz vor allem dank der Zunahme der Verkäufe für die ab 2008 eingeführten Wachstumsprodukte und der noch ausgebliebenen Konkurrenz für den Blutdrucksenker Diovan als Monotherapie gewachsen. Zu konstanten Wechselkursen legten die Verkäufe in allen Konzernbereichen zu. Bereinigt um die Auswirkungen abgelaufener Patente, stieg der zugrunde liegende Konzernumsatz bei konstanten Wechselkursen um 8%. Dafür sorgten Gilenya, Afinitor, Tasigna, Galvus, Xolair, die «Q-Produktfamilie» und Jakavi, die zusammen 4,5 Mrd USD bzw. 31% zum Nettoumsatz des Konzerns beisteuerten und gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13% zulegten, so die Mitteilung. Die Konkurrenz durch Generika, vor allem für Diovan und Zometa, führte zu Umsatzeinbussen von rund 0,8 Mrd.

Auf EBIT-Ebene sank die Marge um 1,2 Prozentpunkte auf 20,5%. Zu kWk verzeichnete die Pharma-Division einen EBIT-Rückgang um 3%, während Alcon um 5% und Sandoz um 2% zulegten. Consumer Health wies dank Wachstum des Basisgeschäftes und Fortschritten im Werk Lincoln wieder ein Plus von 29 Mio USD aus (VJ 0 Mio), Vaccines und Diagnostics verringerte den Verlust um 13 auf 83 Mio. Die Restrukturierung in Lincoln schreitet indessen weniger stark voran als ursprünglich geplant, wie CEO Jimenez an einer Telefonkonferenz durchblicken liess.

Ausblick erhöht
Die Konzernleitung hat den Ausblick für das Gesamtjahr erwartungsgemäss erhöht. Neu rechnet das Management zu konstanten Wechselkursen (kWk) mit einer Steigerung des Nettoumsatzes im unteren einstelligen Prozentbereich, wobei die Einbussen durch Generikakonkurrenz wettgemacht werden sollen. Beim operativen Kernergebnis wird neu von einem Rückgang (zu kWk) im unteren einstelligen Prozentbereich ausgegangen. Dabei wird neben der geringeren Konkurrenz durch Generika auf weitere Investitionen in die Pipeline sowie in Neueinführungen verwiesen.

In der ursprünglichen Prognose rechnete Novartis auf Konzernebene zu konstanten Wechselkursen mit einem Nettoumsatz auf dem Niveau des Jahres 2012. Für das operative Kernergebnis des Konzerns (zu kWk) ging das Management noch im April von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich aus.

Ehemaliger VRP Vasella erhält 2,7 Mio CHF in bar und Aktienpaket
Der ehemalige Novartis-Verwaltungsratspräsident (VRP) Daniel Vasella wird in einer Übergangszeit mit Barwerten und einem Aktienpaket entschädigt. Wie der Konzern am Mittwoch weiter bekannt gab, erhält Vasella für gewisse «Übergangs-Dienstleistungen» zwischen Februar 2013 bis Ende Oktober 2013 2,7 Mio CHF in bar sowie 31’724 frei verfügbare Aktien per 31. Oktober 2013 (aktueller Marktwert: ca. 2,2 Mio). Konkret wird Vasella unter anderem für die Einsitznahme in einzelnen Verwaltungsräten von Tochtergesellschaften und die Unterstützung des VR-Präsidenten ad interim sowie des künftigen VR-Präsidenten entschädigt.

Anschliessend werde Vasella für spezifische Beratungsleistungen wie das Coaching von Nachwuchs-Führungskräften oder das Halten von Referaten an wichtigen Novartis-Anlässen zur Verfügung stehen. Diese Berater-Vereinbarung läuft vom 1. November 2013 bis Ende 2016, hiess es. Das Honorar beträgt 25’000 USD pro Beratertag, wobei ein Gesamthonorar von mindestens 250’000 USD jeweils für die Kalenderjahre 2014, 2015 und 2016 garantiert wird.

Vasella wird zudem den Titel des Ehrenpräsidenten führen. Über die mit dem Amt verbundenen Treuepflichten hinaus beinhaltet diese Rolle keine spezifischen Rechte. Vasella werde nicht an den Sitzungen des Verwaltungsrates teilnehmen, hiess es. Die Rolle als Ehrenpräsident wird mit Ausnahme «gewisser für eine solche Position üblicher administrativer Unterstützung und Sicherheitsleistungen» nicht entschädigt. (awp/mc/upd/ps)

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