Orange Schweiz wird an französischen Telekomunternehmer verkauft

Xavier Niel
Xavier Niel, französischer Telekomunternehmer (NJJ Capital).

Neuer Eigentümer von Orange Schweiz: Telekomunternehmer Xavier Niel.

London / Lausanne – Die britische Beteiligungsgesellschaft Apax hat nach drei Jahren genug vom festgefahrenen Schweizer Telekommarkt: Sie verkauft den Mobilfunkanbieter Orange Schweiz an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel, der in Frankreich den Anbieter Iliad besitzt.

Niel legt dafür 2,3 Mrd EUR (2,8 Mrd CHF) auf den Tisch, wie Orange am Donnerstag bekannt gab. Mit dem Verkauf erziele Apax eine starke Rendite, hiess es. In der Tat machen die Briten Kasse: Bei der Übernahme im Jahre 2012 hatte Apax 2,0 Mrd CHF für den Schweizer Mobilfunker bezahlt. Mit dem jetzigen Deal erhält Apax also ein Weihnachtsgeschenk in Höhe von 800 Mio CHF.

Seit der Übernahme im Jahr 2012 habe Orange zahlreiche Massnahmen ergriffen, die das Unternehmen effizienter und fitter für die Zukunft machten. Unter anderem wurde auch dank eines Stellenabbaus von 140 Leuten der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) deutlich gesteigert, wie es weiter hiess. Der Umsatz legte von 1,25 Mrd im 2011 auf 1,29 Mrd CHF im 2013 zu, während der EBITDA von 310,4 Mio auf 344,6 Mio CHF kletterte. Überdies wurde das Mobilfunknetz auf die neueste Generation 4G (auch LTE genannt) aufgerüstet.

Festgefahrener Mobilfunkmarkt
Dennoch ist der Schweizer Telekommarkt ziemlich festgefahren. Es dominiert die Swisscom den Mobilfunk mit einem Marktanteil von rund 60%, während die beiden kleineren Orange und Sunrise sich je um die 20% herumbalgen.

Angesichts der verkrusteten Verhältnisse hatte France Télécom hierzulande das Handtuch geworfen, nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) die Fusion von Orange und Sunrise verboten hatte, die einen potenteren Herausforderer für den «Blauen Riesen» geformt hätte. Ebenfalls kurz vor Heiligabend 2011 hatte France Télécom den Verkauf von Orange Schweiz an Apax bekannt gegeben.

Dass Apax Orange Schweiz nicht dauerhaft behalten wollte, war schon damals bei der Übernahme klar. Üblicherweise veräussern Beteiligungsgesellschaften die Unternehmen in ihrem Besitz nach einigen Jahren wieder.

Auch Konkurrentin Sunrise, die im Besitz der Beteiligungsgesellschaft CVC ist, steht ein solcher Schritt bevor. Gemäss gut unterrichteten Kreisen sollen die Pläne für einen Börsengang von Sunrise bereits in der Schublade liegen.

Positiv für alle Beteiligten
Der Verkauf an Niel sei ein guter Deal für alle Beteiligten, sagte Orange Schweiz-Chef Johan Andsjö: Apax habe eine schöne Wertsteigerung bekommen. Der Käufer Xavier Niel sei sehr interessiert am Schweizer Markt und habe Orange bereits früher kaufen wollen.

Und der Deal sei auch gut für Orange Schweiz selber: «Wir erhalten einen langfristigen Besitzer aus der Telekombranche, der in der Schweiz investieren will.» Niels private Holding NJJ Capital, an die Orange Schweiz verkauft wird, sei der richtige neue Partner für Orange auf dem Weg zu einer starken Herausforderin im Schweizer Mobilfunkmarkt, schrieb auch Apax-Partner Gabriele Cipparrone.

«NJJ Capital wird als neue Eigentümerin von Orange Schweiz den Kunden, den Mitarbeitenden und dem Management Kontinuität bieten. NJJ Capital ist ein langfristiger, strategischer Investor, der ausgewiesenen Telekomspezialisten gehört und von ihnen geführt wird», schreibt Xavier Niel im Communiqué.

Darüber, wie sich das im Alltag von Orange konkret auswirke, hielt sich der Orange-Chef bedeckt. Auf die Frage nach Synergien, sagte Andsjö: «Wir haben darüber noch keine Gespräche geführt.» Ich bin aber sicher, dass wir innovative Ideen austauschen können. Niel sei in über 100 unternehmerischen Projekten engagiert.

Keinen Kommentar abgeben wollte Andsjö auf die Frage nach den Auswirkungen fürs Personal und zur Verwendung der Marke Orange. Gemäss der Vereinbarung mit France Télécom darf Orange Schweiz die Marke hierzulande noch bis zum ersten Quartal 2017 verwenden.

Swisscom-Aktienkurs bricht ein
Die Finanzgemeinde glaubt derweil bereits an ein Aufflammen des Wettbewerbs im Telekommarkt durch den Einstieg von Niel bei Orange. Der Kurs der Swisscom-Aktie sackte bis gegen 14.30 Uhr um 5,5% ab.

Händler Laurent Bakhtiari vom Broker IG betonte, dass Niel in Frankreich die Telekomlandschaft bereits umgekrempelt habe. Jedes Mal, wenn er mit seinem Anbieter Free ein neues Produkt auf den Markt gebracht habe, seien die Preise der Konkurrenz in den Keller getrieben worden.

Derzeit habe die Swisscom eine sehr starke Stellung auf dem Schweizer Markt. Daher dürfte der Eigentümerwechsel bei Orange Schweiz eine ziemlich schlechte Nachricht für den «Blauen Riesen» sein. Es sei mit hoher Sicherheit anzunehmen, dass Niel einen ähnlichen Schock auf dem Schweizer Markt auslösen werde wie in Frankreich.

Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner hob noch hervor, dass der Konsolidierungsdruck in der Branche extrem hoch sei. «Derzeit werden die Karten bei den grossen Playern der Branche neu gemischt.»

Die Swisscom ihrerseits wollte den Verkauf von Orange Schweiz an Niel «nicht kommentieren». Sie hält gemäss der Nachrichtenagentur AWP in einer schriftlichen Mitteilung fest: «Es ist zu früh für eine Beurteilung. Es herrscht schon heute ein starker Wettbewerb, mit drei unabhängigen Anbietern auch im Mobilfunkmarkt.» (awp/mc/upd/ps)

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