Rasante Zunahme der Anzahl Demenzkranker

Rentner

Zürich – Im Jahr 2050 wird sich die Anzahl der Demenzpatienten weltweit voraussichtlich auf mehr als 115 Millionen verdreifachen. Das zeigt der aktuelle Demographic Pulse der Allianz. Auch in der Schweiz wird diese Anzahl nach Einschätzung der Welt-Alzheimer-Gesellschaft auf über 260’000 steigen. Vor allem Europa und Asien werden von dieser Entwicklung betroffen sein, deren volkswirtschaftlichen Kosten beträchtlich sind.

Zur Einordnung der Dimension: 115 Millionen Menschen entsprächen in etwa der heutigen Bevölkerung von Spanien und Frankreich zusammen genommen, so die neue Allianz Demographic Pulse – Ausgabe zum Thema Demenz/Alzheimer.

Krankheit verursacht immense Kosten
„Die volkswirtschaftlichen Kosten der Krankheit sind beträchtlich. Leistungen durch die formale plus informelle Pflege durch Angehörige belaufen sich bereits derzeit auf mehr als 450 Milliarden Euro weltweit“, erklärt Christoph Rothenbühler, Leiter Kranken/Unfall der Allianz Suisse. Für die Schweiz beziffert die Schweizerische Alzheimervereinigung die durchschnittlichen Kosten für die Pflege eine Demenzkranken je nach Schweregrad der Erkrankung auf rund 50’000 Franken, im fortgeschrittenen Stadium sogar auf über 110’000 Franken.

«Demenz wird sich auch in der Schweiz weiter ausbreiten. Deshalb benötigen wir dringend eine Intensivierung der Forschung, die Entwicklung alternativer Pflege- und Wohnformen und die Bereitstellung frühzeitiger Diagnosemöglichkeiten für Patienten, damit diese genügend Zeit haben, sich über Betreuungs- und Pflegeangebote sowie Absicherungsmöglichkeiten zu informieren“, so Rothenbühler. Dass dies notwendig ist, zeigen die aktuellen Prognosen.

2050 in der EU fünf Demenzkranke auf 100 Arbeitskräfte
Auch die Relation Demenzkranker zu Personen im erwerbsfähigen Alter wird sich dramatisch verändern. Denn während sich die Zahl der von Demenz Betroffenen infolge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft in der Europäischen Union nahezu verdoppeln dürfte, wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter deutlich zurückgehen. Kommen heute schon zwei Demenzpatienten auf 100 erwerbsfähige Personen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, dürften es Mitte des Jahrhunderts fünf Demenzkranke sein, so die Allianz.

Demenz weltweite Herausforderung
Lange Zeit wurde vermutet, dass Demenz eine Krankheit der Industrieländer und der westlichen Welt ist. Jüngere Studien kommen jedoch zu dem Schluss, dass die Häufigkeit der Krankheit in den Entwicklungs- und Schwellenländern bislang deutlich zu niedrig angesetzt wurde. Allein in Asien dürften im Jahre 2050 knapp 61 Millionen Menschen von Demenz betroffen sein; und in China werden mehr Menschen an Demenz leiden als in allen Industrieländern zusammen. In Europa wird sich die Zahl bis Mitte des Jahrhunderts von heute rund 10 Millionen Menschen auf knapp 19 Millionen Menschen nahezu verdoppeln. Davon dürften schätzungsweise 15 Millionen in der Europäischen Union leben.

Krankheit noch unheilbar
Seit der erstmaligen Beschreibung der Krankheit im Jahre 1906 wurden zwar erhebliche Fortschritte bei der Erforschung der Wirkungszusammenhänge erzielt, eine dauerhafte Linderung oder gar Heilung von Demenz ist bislang jedoch nicht möglich. Bei einer frühzeitigen Diagnose kann der Ausbruch bzw. das Fortschreiten der Krankheit durch die Gabe von entsprechenden Antidementiva hinausgezögert werden. Auch geistige und gezielte sportliche Aktivität können präventiv wirken oder den Verlauf der Krankheit mildern. Ein großes Problem ist für die meisten Patienten und vor allem auch deren Angehörigen geeignete Informationen zu finden, betont die Allianz. Betroffene und Angehörige wissen oft nicht, wie der Verlauf der Krankheit gemildert, der Alltag eigenständig bewältigt oder ein geeigneter und insbesondere finanzierbarer Pflegeplatz gefunden werden kann.

Thema frühzeitig angehen
Staaten und Versicherungen stellen sich weltweit zunehmend auf die Herausforderungen durch die stark steigende Bedeutung der Krankheit ein. In einigen Ländern werden spezielle Pflegeversicherungen angeboten, die im Fall von Demenz Zahlungen leisten und konkrete Unterstützungsleistungen sowie Präventionsprogramme anbieten. In der Schweiz werden die Kosten für die Pflege und Hilfe zu Hause sowie die Kosten für die Alterseinrichtungen (Heime, Pflegewohnungen) zum Teil von der Person selbst, zum Teil von der Krankenkasse und den Sozialeinrichtungen vergütet.

Verschiedene öffentliche und private Institutionen bieten ebenfalls punktuelle Unterstützung. «Demenz und deren Kostenfolge ist ein schwieriges Thema, bei dem alle – Staat, Unternehmen aber auch jeder Einzelne – gefordert sind. Es gilt, Defizite in der medizinischen Versorgung und der Pflege für Demenzkranke zu verbessern und zusätzliche Angebote zu entwickeln. Zur Verbesserung trägt auch bei, wenn jeder Einzelne sich so früh wie möglich mit dem Thema beschäftigt“, meint Rothenbühler. (Allianz/mc)

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